Kommentar
Mario Fehrs Dünnhäutigkeit trug viel zur Eskalation mit seiner Partei bei

Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr tritt aus der SP aus. Die Gründe sind zweierlei: Der Linksrutsch der SP und die fehlende Kritikfähigkeit des Magistraten.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr gibt an einer Medienkonferenz seinen sofortigen Austritt aus der SP bekannt.

Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr gibt an einer Medienkonferenz seinen sofortigen Austritt aus der SP bekannt.

Walter Bieri / KEYSTONE

Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr hat sich lange an seiner Partei, der SP, gerieben. Nun kommt es zum Eklat. Fehr verlässt die Sozialdemokraten.

Die Leitung der Kantonalzürcher SP hatte Fehr zuvor mitgeteilt, dass ihn die Partei nicht mehr unterstützen werde – sollte er 2023 noch einmal kandidieren. Fehr wird dann 12 Amtsjahre absolviert haben und 64 Jahre alt sein. Trotzdem scheint er eine weitere Amtsperiode anhängen zu wollen.

Schon als Nationalrat gehörte Fehr dem linksliberalen Flügel seiner Partei an. Im Zürcher Regierungsrat übernahm er dann die Sicherheitsdirektion, die auch für soziale Belange zuständig ist. Fehr vertrat von Anfang an die Position, dass die Gesetze und Richtlinien buchstabengetreu umzusetzen seien. Exponenten seiner Partei fanden hingegen, dass er zum Beispiel im Asylwesen mehr Menschlichkeit walten lassen könnte und mit abgewiesenen Bewerbern weniger hart umgehen sollte.

Dank seiner strikten Haltung ist Mario Fehr beliebt in der Kantonspolizei. Und er wurde jeweils mit sehr guten Wahlergebnissen im Amt bestätigt. Im bürgerlich geprägten Kanton Zürich kommt der Law-and-Order-Kurs gut an. Fehr hat auch in der SVP Anhänger.

Die Entfremdung von der SP hat zwei Gründe: Unter dem Einfluss der Jungsozialisten ist die Kantonalzürcher SP nach links gerückt. Der Graben zu Fehr wurde damit grösser. Der Magistrat trug aber selber zur Eskalation bei – denn er ist dünnhäutig. Fehr scheint Kritik stets persönlich zu nehmen. Auf Vorwürfe reagiert er mimosenhaft und rechthaberisch. Der SP-Spitze fiel es darum zunehmend schwer, sich mit ihm zusammenzuraufen.

Als erfahrener Regierungsrat gewinnt Fehr in der Exekutive an Einfluss. Das zeigte sich in der Coronakrise: Der Sicherheitsdirektor propagierte den sogenannten «Zürcher Weg» mit weniger Restriktionen, als sie der Bundesrat vorsah. Das führte Ende 2020 dazu, dass gleich mehrere Zürcher Spitaldirektoren alarmiert waren wegen der Belastung ihrer Intensivstationen. Der «Zürcher Weg» war ein Desaster, und der Regierungsrat krebste zurück. Mario Fehr hat als Sicherheitsdirektor gute Arbeit geleistet. Man sollte als Politiker aber wissen, wann es genug ist. 12 Amtsjahre sind nicht wenig.