Steuergelder

Mauscheleien im Astra – das Auto, das Archiv und drei Töchter

Ein Astra-Mitarbeiter soll mit Projektgeldern ein Auto finanziert haben, welches nur er selber benutzte.

Ein Astra-Mitarbeiter soll mit Projektgeldern ein Auto finanziert haben, welches nur er selber benutzte.

Obwohl die Vergabe von Bundesaufträgen gesetzlich klar geregelt ist, werden die Vorschriften beim Bundesamt für Strassen nicht immer eingehalten. Projektleiter sind dort allzu freizügig mit Steuergeldern umgegangen. Die Behörde gelobt Besserung.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) ist unter Beschuss: Wie die «NZZ» in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, sind Projektleiter in mehreren Fällen eigenmächtig mit Steuergeldern umgegangen. Besonders in der Kritik steht ein führender Mitarbeiter der Astra-Filiale Zofingen. Er soll sich im Jahr 2009 einen roten Subaru Impreza 2.0 organisiert haben, der eigentlich für Projekt- und Baustellenbegleitungen gedacht war – gebraucht hat das Auto aber offenbar nur er selbst.

Abgerechnet wurde es über ein Erhaltungsprojekt auf der A2. Das Astra zeigt sich reumütig. Solche eine «Miete» eines externen Fahrzeuges entspreche nicht den Gepflogenheiten und werde «per sofort gestoppt und ein Einzelfall bleiben», sagte Sprecher Thomas Rohrbach. 

Töchter fürs Archiv

Die einzige Mauschelei im Astra war es freilich nicht: Als die Verantwortlichen der Zofinger Filiale beschlossen, das Archiv im Rahmen des Projekts «Digiplan» neu zu strukturieren, wurden dafür unter anderem gleich drei Töchter von Projektleitern engagiert. Ihre Arbeit wurde allerdings nicht über die Filiale Zofingen, sondern über das Strassenprojekt Cityring Luzern bezahlt – welches letztlich sogar das gesamte Archiv finanzierte.

Der Missstand soll nun korrigiert werden. Dass gleich drei Verwandte von Projektleitern zum Einsatz gekommen sind, ist für Astra-Sprecher Rohrbach «schwer nachvollziehbar» und stehe «im Widerspruch zur vom Astra erwarteten Unternehmenskultur», wie er gegenüber der «NZZ» sagte.

34 Stellen präventiv geschaffen

Das Astra stand bereits in der Vergangenheit aufgrund seines Umgangs mit Steuergeldern in der Kritik: Beim Informatiksystem «Mistra» liefen die Kosten aus dem Ruder und die Eidgenössische Finanzkontrolle bemängelte kürzlich in einem Bericht die freihändige Vergabepraxis in der Astra-Zentrale. Für Aufsehen sorgte insbesondere die präventive Schaffung von 34 Stellen, welche die Umsetzung des Netzbeschlusses begleitet hätten.

Mit dem Volks-Nein zur teureren Autobahnvignette wurden die Stellen hinfällig, doch das Astra verzichtete trotz Kritik der Finanzdelegation darauf, diese wieder abzubauen. Seither werden Mitarbeiterabgänge durch Personen aus diesem «Pool» ersetzt. (fum)

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