Lauber-Nachfolge
Maria-Antonella Bino will offenbar Bundesanwältin werden

Die ehemalige stellvertretende Bundesanwältin und Bankjuristin soll Kandidatur angemeldet haben – die Genferin dementiert nicht.

Henry Habegger
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Bald Bundesanwältin? Maria-Antonella Bino, FDP.

Bald Bundesanwältin? Maria-Antonella Bino, FDP.

Reuters

Zum zweiten Mal hat die Gerichtskommission (GK) die Stelle des Bundesanwalts oder der Bundesanwältin ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen, aber die Kommission unter FDP-Ständerat Andrea Caroni (AR) behandelt die Bewerbungen vorderhand wie ein Staatsgeheimnis.

Nicht einmal die Anzahl eingegangener Bewerbungen wird derzeit kommuniziert. Nächsten Mittwoch halte die Subkommission der GK eine Sitzung ab, sagte die Kommissionssekretärin auf Anfrage, danach gebe es vermutlich eine «kurze Medienmitteilung». Die Wahl durch die Bundesversammlung ist für die März-Session geplant.

Bekannt ist, dass der ehemalige Zürcher Polizeikommandant Thomas Würgler (65) seine Kandidatur eingereicht hat. Er hat dies kürzlich gegenüber der «NZZ am Sonntag» bestätigt. CH Media hatte bereits im letzten Dezember berichtet, dass Würgler, der natürlich nur eine Übergangslösung wäre, von der SVP um Fraktionschef Thomas Aeschi hinter den Kulissen massiv gepusht werde.

Würgler, dessen Frau SVP-Oberrichterin in Kanton Zürich ist, war früher Staatsanwalt. Er hatte sich bereits auf die erste Stellenausschreibung im letzten Herbst beworben, fiel aber früh aus dem Rennen.

Bis 2012 stellvertretende Bundesanwältin

Jetzt taucht ein anderer bekannter Name auf. In Justizkreisen heisst es, die ehemalige stell­vertretende Bundesanwältin Maria-Antonella Bino (54, FDP) habe sich beworben. Mit ihrer Bewerbung war bereits in der ersten Runde gerechnet worden, sie hatte die Lage sondiert, aber damals verzichtete sie. Bino ist derzeit Compliance-Chefin bei der Cryptobank Sygnum in Zürich, zuvor arbeitete sie in Genf für die französische Grossbank BNP Paribas.

Sie wurde letztes Jahr zur nebenamtlichen Richterin am Bundesstrafgericht gewählt. Die Genferin war bis 2012 stellvertretende Bundesanwältin, verliess die Behörde aber kurz nach dem Amtsantritt von Michael Lauber. Sie war für die Verfahren um die Diktatorengelder aus dem «Arabischen Frühling» zuständig und ermittelte wegen Geldwäscherei gegen russische Funktionäre – so eröffnete sie das Verfahren im Fall Magnitski, das die Bundesanwaltschaft derzeit trotz internationalem Protest wieder einstellen will.

An der Genferin scheiden sich die Geister; sie hatte sich in der Bundesanwaltschaft nicht nur Freunde gemacht. Manche sprechen ihr das Format zur Bundesanwältin ab, andere verweisen auf ihren breiten Leistungsausweis.

Klar ist, dass Bino einen sehr guten Draht zum Genfer Wirtschaftsanwalt und FDP-Nationalrat Christian Lüscher hat, der wiederholt Kunden betreute, die es mit der Bundesanwaltschaft zu tun bekommen. Lüscher war schon einer der vehementesten Fürsprecher des letzten Bundesanwalts Michael Lauber, der über seine nicht protokollierten «Schweizerhof»-Treffen mit Fifa-Chef Gianni Infantino stolperte.

Bino nimmt keine Stellung zur Kandidatur-Frage

Die Genferin nahm auf Anfrage keine Stellung, weder bestätigte noch dementierte sie ihre Kandidatur.

Ganz offensichtlich läuft ein politisches Seilziehen um die Führung der Bundesanwaltschaft. Im letzten Herbst hatte die Gerichtskommission zuletzt noch zwei Kandidaten, konnte sich am Schluss auf keinen einigen, was namentlich für den favorisierten Genfer Generalprokurator Olivier Jornot bitter war. Im Nachhinein sieht es fast so aus, als ob einige Politiker schon an Würgler oder Bino dachten, als sie Jornot aussortierten.