Thomas Minder
Minder ist für SVP-Initiative, sucht aber Mitarbeiter in Deutschland

Der parteilose Ständerat Thomas Minder kämpft an vorderster Front für die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP. Trotzdem schreibt er für sein Unternehmen Stellen in Deutschland aus. Einen Widerspruch sieht er darin nicht.

Roman Michel
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Thomas Minder sucht Mitarbeiter in Deutschland
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Thomas Minder kämpft gegen die Masseneinwanderung.
Ständerat Thomas Minder spielt mit seinem Handy.
Thomas Minder, der Vater der Abzocker-Initiative (Archiv)
Thomas Minder freut sich über den Erfolg der Abzocker-Initiative

Thomas Minder sucht Mitarbeiter in Deutschland

Keystone

Praktisch im Alleingang hat er seiner eigenen Abzocker-Initiative zum Erfolg verholfen, nun setzt sich der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder vehement für die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP ein. Diese kommt am 9. Februar zur Abstimmung.

Im «SonntagsBlick» liess der 52-Jährige gar verlauten, dass «Zuwanderung schlimmer als Abzockerei ist».

Stelleninserate in Deutschland

Die «Schaffhauser Nachrichten» decken nun aber auf, dass Minder doch nicht so konsequent gegen die Zuwanderung ist. Für sein Unternehmen Trybol, welches im grenznahen Neuhausen SH kosmetische Produkte herstellt, begibt er sich in Deutschland auf die Suche nach Mitarbeitern.

So ist unter anderem im «Südkurier» ein Job als Chemikant ausgeschrieben.

Minder sieht darin in einem Interview mit der «Schaffhauser Nachrichten» aber kein Problem: «Schaffhausen als grenznahes Gebiet ist mit den Grenzgängern schon immer ausgekommen und braucht diese auch».

Seine Inserate hätten nichts mit der Initiative zu tun. Minder ist sich bewusst: «Als Unternehmer profitiere ich von der Zuwanderung».

«Wann, wenn nicht jetzt, ist es genug?»

Im Bundeshaus nimmt der parteilose Ständerat allerdings eine andere Rolle ein: «Ich habe als Parlamentarier auch noch eine andere Verantwortung, als nur die wirtschaftliche wahrzunehmen.» Die 74 000 Personen, die jährlich in die Schweiz einwandern, sind ihm ein Dorn im Auge.

«Wir haben die Kontrolle längst abgegeben. Ich wehre mich dagegen, dass die Zuwanderung nach oben unbeschränkt ist», sagt Minder und fügt an: «Wann, wenn nicht jetzt, ist es genug?»

Er verlange jedoch keineswegs, dass niemand mehr in die Schweiz einwandern dürfe: «Auch bei einer Annahme der Initiative werden ausländische Arbeitskräfte geholt, diejenige nämlich, die wir wirklich brauchen.» Was er ändern will: «Ich will die Zuwanderung wieder selber kontrollieren.»

Laut Minder arbeiten zurzeit 20 Angestellte in der Firma Trybol, darunter auch zwei «Zugewanderte». Dies entspricht zehn Prozent der gesamten Belegschaft.