Stefan Frech

Parlamentarier von SP, Grünen, EVP, FdP, CVP und Grünliberalen möchten, dass der Regierungsrat die Klassengrösse in der künftigen Sek B den speziellen Herausforderungen in diesem Schultypus anpasst, sie also auf dem Niveau der heutigen Oberschule belässt. Das Leistungsspektrum werde durch den Einbezug vieler Sekundarschüler breiter. Hinzu kommt, dass ab 2019 die meisten heutigen Werkklassenschüler in die Sek B integriert werden. Der Unterricht könne verbessert werden, wenn weniger Schüler von einem Lehrer unterrichtet werden, sind die Parlamentarier überzeugt. Auch steige dadurch die Chance, dass ein Sek-Lehrer eher bereit ist, in der künftigen Sek B zu unterrichten. Deshalb die konkrete Forderung des überparteilichen Auftrags, der praktisch 1:1 die Position des kantonalen Lehrerverbands LSO wiedergibt: Die geplante durchschnittliche Klassengrösse von 16 auf 14 Jugendliche und die Mindestschülerzahl von 14 auf 10 senken.

In Ausnahmefällen bis 27 Schüler

«Die Vorstellung, dass kleinere Klassen auf jeden Fall bessere Leistungsergebnisse aufweisen, ist eine weit verbreitete Einschätzung und wird von wissenschaftlichen Studien so nicht gestützt», kontert nun aber die Regierung in ihrer gestern publizierten Antwort zum parlamentarischen Auftrag. Verschiedene Forschungen hätten keinen eindeutigen Befund ergeben. Zudem sei nicht feststellbar, dass Lehrer in kleineren Klassen besser auf die einzelnen Schüler eingehen. Der Regierungsrat ist auch nicht der Meinung, dass mit kleineren Klassen die Attraktivität der Sek B für Lehrpersonen wesentlich erhöht werde. Das grössere Hindernis, neue Lehrpersonen für die aktuelle Oberstufe zu gewinnen, sei der Mangel an ausgebildeten Lehrpersonen. Hier spiele vor allem die geringere Entlöhnung eine Rolle. Das soll nun überprüft werden.

Die Regierung rechnet damit, dass die meisten Schulen Sek-B-Klassengrössen zwischen 14 und 18 Schülern erreichen werden. Bei kleineren Schulkreisen könne die Zahl aber auf 27 Jugendliche ansteigen. «Hier müssen besondere Lösungen gesucht werden.»

«Unterricht kann besser sein»

Schliesslich gelangt der Regierungsrat zu seinem eigentlichen Gegenargument: Eine Veränderung der Klassengrössen würde die vom Volk abgesegnete Sek-I-Reform verteuern. «Es müssten pro Jahrgang 5 bis 8 Klassen mehr errichtet werden, ohne dass Qualitätsverbesserungen empirisch nachweisbar sind.» Bei drei Jahrgängen würde dies Kanton und Gemeinden 2,5 bis 4 Mio. Franken kosten. Roland Misteli, Geschäftsführer des LSO, reagiert enttäuscht. Der Regierungsrat interpretiere die Klassengrössen falsch: «Klar wird der Unterricht nicht automatisch besser, aber der Lehrer hat eher die Möglichkeit, auf einzelne Schüler einzugehen.»