Tessin

Kriselndes Paradies: Kanton Tessin wird Allein-Eigentümer der Brissago-Inseln

Blick auf San Pacrazio, die grössere der beiden Brissago-Inseln.

Blick auf San Pacrazio, die grössere der beiden Brissago-Inseln.

Der Gästeschwund auf den Brissago-Inseln im Lago Maggiore mit dem einzigartigen botanischen Park soll gestoppt werden. Bei der Schifffahrt werden nun GA und Halbtax anerkannt.

Superlative über die Brissago-Inseln gibt es genügend. Idyllisch liegen die beiden Inseln im Lago Maggiore nahe der italienischen Grenze. Der botanische Park auf der grösseren Insel, San Pacrazio, ist einmalig. Dank des milden Klimas gedeihen hier exotische Pflanzen, die sonst nur in Gewächshäusern gezüchtet werden können. Kaum vorstellbar, dass hier mal eine Sprengstofffabrik stand. Die einstige Besitzerin, die umtriebige Baronin Antoinette von Saint Léger, liess Ende des 19. Jahrhundert den ersten Park dieser Art anlegen, auch ihr Nachfolger, der deutsche Kaufhauskönig Max Emden, investierte in die Botanik.

So faszinierend dieser Park auch ist, so schwierig war in den letzten Jahren seine administrative und finanzielle Bewirtschaftung. Immer weniger Gäste kamen zu den Inseln. Anfang des letzten Jahrzehnts waren es noch 100'000 Personen pro Saison, 2018 nur noch etwas mehr als 50'000. Grund dafür war unter anderem die schlechte Anbindung durch die italienische Schifffahrtsgesellschaft Lago Maggiore (NLM), welche bis vor kurzem alleine für die Bedienung des Schweizer Beckens auf dem See zuständig war. Die hohen Billettpreise schreckten die Kundschaft ab – beispielsweise 34 Franken für einen Erwachsenen für eine Retourfahrt von ­Locarno zu den Inseln. GA und Halbtax wurden nicht oder nur teilweise anerkannt.

Komplizierte Eigentümerstruktur

Die Folgen waren Defizite im Budget, die es regelmässig zu decken galt. Zudem entbrannte jedes Mal Streit, wer in welchem Umfang die Löcher zu stopfen hatte. Grund dafür war die komplizierte Eigentümerstruktur, welche bereits entstanden war, nachdem die Inseln 1949 in die öffentliche Hand übergingen. Haupteigner ist der Kanton Tessin mit 50 Prozent. Zu einem Viertel gehören sie der Gemeinde Ascona, während Brissago und Ronco sopra Ascona je ein Achtel besitzen. «In den goldenen Zeiten war das kein Problem, aber jüngst haben sich die Dinge verkompliziert», sagte Paolo Senn, Gemeindepräsident von Ronco sopra Ascona, am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz auf den Brissago-Inseln.

Der Medientermin war ein historischer Anlass, denn die drei Gemeinden verzichten künftig auf ihre Anteile an den Inseln. Der Kanton wird somit zum alleinigen Besitzer. «Uns wird praktisch ein Kind anvertraut», sagte Staatsrat Claudio Zali, «und wir müssen dafür Sorge tragen.» Allerdings bestand Einigkeit, dass eine Führung aus einer Hand die Administration vereinfachen und verschlanken sollte. Der Tessiner Staatsrat hat die Botschaft nun an den Grossen Rat überwiesen. Ziel der Operation ist es, den Brissago-Inseln neuen Schub zu verleihen. Dafür wird es in einer zweiten Phase einen Drei-Millionen-Kredit geben, um Gebäude, Schifflände und Garten instandzusetzen. Ein wichtiger Schritt wurde bereits durch das neue Konsortium gemacht, das 2018 von der italienischen NLM und der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Luganer-See (SNL) gegründet wurde. «Wir anerkennen das GA und das Halbtax-Abo vollumfänglich», verkündete am Dienstag SNL-Vizedirektor Marco Treina. Ausserdem wird die Anzahl der Fahrten in dieser Saison nochmals erhöht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1