Schweiz

Oberster Finanzverwalter kritisiert hohe Löhne für Bundes-Kader – zur Freude bürgerlicher Politiker

Serge Gaillard ist Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung.

Serge Gaillard ist Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung.

Er habe noch nie ein Problem gehabt, eine Kaderstelle zu besetzen, sagt Serge Gaillard. Der Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung findet die Kaderlöhne zu hoch – und erntet Zustimmung bei bürgerlichen Finanzpolitikern.

Serge Gaillard findet es falsch, Kaderlöhne beim Bund mit der Privatwirtschaft zu vergleichen. «Ich vergleiche meinen Lohn mit jenen, die ihn mir ermöglichen: den Steuerzahlern», sagte der Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung in einem Interview mit Tamedia-Zeitungen vom Dienstag. So betrachtet erhalte er einen sehr guten Lohn. Gaillard legte offen, dass er pro Monat 20'000 Franken Lohn ausbezahlt erhalte. Inklusive Beiträge an die Sozialversicherungen und die Pensionskasse komme er pro Jahr auf rund 300'000 Franken.

Er habe kein Verständnis für eine fünfprozentige Lohnerhöhung für das Kader im Jahr 2008 gehabt, sagte Gaillard weiter. Für den ehemaligen Sekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes ist klar, dass die Kaderlöhne nicht stärker steigen sollten als die Durchschnittslöhne. Die hohen Einzellöhne hätten ausgestrahlt.

Die oberen Einkommen hätten sich von den mittleren entfernt. «Eine Fehlentwicklung, die dazu führt, dass Eliten und Kader in der Bevölkerung weniger akzeptiert werden.» Gaillard hält die Bundesverwaltung für konkurrenzfähig. Er habe noch nie ein Problem gehabt, eine Kaderstelle zu besetzen. «Es kommt vor, dass Bewerber bereit sind, auf 50'000 Franken im Jahr zu verzichten, wenn sie dafür eine interessante Tätigkeit und mehr Jobsicherheit erhalten.»

Beim Bund gibt es 38 Lohnklassen. Als Kaderfunktionen gelten Stellen ab Lohnklasse 24. In der Lohnklasse 24 beträgt der höchstmögliche Bruttojahreslohn knapp 150'000 Franken, in der Lohnklasse 38 knapp 382'000 Franken. Amtsdirektoren und Staatssekretäre gelten als Topkader und werden in den Lohnklassen 34 bis 38 eingestuft.

Höhere Jobsicherheit

Bei bürgerlichen Finanzpolitikern kommen Gaillards Worte gut an. «Ich bin froh, dass er zu dieser Einsicht gelangt», sagt der Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller. Die Bundesangestellten hätten eine höhere Jobsicherheit als in der Privatwirtschaft und würden von zahlreichen Privilegien profitieren, sagt er. Für Keller haben sich auch die Durchschnittslöhne von der Privatwirtschaft abgekoppelt. Gemäss einem aktuellen Bericht zum Personalmanagement belief sich dieser im letzten Jahr auf 122'000 Franken. Dieser Wert liegt bloss einige Tausend Franken tiefer als in der Banken- und Versicherungsbranche. Keller bedauert es, dass bisher alle politischen Bemühungen gescheitert seien, die Lohnkosten beim Bund zu drosseln. Die Bundesverwaltung habe bei der Personalrekrutierung im Vergleich zur Privatwirtschaft immer längere Spiesse.

Auch der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür begrüsst Gaillards Analyse. Der Bund habe 2008 bei den Kadern mit der grossen Kelle angerührt und damit auch die Durchschnittslöhne in die Höhe getrieben. Er sieht aber keinen politischen Hebel, um dies zu ändern. Gmür gibt zu bedenken, dass der Bund mit seinem Lohnniveau im Vergleich zu Kantonen und Gemeinden einen Wettbewerbsvorteil habe und daher eine Sogwirkung auf Beamte ausübe.

Vorsichtig äussert sich Roberto Zanetti:

, sagt der Solothurner SP-Nationalrat. So bekunde der Bund zum Beispiel oft Mühe, im IT-Bereich Fachspezialisten zu finden, weil sie in der Privatwirtschaft besser verdienten. Der Bundesrat schrieb derweil in einer Antwort auf einen SVP-Vorstoss, dass der Bund einzig die Mitarbeiter in den tieferen Lohnklassen besser entschädige als die Privatwirtschaft. Ab dem mittleren Kader entrichte der Bund tiefere Löhne als vergleichbare Unternehmen in der Privatwirtschaft, beim höheren und beim Topkader akzentuierten sich die Unterschiede.

Im Ständerat hielt Finanzminister Ueli Maurer im letzten September fest, er glaube, der Staat sei dazu verpflichtet, gutes Personal zu haben, das auch gut bezahlt werden müsse. «Denn der gute Ruf der Schweiz, die Qualität der Schweiz, die Stabilität der Schweiz hängen auch damit zusammen, dass Unternehmen der Privatwirtschaft von der Verwaltung gut, effizient und sicher bedient werden.» Laut Maurer gibt es beim Bund keine ausufernden Sozialpakete oder andere zusätzliche Leistungen. «Da würde man bei gewissen Jobs in der Privatwirtschaft möglicherweise auch besser fahren», sagte er.

Autor

Kari Kälin

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