Polizeieinsatz in Malters

Kommandant und Chef der Luzerner Kriminalpolizei werden angeklagt

Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei, muss sich vor Gericht verantworten. (Archivbild)

Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei, muss sich vor Gericht verantworten. (Archivbild)

Der Kommandant und der Kripochef der Luzerner Polizei werden sich wohl vor Gericht verantworten müssen. Der ausserordentliche Staatsanwalt beabsichtigt, gegen die Polizeioffiziere Anklage zu erheben, dies wegen einer Hausdurchsuchung, bei der sich eine Frau umbrachte.

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern teilte am frühen Dienstagmorgen mit, dass gegen Polizeikommandant Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann Anklage vor Gericht erhoben werde. Das sei aus der Schlusseinvernahme hervorgegangen, sagte der zuständige Regierungsrat Paul Winiker in einer Videobotschaft.

Beim umstrittenen Polizeieinsatz im März in Malters hatte sich eine 65-jährige Frau während 17 Stunden in einer Wohnung verschanzt. Sie wehrte sich mit Waffengewalt gegen die Aushebung einer Hanfanlage ihres Sohnes.

Die Luzerner Polizei entschied, die Wohnung durch die Zentralschweizer Sondereinheit Luchs stürmen zu lassen. Die Polizisten fanden die Frau leblos im Badezimmer vor. Sie hatte sich selbst erschossen.

Sohn beschuldigt Polizei

Der Sohn der Verstorbenen, der sich zur Zeit der Intervention in Untersuchungshaft befand, reichte darauf Anzeige gegen die Polizeispitze wegen Amtsmissbrauchs und fahrlässiger Tötung ein. Mit dem Verfahren wurde ein ausserkantonaler Staatsanwalt, der Aargauer Christoph Rüedi, betraut.

Rüedi machte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda keine Angaben, wieso er die Kaderpolizisten vor Gericht bringen wolle. Er bestätigte lediglich, er habe den Parteien seine Absicht, Anklage zu erheben, mitgeteilt.

Rüedi sagte, dass er das Verfahren gegen die beiden Luzerner Polizisten noch nicht abgeschlossen habe. Dies werde wohl Ende 2016 oder Anfang 2017 der Fall sein. Es gebe somit gegen eine Anklageerhebung noch immer einen Vorbehalt.

Regierungsrat warnt vor Vorverurteilung

Regierungsrat Winiker nahm in einer fast drei Minuten langen Videobotschaft Stellung zur Anklage. Mehrmals betonte er, dass die beiden Polizeioffiziere nicht vorverurteilt werden dürften. Es gelte die uneingeschränkte Unschuldsvermutung, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliege.

Winiker stellte sich erneut hinter Polizeikommandant Achermann und Kriopchef Bussmann. Sie könnten ihre Führungsposition unverändert wahrnehmen, sagte er im Videofilm. Trotz des Gerichtsverfahrens könne die Luzerner Polizei zu 100 Prozent für die Sicherheit der Bevölkerung einstehen.

Winiker hatte vor zwei Monaten entschieden, dass Achermann und Bussmann ungeachtet des laufenden Strafverfahrens nicht suspendiert würden. Er entschied aber, dass sie keine heiklen Einsätze leiten dürften.

Nicht als Pikettoffiziere tätig

Winiker bestätigte damit eine ähnlich lautende Regelung, die Achermann und Bussmann unmittelbar nach der Intervention in Malters getroffen hatten. Die zwei Polizeikader waren indes bereits zuvor nicht als Pikettoffiziere in den Dienstplan eingeteilt worden, obwohl dies grundsätzlich möglich gewesen wäre.

Kommandant Achermann war in Malters nicht als Einsatzleiter vor Ort gewesen. Welche Rolle er bei der Intervention gespielt hatte, soll ebenfalls im Rahmen des Strafverfahrens geklärt werden. Gemäss Medienberichten soll ein Polizeipsychologe vor Ort von einem Zugriff abgeraten haben.

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