Schweiz

Muss der Zirkus Knie dieses Jahr ganz auf eine Tournee verzichten?

100 Jahre Zirkus Knie: Troupe Sokolov

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Wenn nur tausend Zuschauer in ein Zelt dürfen, rentiert das für den Zirkus Knie nicht.

Auch die Zirkusse machen sich grosse Sorgen. Sogar der grösste unter ihnen, der Circus Knie. In Rapperswil war schon die Generalprobe über die Bühne gegangen, als das bundesrätliche Verbot einen Riegel schob. Mehr als zweihundert Mitarbeiter sind seither blockiert: Artisten, Zeltarbeiter, Musiker, Chauffeure und vieles mehr, dazu über achtzig Tiere, die jeden Tag Futter brauchen.

Fredy Knie strahlt zwar am Telefon eine grosse Ruhe aus, wenn er sagt: «Letztes Jahr haben wir unser bestes Jahr gehabt. Und dieses Jahr wird unser schlechtestes werden.» Doch Sorgen macht er sich gleichwohl. «Wir könnten rasch loslegen», sagt er. «Wir auch eine Tournee geplant, die im Juli starten könnte, mit Gastspielen in den grossen Deutschschweizer Städten und in der Romandie.» Doch ob der Juli eine realistische Perspektive ist, das muss sich erst zeigen. Gibt der Bundesrat grünes Licht und begrenzt die Zahl der Zuschauer zugleich auf tausend, «dann wird es für uns schwierig, weil wir dann nicht mehr kostendeckend arbeiten können».

Noch schlechter geht es den andern Zirkussen, viele «ohnehin nicht auf Rosen gebettet», wie Filip Vincenz sagt, der Präsident des «Clubs der Circus-, Variété- und Artistenfreunde der Schweiz». «Letztes Jahr hat der Circus Nock nach fast 160 Jahren aufgegeben, die Gründe für diesen Konkurs gelten auch für andere Zirkusse», sagt er. «Da ist eine immer weiter sich öffnende Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben. Und da ist ein überbordendes Freizeitangebot, mit dem er in Konkurrenz treten muss.»

Spendenaufruf als Sofortmassnahme

Jetzt hat sich die Lage verschärft. «Im März starten die Tourneen. Und jetzt sitzen Artisten und Mitarbeiter fest – und viel Geld ist schon ausgegeben.» Auch jene, die später loslegen, spüren die Krise. «Seit einigen Jahren startet der Circus Monti zum Beispiel im August in die neue Saison», erklärt Filip Vincenz. «Sein zweites Standbein neben den Auftritten stellen die Vermietungen von Zeltanlagen für Grossveranstaltungen wie Open Airs dar. Dieses Geschäft ist auch vollständig zum Erliegen gekommen.» Sogar bei den Winterzirkussen könnte sich das Coronavirus auswirken: Wenn nämlich im Herbst und Winter Firmen auf ihre Kundenanlässe im Zelt verzichten.

Wobei sich ohnehin die Frage stellt, ob die Zuschauer so rasch wieder zurückkehren. «Nehmen wir an, die Zirkusse dürfen im Sommer wieder auf Tournee gehen, dann fällt sie in die wärmste Zeit des Jahres. Gerade in den letzten Jahren waren die Zelte im Sommer eher schwach besucht.»

Als Sofortmassnahme hat der Club Spenden gesammelt und tut es noch. Rasch Wochen sind 20 000 Franken zusammen gekommen. Zwar nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. «Aber immerhin», sagt Vincenz.

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