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Luzern startet mit erstem Schweizer Drive-In für Coronavirus-Tests – noch gibt es Missverständnisse

Luzern startet mit erstem Schweizer Drive-In für Coronavirus-Tests

Christos Pouskoulas, Leiter Gesundheitsversorgung im Kanton Luzern, erklärt im Video, wie der Drive-In funktioniert.

Seit Mittwoch können Ärzte in Luzern Coronavirus-Verdachtsfälle zu einem Drive-In-Testzentrum überweisen. Dort wird Ihnen in einem Zelt direkt aus dem Auto eine Probe abgenommen. Dadurch werden Spitäler und Arztpraxen entlastet und die Resultate liegen schneller vor. Das Luzerner Testzentrum hat momentan eine Kapazität für 40 bis 50 Tests pro Tag. 

Möglichst kein Kontakt: Diese Devise gilt selbst dann, wenn sich direkter Körperkontakt nicht vermeiden lässt – beim Coronatest. Am Mittwoch hat der Kanton Luzern sein erstes mobiles Testcenter direkt neben dem Fussballstadion in der Stadt Luzern in Betrieb genommen. Seither fahren die Autofahrer tröpfchenweise vor, um einen Rachenabstrich zu machen und sich so auf das Virus testen zu lassen. Die Fenster der Fahrzeuge bleiben so lange wie möglich geschlossen. Fährt ein Auto auf das Areal, deuten Zivilschützer auf eine Tafel mit den nötigen Anweisungen: «Nur auf Voranmeldung! Fenster schliessen, Ausweis bereithalten», heisst es da.

Die Zivilschützer prüfen die Personalien durch die geschlossene Autoscheibe. Wortlos. Nur wer von seinem Hausarzt angemeldet ist und eine Bestätigung des Kantons erhalten hat, wird zum Coronatest zugelassen. 50 Meter beträgt die Distanz zwischen der Zufahrt und der roten Zone. Das ist jener Bereich in einem weissen Zelt, wo Spitex-Mitarbeiterinnen den Rachenabstrich machen. Daneben befindet sich die gelbe Zone. Dort wird das Testmaterial verpackt und in regelmässigen Abständen vom Zivilschutz ins Labor gefahren.

Absprache mit Hausärzten bereitet Probleme

Das Testcenter wurde vom Kanton nach zirka zweiwöchiger Vorbereitung in Betrieb genommen. Vor Ort scheinen die Abläufe zu funktionieren. Die Fenster bleiben tatsächlich geschlossen, nach wenigen Minuten können die Getesteten nach Hause fahren – auf direktem Weg und ohne Zwischenhalt. Mehr Probleme bereiten die Abläufe zwischen Kanton und Hausärzten. Laut David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport, wurden die Hausärzte genau instruiert. Sowohl der genaue Prozess der Anmeldung als auch die Kriterien für die Zulassung zu den Tests seien klar kommuniziert worden.

Und doch scheint es einige Missverständnisse zu geben. Immer wieder fahren Personen vor, die von den Zivilschützern wieder weggewiesen werden. Bei unserer Zeitung meldet sich ein 64-jähriger Mann, der nach eigenen Angaben klare Coronasymptome hat und nicht nur wegen seines Alters zur Risikogruppe gehört. Am Mittwoch sei er von seinem Hausarzt zum Drive-in auf der Allmend geschickt worden, ohne bestätigte Anmeldung. Er musste wieder umkehren. Am Donnerstag glaubte der Hausarzt, dass sein Patient nun angemeldet ist. Wieder vergebens. Das Gesuch um einen Coronatest sei vom Kanton noch nicht verarbeitet worden, erzählt der Mann. «Die Leute standen da und hatten nichts zu tun, trotzdem wurde ich zweimal nach Hause geschickt.» Für ihn unverständlich. Er wolle doch nur wissen, ob er ein Virenträger sei, sagt der Luzerner: «Dann würde ich mich auch anders verhalten und nicht mehr selber einkaufen gehen.»

Dass die Kommunikation nicht einfach sei, bestätigt David Dürr. Er betont aber, alles unternommen zu haben, um die zuweisenden Ärzte zu instruieren. Eine weitere Schwierigkeit ist die Triage: «Die Hausärzte möchten möglichst viele ihrer Patienten testen lassen», sagt Dürr und hat für dieses Anliegen durchaus ein gewisses Verständnis. Doch der Kanton hält sich strikt an die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit. Zum Test zugelassen werden besonders verletzliche Personen mit Vorerkrankungen oder Gesundheitsfachpersonal. «Rund 50 Prozent der Anmeldungen durch die Hausärzte müssen wir zurückweisen», sagt Dürr. Der Kanton beschäftigt zwei Ärzte, welche die Anmeldungen überprüfen und die Triage vornehmen.

Aufgebot per SMS geplant

Der Kanton Luzern arbeitet daran, die administrativen Abläufe zu verbessern. Heute läuft die Kommunikation mit den Patienten über die Hausärzte. Künftig sollen die mutmasslichen Virenträger direkt per SMS informiert werden, wenn sie zum Test zugelassen sind. Ihnen wird dann auch gleich ein Zeitraum angegeben, wann sie sich auf der Allmend einfinden sollen.

Der Betrieb des Drive-in-Testcenters wird bewusst langsam hochgefahren. Am ersten Tag waren 14 Personen für den Rachenabstrich angemeldet, sieben erschienen tatsächlich vor Ort. In den nächsten Tagen rechnet der Kanton mit rund 20 Personen pro Tag. Das Testcenter ist jeweils zwischen 13 und 17 Uhr geöffnet. In diesem Zeitraum wären bis zu 50 Tests möglich. «Wenn wir höhere Kapazitäten brauchen, können wir die Betriebszeiten problemlos ausdehnen», sagt Christos Pouskoulas, Leiter Gesundheitsversorgung. Auch könnte rasch ein weiteres Zelt oder ein zusätzlicher Standort aufgebaut werden, wenn dies nötig ist. Limitierend sei einzig das Testmaterial, das schweizweit knapp ist, so Pouskoulas. Auch die Kapazitäten im Labor seien nicht unbegrenzt. Wie viele Tests pro Tag maximal durchgeführt werden könnten, kann er nicht genau beziffern.

Ziel des mobilen Corona-Testcenters ist es, die Gesundheitseinrichtungen und die Spitex zu entlasten. «Ein Drive-in ist effizienter, als wenn die Spitex-Mitarbeiter für den Test zu den Patienten fahren», sagt Pouskoulas. Ausserdem wird das Ansteckungsrisiko minimiert, weil die Patienten mit ihrem eigenen Auto und nicht etwa mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Testcenter fahren.

Seit Mittwoch können sich mutmassliche Coronapatienten in einem mobilen Testcenter auf der Luzerner Allmend untersuchen lassen. Doch die Zulassungskriterien sind streng – strenger, als sie von den Hausärzten ausgelegt werden.

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