Evaluationsverfahren

Kritik an Datenschützer-Wahl: Schnöde Absagen für hochkarätige externe Kandidaten

Diesen Brief erhielt ein Bewerber für die Stelle des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten.

Diesen Brief erhielt ein Bewerber für die Stelle des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten.

Die Wahl des höchsten Datenschützers sorgt weiter für Unmut: Hochkarätige Bewerber flogen offenbar bereits in der ersten Runde raus.

Kantonale Datenschützer, bürgerliche und linke Politiker bemängeln, dass ein jahrzehntelanger Beamter künftig die Bundesverwaltung in Datenschutzbelangen beaufsichtigen soll: Adrian Lobsiger, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Polizei, arbeitet seit Anfang der Neunziger in den Berner Beamtenstuben. Ende November wählte ihn der Bundesrat zum neuen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Die Bestätigung durchs Parlament steht noch aus.

Jetzt werden neue Details aus dem Evaluationsverfahren bekannt: Offenbar lud die Bundeskanzlei zahlreiche hochkarätige Bewerber nicht einmal zu einem Gespräch ein, wie Recherchen zeigen. Ein entsprechendes Absageschreiben (siehe Ausriss) liegt der «Nordwestschweiz» vor.

Diesen Brief erhielt ein Bewerber für die Stelle des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten.

Darin heisst es, «durch die hohe Zahl an sehr gut qualifizierten Bewerbenden» sei die Vorselektion «herausfordernd und spannend gewesen», jedoch gebe es «einige Kandidaten und Kandidatinnen», die dem definierten Stellenprofil «noch besser entsprechen» würden. Mit diesen würde in den nächsten Wochen das Gespräch gesucht. Gezeichnet ist der Brief vom Institut für emotionale Kompetenz in Bern, einer Beratungsfirma, die gemäss eigenen Angaben in den Bereichen Kaderselektion, Assessment und Personalentwicklung aktiv ist. Dasselbe Unternehmen hatte bereits im Auftrag der Bundeskanzlei das Stelleninserat geschaltet.

Ein Kritiker, der anonym bleiben will, sagt: «Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Verwaltung versucht hat, möglichst alle externen Kandidaten zu einem frühen Zeitpunkt aus dem Verfahren auszuschliessen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1