Kommentar
Keine Lust auf den Machtwechsel: Bern wählt weiter «gäng wie gäng»

Der Angriff von SP und Grünen auf die bürgerliche Regierungsmehrheit scheiterte. Auch weil sich die bisherigen linken Regierungsräte bereits im Wahlkampf quasi selber vom Ziel Machtwechsel verabschiedet haben. Ein Kommentar.

Samuel Thomi
Samuel Thomi
Drucken
Die neue Berner Regierung ist fast die alte: Für Beatrice Simon (Mitte) wurde Astrid Bärtschi (3.v.l.) gewählt - neben den sechs Bisherigen.

Die neue Berner Regierung ist fast die alte: Für Beatrice Simon (Mitte) wurde Astrid Bärtschi (3.v.l.) gewählt - neben den sechs Bisherigen.

Alessandro della Valle/Keystone

Ja, Sie lesen richtig: Dieser Titel stand bereits vor vier Jahren über dem Kommentar zu den bernischen Wahlen. Und er trifft noch immer zu. 16 Jahre ist es nämlich inzwischen her, dass die Berner Politik letztmals auf den Kopf gestellt worden ist. Weil SVP und FDP übermütig wurden, und sechs von sieben Sitzen in der Regierung anpeilten, sich deren Wähler gegenseitig aber nichts gönnen mochten, siegten am Ende SP und Grüne. Zum zweiten Mal in der Geschichte des traditionell bürgerlichen Kantons holten sie 2006 die Regierungsmehrheit.

Doch an der Macht konnten SP und Grüne den Wählern zu wenig deutlich machen, warum sie es besser können sollten. Und so holten sich SVP und FDP – und die inzwischen hinzugekommene BDP – vor sechs Jahren bei Ersatzwahlen für zwei zurücktretende SPler die Mehrheit zurück.

Weil sich das bürgerliche Lager inzwischen – zumindest für Wahlen – wieder versöhnt hat, hatten SP und Grüne auch am Sonntag keine Chance auf die Wende. Diese Niederlage muss sich Rot-Grün allerdings erneut auch selber zuschreiben: Sie konnten den Wählerinnen und Wählern auch in den letzten sechs Jahren in der Opposition nicht klar machen, weshalb sie zurück an die Schalthebel der Macht gehören sollen.

Astrid Bärtschi verteidigte den Sitz von Beatrice Simon.

Astrid Bärtschi verteidigte den Sitz von Beatrice Simon.

Alessandro della Valle/Keystone

Und im Wahlkampf dann haben sich ihre bisherigen Vertreterinnen und Vertreter quasi selber vom Ziel Machtwechsel verabschiedet. Deutlichstes Zeichen dafür war ihr Verzicht, auf Smartvote anzugeben, was mit einer rot-grünen Mehrheit ändern würde. Der Kollegialität zu den bürgerlichen Regierungs-Gspänli zuliebe haben die Bisherigen von SP und Grünen die Online-Wahlhilfe gar nicht erst ausgefüllt.

Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr (SP) blieb chancenlos.

Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr (SP) blieb chancenlos.

Alessandro della Valle/Keystone

Der erneute Sieg der Bürgerlichen besiegelt damit die vor sechs Jahren eingeläutete Normalisierung. Abgesehen von der BDP, die seit 16 Jahren nun ebenfalls mit im bürgerlichen Regierungs-Boot sitzt und nun «Mitte» heisst, haben SVP und FDP im Kanton Bern wieder deutlich Oberwasser.

Und die «Mitte» hat am Sonntag auch noch die letzte Reifeprüfung bestanden, und nach dem Abgang ihres letzten Gründungsmitglieds aus der aktiven Politik Beatrice Simon durch Astrit Bärtschi ersetzen können. Oder wie man eben auf Berndeutsch sagt: «Äs isch wider gäng wie gäng.»