Pandemie
Nach Corona-Ausbrüchen: Maskenpflicht für Primarschüler auch an Zürcher Schulen – das sagt die Expertin

In Baselland gilt die Regel ab Mittwoch. Nun müssen auch an einzelnen Schulen im Kanton Zürich Masken getragen werden. Eine Expertin begrüsst die Massnahme.

Pascal Ritter
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Was in der Oberstufe schon Realität ist, kommt nun auch bei Primarschulkindern: Maskenpflicht an der Schule.

Was in der Oberstufe schon Realität ist, kommt nun auch bei Primarschulkindern: Maskenpflicht an der Schule.

Keystone

Nach Corona-Ausbrüchen an Schulen müssen auch Primarschüler Masken tragen. Der Kanton Baselland verfügte diese Massnahme am Dienstag. Sie gilt ab Mittwoch für 5.- und 6.-Klässler.

Im Kanton Zürich ist die Regel bereits an einzelnen Schulen in Kraft. So zum Beispiel in Volketswil. In einer Mitteilung auf der Webseite der Schulen in Volketswil heisst es:

Alle Schülerinnen und Schüler der Schulen in Volketswil ab der 4. Klasse müssen ab Dienstag, 19. Januar 2021, in der Schule eine Maske tragen.

Im Schulhaus Feldhof sind aktuell zwei Klassen aufgrund von Covid-19 in Quarantäne. Die Schulkinder und Lehrpersonen werden zum Corona-Test geladen. Dieser findet in einem Corona-Drive-in-Testzentrum in Dübendorf statt, wie die Pendlerzeitung «20 Minuten» berichtete.

Gemäss der Zürcher Gesundheitsdirektion handelt es sich in Volketswil nicht um Ansteckungen mit der britischen Coronamutation.

Auch an der Pfnüselküste kam es in einem Schulhaus zu einem Ausbruch. Ein Unterstufenschüler der Primarschule «Dorf» ist in Kilchberg ZH positiv auf Corona getestet worden. Wie die Gesundheitsdirektion bestätigt, handelt es sich um die ansteckendere britische Coronamutation. «Blick.ch» hat zuvor schon darüber berichtet.

Nun müssen alle Schüler und Mitarbeiter des Schulhauses in Quarantäne. Zudem müssen alle Kontaktpersonen, des infizierten Schulkindes, sowie Kontaktpersonen von Kontaktpersonen in Quarantäne.

Auch in Kilchberg sollen künftig 4.- bis 6.-Klässler mit Maske zur Schule kommen.

Es gab bereits früher solche punktuellen Maskenpflicht-Anordnungen im Kanton Zürich. Sie wurden jeweils nach einer gewissen Frist (ca. 2 Wochen) wieder aufgehoben.

Generell galt bisher an Schulen eine Maskenpflicht ab 12 Jahren. Mit der Ausweitung sind nun Schulkinder ab 10 beziehungsweise 9 Jahren betroffen. Die 12-Jahre-Schwelle geht auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und des European Centre for Disease Prevention and Control ECDC zurück. Auch die Schweizer Science Task Force bekräftigte diese Empfehlung.

Auf Anfrage schreibt ein Sprecher, dass die Analysen zu Schulen zur Zeit überarbeitet würden. Die Taskforce will noch diese Woche kommunizieren.

Die Altersgrenze wurde bisher unter anderem damit begründet, dass Masken in älteren Altersgruppen mehr bewirken können. Die WHO rät zudem nicht grundsätzlich vom Gebrauch von Masken bei jüngeren Schülern (ab 5 Jahren) ab.

Susi Kriemler von «Ciao Corona» begrüsst die Massnahme

Professorin Susi Kriemler vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich befasst sich zur Zeit intensiv mit Corona-Ansteckungen an Schulen. Sie leitet die Zürcher «Ciao Corona»-Studie, in deren Rahmen sich Schulkinder testen lassen. Auf die generelle Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler im Baselbiet angesprochen sagte sie:

Ich begrüsse diese Massnahme, weil eine erweiterte Maskenpflicht vor dem Schliessen von Schulen ergriffen werden könnte.

Es sei zu erwarten, dass Masken in jedem Alter vor Ansteckung schützen und die Weitergabe des Virus erschweren würden. Wissenschaftliche Aussagen zum Thema Masken an Schulen seien aber schwierig. Es gebe zu wenig Daten. Dazu müsste man Klassen zweiteilen und nur der Hälfte eine Maske geben. «Solche Experimente werden aus ethischen Gründen zum Glück nicht durchgeführt», sagt Kriemeler.

Auch die Frage, ob die neuen Virusmutationen sich schneller unter Schulkindern verbreiten, sei noch zu wenig untersucht. Sie sagt aber:

Warum sollten sich das Virus bei Kindern anders verhalten als bei Erwachsenen? Wenn neue Varianten für Erwachsene ansteckender sind, trifft dies sehr wahrscheinlich auch auf Kinder zu.

Umgekehrt gehe sie nicht davon aus, dass das Virus spezifisch bei Kindern ansteckender sei als bei Erwachsenen.

Kinderärzte finden Maskenpflicht für jüngere gesundheitlich unbedenklich

Die Kinderärzte stehen einer Maskenpflicht von Kinder zwischen 6 und 12 Jahren kritisch gegenüber. Auf der Webseite des Verbandes «Pädiatrie Schweiz» schreiben sie:

Wir unterstützen die generelle Maskentragpflicht für 6-12-Jährige gegenwärtig nicht, weil die Fallzahlen in diesem Altersbereich deutlich tiefer sind und das zuverlässige Tragen über mehrere Stunden schwieriger ist.

Allerdings spreche aus medizinischen Gründen nichts dagegen, dass auch jüngere Schüler Masken trügen. «Pädiatrie Schweiz» empfiehlt deshalb, die lokalen Behörden zu unterstützen, wenn sie Maskenpflicht für diesen Altersbereich verfügen.

Für das Atmen sei das Tragen einer empfohlenen chirurgischen oder Stoffmaske grundsätzlich unbedenklich und im internationalen Konsens ab dem Alter von 2 Jahren sicher.