Schweiz

Neue Kampfjets für die Armee: Amerikaner spotten über europäische Konkurrenz

Reif fürs Museum? Französischer Kampfjet Rafale am 21.Mai bei den Flugtests in Payerne VD.

Reif fürs Museum? Französischer Kampfjet Rafale am 21.Mai bei den Flugtests in Payerne VD.

Im Umfeld von US-Kampfjet-Herstellern mokiert man sich derzeit gerne über die angeblich veraltete europäische Konkurrenz. Sicherheitspolitiker lassen das nicht so stehen.

Wer in den letzten Wochen und Monaten mit den in Kampfjet-Angelegenheit angereisten Vertretern der Neuen Welt sprach, der bekam oft eine Art Mitleid zu spüren. Mitleid der Amerikaner und ihrer Alliierten mit den europäischen Flugzeugherstellern. Manchmal ging dieses Mitleid auch in freundlich, aber bestimmt zum Ausdruck gebrachte Herablassung über.

Es geht um die beiden europäischen Kampfjets Rafale (Dassault) und Eurofighter (Airbus), die noch im Rennen um die Nachfolge des F/A-18 sind. Der dritte europäische Flieger, der noch nicht in allen Teilen taugliche Gripen, ist ja bereits ausgeschieden. Die US-Jets F-35 (Lockheed Martin) und F/A-18 Super Hornet (Boeing) haben also bereits einen Gegner weniger.

Besser gleich einmotten? Eurofighter-Jets am 12. April  in Payerne VD.

Besser gleich einmotten? Eurofighter-Jets am 12. April in Payerne VD.

«Das sind Museumsstücke. Wenn die Schweiz europäische Kampfjets kauft, dann kauft sie Museumsstücke», sagte ein Firmenvertreter, der sich um einen der Aufträge für Air2030 bewirbt, kürzlich im Gespräch. Denn die beiden Jets, der Rafale und der Eurofighter, seien Entwicklungen aus den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Flugzeuge, die der vierten Generation zugerechnet werden.

Da loben sich die Amerikaner und ihre Jet-Alliierten ihre eigenen Jets. Der F/A-18 ist zwar gemäss dieser Definition auch ein Museumsstück, aber das Nachfolgemodell Super Hornet Block III, der in der Schweiz zur Debatte steht, gehört laut Aussagen von Boeing-Leuten der fünften Generation an. Entsprechend also dem neusten Stand der Technik. Dank seinen verbesserten Tarnkappeneigenschaften und einer Reihe von anderen Weiterentwicklungen wie «fortschrittliche Netzwerkinfrastruktur», «grössere Reichweite», «Zielerfassung über hohe Reichweite».

Moderner als die Europäer? F/A-18 Super Hornet am 30. April in Payerne.

Moderner als die Europäer? F/A-18 Super Hornet am 30. April in Payerne.

Als der modernste der Jets aber gilt den Amerikanern der F-35, der Tarnkappenbomber, das einzige Flugzeug im Rennen, das unbestritten der neuesten, der fünften Generation angehört. Geht es nach den selbstbewussten Leuten von Hersteller Lockheed Martin, so sind alle anderen Jets jetzt schon veraltet. Und werden es in 20, 30 Jahren erst recht sein.

Ist nur das Modernste gut genug? US-Jet F-35A am 7. Juni in Payerne VD.

Ist nur das Modernste gut genug? US-Jet F-35A am 7. Juni in Payerne VD.

Sitzen die Schweizer Kampfjetpilotinnen und -piloten womöglich bald in fliegenden Kisten? Kauft die Schweiz veraltete Ware, wenn sie kein US-Vehikel beschafft?

Dittli (FDP): «Selbstmarketing der Amerikaner»

«Das ist Selbstmarketing der US-Hersteller. Auch die anderen Flieger sind nach wie vor in der Lage, einen Luftraum zu verteidigen», sagt der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli, Präsident der Sicherheitskommission SIK der kleinen Kammer.

«Da unser Land so eine kleine Fläche hat und somit einen sehr kleinen Luftraum zu schützen hat, sind unsere Anforderungen an ein Kampfflugzeug auch vor diesem Hintergrund zu berücksichtigen. Dann gilt es vor dem Hintergrund der beschränkten Finanzen auch auf die logistische Basis Rücksicht zu nehmen», sagt der ehemalige Berufsoffizier, der unter anderem an einem Nato-College ausgebildet wurde. Er denkt an bestehende Einrichtungen wie Flughäfen und Kavernen.

Seiler Graf (SP): «CIA fliegt im Cockpit mit»

Priska Seiler Graf, Sicherheitspolitikerin der SP sagt: «Da will man die europäischen Typen wohl gezielt schlecht reden. Zudem fehlt jegliche strategische Diskussion, welches Ambitionsniveau wir anstreben möchten. Irgendwann kam die Schweiz auch zum Schluss, dass sie auf eigene Atomwaffen verzichtet, weil sie keinen Atomkrieg führen will.»

Für die Zürcher SP-Nationalrätin steht fest: «Der US-Tarnkappenbomber F-35 ist in erster Linie für Schläge tief im feindlichen Territorium geeignet. Das brauchen wir nicht. Klar sind die beiden Europäer-Modelle Kampfjets der 4. Generation, das lässt sich nicht abstreiten.»

Der «angebliche Super-Flieger F-35» habe aber auch seine Schwächen. Seiler Graf: «So sitzt der amerikanische Geheimdienst als blinder Passagier stets mit im Cockpit. Ich möchte mich nicht bei der Software in eine so grosse technische Abhängigkeit von den USA begeben, wie das beim F-35 der Fall wäre.»

Flach (GLP): «Aktuelle Robustheit» reicht

Nicht viel besseren Bescheid gibt es bei der GLP. Beat Flach, Aargauer Sicherheitspolitiker, sagt, die GLP sei für eine Einflottenstrategie. Daher brauche es ein Flugzeug, das zum Beschaffungszeitpunkt die Anforderungen der Armee erfülle. «Der Gripen hat dem nicht entsprochen, was sich ja jetzt deutlich mit dem Rückzug aus der Evaluation bestätigt hat. Die Schweiz braucht aber für ihre Aufgaben auch kein Kampfflugzeug der 5. Generation. Es muss in meinen Augen eine glaubwürdige Luftwaffe mit aktueller Robustheit und entsprechenden Fähigkeiten ausgestattet sein», erläutert Flach.

Quadranti (BDP): Warten auf Resultate

Nicht in diese Debatte einmischen mag sich derzeit die Zürcher BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti, auch sie Mitglied der Sicherheitskommission. Die BDP sei dafür, «dass die Frage, ob wir Flugzeuge wollen - versehen mit einem Preisschild, vors Volk» komme. Was die Wahl des Flugzeugtyps betreffe, solle man die Ergebnisse der Erprobung durch Experten abwarten.

Wie auch immer: Die Qual der Wahl dürften am Schluss die Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) und der Gesamtbundesrat haben. Sie werden, sofern das Volk die nötigen 6 Milliarden Franken dereinst an der Urne bewilligt, den Typenentscheid treffen und sagen, welchen Jet die Armee kaufen darf. Oder kaufen muss.

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