Schweiz

Laubers Anwalt Erni soll auch die CS vertreten - in einem Verfahren der BA

Michael Lauber. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Michael Lauber. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Zum Zusammenspiel zwischen Michael Lauber und seinem Anwalt Lorenz Erni tauchen neue Fragen auf. Diesmal geht es um ein Verfahren, das die BA gegen die Grossbank führt.

Das Verfahren heisst intern «Bulco». Es wurde von der Bundesanwaltschaft schon 2008 eröffnet. Vier Jahre bevor Michael Lauber Bundesanwalt wurde.

«Bulco» ist ein Verfahren, das wegen Verdachts der qualifizierten Geldwäscherei und Beteiligung an einer kriminellen Organisation geführt wird. Im Zentrum steht ein bulgarischer Mafia-Pate, es geht um Handel mit Kokain aus Südamerika.

Die kriminellen Umtriebe, so geht aus Gerichtsurteilen hervor, seien durch Immobilien- und Finanzaktivitäten, unter anderem in der Schweiz, getarnt worden. Der Erlös des Drogenhandels sei durch Banküberweisung oder in Autos versteckt nach Bulgarien geschickt worden. Zudem soll er in Schiffen und, unter anderem in Montreux und Genf, in Immobilien angelegt worden sein.

Ermittlungen gegen Credit Suisse

Das Verfahren richtet sich, wie sich jetzt zeigt, bereits seit 2013 auch gegen die Grossbank Credit Suisse. Die Bundesanwaltschaft (BA) bestätigt auf Anfrage: «Zusätzlich zu den zurzeit 10 beschuldigten natürlichen Personen wurde das Strafverfahren im November 2013 ausgedehnt auf die Bank Credit Suisse AG wegen des Verdachts auf Mängel in der internen Organisation der Bank im Zusammenhang mit der qualifizierten Geldwäscherei.» Gestützt also auf Artikel 102 des Strafgesetzbuches: Strafbarkeit von Unternehmen. Es gelte die Unschuldsvermutung, betont die Bundesanwaltschaft.

Anwalt Erni für CS unterwegs

Was aktuell von besonderem Interesse ist: Gemäss Informationen dieser Zeitung trat in diesem Verfahren der Zürcher Rechtsanwalt Lorenz Erni in Erscheinung. Erni habe die Grossbank nicht als offizieller Rechtsvertreter, sondern «im Hintergrund» vertreten. Dabei sei es zu einem Treffen zwischen Bundesanwalt Lauber und Erni gekommen, sagen mehrere Beobachter. Dieses Treffen fand laut einer Quelle 2015 statt.

Lorenz Erni.

Lorenz Erni.

In der gleichen Periode, heisst es, sei dem bisherigen Verfahrensleiter das Dossier «Bulco» entzogen worden. Also jenem Verfahrensleiter, unter dem das Prozedere auf die CS ausgedehnt worden war. Dieser habe «Vollgas geben» wollen, was ein entschlossenes Vorgehen gegen die CS mit einschloss.

Jetzt fragen sich Beobachter natürlich, ob der Mann mit Rücksicht auf die Bank vom Dossier abgezogen wurde. Sicher ist, dass sich das Verfahren in die Länge zieht. Bereits 2009 hatte die BA bei der CS in Zürich eine Hausdurchsuchung durchgeführt.

Erni vertritt auch Lauber und Blatter

Die Bundesanwaltschaft wollte sich nicht zur Verfahrensdauer äussern. Auch nicht, ob es in diesem Fall ein Gespräch oder Gespräche zwischen Lauber und Erni gab und ob es Protokolle gibt. Auch die CS und Erni äussern sich auf Anfrage nicht.

Erni ist neuerdings auch der Anwalt von Michael Lauber. Erni vertritt den Bundesanwalt im Disziplinarverfahren, das die Aufsichtsbehörde (AB-BA) gegen Lauber führt. Dabei geht es um die ominösen Treffen, die Lauber mit dem Fifa-Boss Gianni Infantino absolvierte. Aber Erni ist auch noch Anwalt von Infantinos Vorgänger Sepp Blatter. Er vertritt Blatter im Fifa-Verfahren, dass die BA führt.

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