Nach vernichtendem Bericht: Jetzt reicht Pierre Maudet Anzeige ein

Wie schlimm ging es im Departement des Staatsrat zu und her? Nicht so schlimm, wie es im Bericht der Regierung heisst, meint Pierre Maudet - und zieht deshalb vor Gericht.

Benjamin Weinmann aus Genf
Merken
Drucken
Teilen
Pierre Maudet will die Anschuldigungen seines Personals nicht auf sich sitzen lassen.

Pierre Maudet will die Anschuldigungen seines Personals nicht auf sich sitzen lassen.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Für viele war es ein weiterer Nagel auf den politischen Sarg Pierre Maudets. Als Ende Oktober der Genfer Regierungsrat über gravierende Missstände im Departement des Wirtschaftsvorstehers berichtete, wurde Maudet all seiner politischen Aufgaben enthoben und in ein anderes Büro abgeschoben.

Gemäss einem Bericht der Personalabteilung klagten mehrere Angestellte in Maudets Abteilung über Mobbing. Jemand gab sogar zu Protokoll, aufgrund des psychischen Drucks möglicherweise sich selber oder Maudet körperlichen Schaden anzufügen.

«Anhäufung von anonymen Zitaten»

Doch der Staatsrat ohne Arbeit will sich auch in dieser Affäre nicht geschlagen geben. In einem Interview mit dem Genfer Gratisblatt «GHI» gibt er bekannt, dass er auf Anraten seiner Anwälte am Montag eine Strafanzeige gegen den Autor des Berichts und gegen Unbekannt eingereicht hat. Maudet spricht von Verleumdungen und Beleidigungen.

«Dieser Bericht ist eine Anhäufung von anonymen Zitaten, die nicht auf sachlichen Begebenheiten beruhen», sagt Maudet. Diese Methode missachte elementare Justizregeln, wie zum Beispiel das Recht angehört zu werden, Verhältnismässigkeit und Transparenz.

«Weiss nicht immer, wie man Danke sagt»

Seine Ratskollegen haben inzwischen eine zweite, externe Prüfung durch den ehemaligen Bundesrichter Jean Fonjallaz in Auftrag gegeben. Damit würde das Gremium anerkennen, dass der erste Bericht «schlampig» und «unzureichend» gewesen sei, sagt Maudet. Zum Schluss des Interviews gibt sich der ehemalige Bundesratskandidat dann noch selbstkritisch – zumindest ein bisschen: «Ich leugne nicht, dass ich anspruchsvoll bin und nicht immer weiss, wie man Danke sagt, aber ich habe in meinen 13 Jahren als Magistrat nie gemobbt oder irgendwelche Beschwerden erhalten.»

Maudet hat bereits angekündigt als unabhängiger Kandidat sich den Regierungsratswahlen am 7. März zu stellen. Von seiner ehemaligen Partei, der FDP, wurde er ausgeschlossen. «Letztendlich weiss ich nicht, wie meine politische Zukunft aussieht, aber egal wie die Wahlen ausgehen, die Genfer werden entscheiden.»