Studie

Kleine im Nachteil: So viel kostet die Verwaltung der Pensionskassen

Am günstigsten fahren die Versicherten bei einer Pensionskasse des öffentlichen Dienstes. (Symbolbild)

Am günstigsten fahren die Versicherten bei einer Pensionskasse des öffentlichen Dienstes. (Symbolbild)

Im vergangenen Jahr sank der Verwaltungsaufwand um 6 Prozent auf 319 Franken. Der Trend nach unten hält schon seit ein paar Jahren an. Die Unterschiede sind jedoch beträchtlich.

Die gute Nachricht zuerst: Die Pensionskassen geben weniger für ihre Verwaltung aus als früher. Vor zwei Jahren waren es durchschnittlich 341 Franken pro Beitragszahlende und Rentner. Im vergangenen Jahr sank der Verwaltungsaufwand um 6 Prozent auf 319 Franken (siehe Grafik weiter unten). Der Trend nach unten hält schon seit ein paar Jahren an.

Die weniger gute Nachricht: Die Unterschiede sind beträchtlich. Am günstigsten fahren die Versicherten bei einer Pensionskasse des öffentlichen Dienstes. Für sie fallen die Unkosten um mehr als einen Drittel tiefer aus als bei der selbstständigen Firmenkasse eines privaten Arbeitgebers.

Am höchsten ist der Aufwand bei den privaten Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen, die grosse Versicherungen oder andere Sammelstiftungen betreiben. Ihr Verwaltungsaufwand liegt 11 Prozent über dem Durchschnitt. Das geht aus der aktuellen Pensionskassenstudie der Swisscanto Vorsorge AG hervor.

Dass die Kassen von Bund, Kantonen und Gemeinden geringere Kosten verbuchen können, kommt nicht von ungefähr. Denn ihre Vorsorgeeinrichtungen umfassen durchschnittlich mehr als 10 000 Versicherte. Zu den Grossen zählen auch die Branchenkassen ganzer Berufszweige wie zum Beispiel Gastrosocial. Auch bei ihnen liegen die Kosten unter dem Durchschnitt.

Bei den Firmenpensionskassen in der Privatwirtschaft hingegen sind im Durchschnitt nur 2836 Berufstätige und Rentner angeschlossen. «Grosse Kassen profitieren vom Skaleneffekt», sagt Yannik Primus, Sprecher der Zürcher Kantonalbank, zu welcher Swisscanto gehört. Der Effizienzgewinn sei nicht zu unterschätzen, ergänzt Hanspeter Konrad, Direktor des Pensionskassenverbandes Asip.

Denn ob administrative Kosten für Rechnungsprüfungen, Zu- und Abgänge, Vorbezüge, Vermögensverwaltung oder Pensionskassenverwalter für 2000 oder 15 000 Versicherte anfallen, macht in der Summe keinen grossen Unterschied.

Pro Versicherte gerechnet sind die Differenzen entsprechend gross. Kleine Kassen mit 250 bis 500 Versicherten kommen pro Person auf Unkosten von 1212 Franken. Bei grossen Kassen ab 10 000 Berufstätigen und Pensionierten liegen sie mehr als ein Viertel tiefer.

Es kommt nicht nur auf die Grösse der Kasse an

«Die Grösse der Pensionskassen ist aber nicht alleine ausschlaggebend», sagt Konrad. Es komme auch auf die Art der Vorsorgeeinrichtung an. Er meint damit die Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen, die von grossen Versicherungen wie Swiss Life, Helvetia, Baloise oder anderen Sammelstiftungen geführt werden.

Bei ihnen sind vor allem KMU angeschlossen, für die sich eine eigene Vorsorgestiftung nicht lohnt. Der Marktanteil der Sammelstiftungen liegt bei rund 25 Prozent. Sie bieten eine Rundumversorgung an – verschiedene Sparpläne und die Deckung von Kapitallücken eingeschlossen. Das bringt einen beträchtlichen Aufwand mit sich, ihre Kosten sind denn auch am höchsten.

Zusätzliche Ausgaben bei Sammeleinrichtungen

Kommt hinzu, dass sie dem Konkurrenzkampf ausgesetzt sind. «Die Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen müssen sich auf dem Markt behaupten. Sie haben zusätzliche Kosten für Makler oder Marketing, um Kunden und Unternehmen zu akquirieren», sagt Yannik Primus von der Zürcher Kantonalbank, deren Tochtergesellschaft Swisscanto ebenfalls Sammelstiftungen betreibt.

Was in der Privatwirtschaft üblich und akzeptiert ist, führt im stark regulierten Vorsorgemarkt indes immer wieder zu heftiger Kritik. Vor allem die Gewerkschaften stören sich daran, dass gewinnorientierte Versicherungen im Pensionskassengeschäft mitwirken und bis zu 10 Prozent der Rendite als Gegenleistung für das Risikokapital für sich als Gewinn abbuchen dürfen.

«Die hohen Provisionen an Agenten machen einen Viertel der Verwaltungskosten aus», sagt Zentralsekretärin Gabriela Medici, die beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund für Sozialversicherungen zuständig ist. «Aktuell sind für die versicherten Erwerbstätigen nicht nur die hohen Kosten dieser Versicherungsanstalten problematisch hoch, sondern auch die Leistungen vergleichsweise tief. Insofern ist das Marktergebnis nicht effizient», ergänzt sie.

Die grossen Versicherer rechtfertigen ihr Angebot mit der Rundumversorgung, die sie bieten. Besonders lukrativ scheint das Geschäft mit der zweiten Säule indes in Zeiten des Anlagenotstandes auch für sie nicht mehr zu sein: Vor gut einem Jahr stieg der Axa-Konzern aus dem Geschäft mit der zweiten Säule aus. Seither machen regelmässig Gerüchte über andere Versicherungen die Runde, die Axa lieber heute als morgen folgen würden.

Vorschriften treiben Kosten in die Höhe

Ein weiterer Teil der Verwaltungskosten ist der Gesetzesdichte geschuldet, mit der sich die Stiftungsräte der Pensionskassen konfrontiert sehen. Asip-Direktor Konrad: «Je mehr reguliert wird, je mehr Pensionskassen die Erfüllung von Vorschriften nachweisen müssen, desto höher fallen der Aufwand und damit die Verwaltungskosten aus.»

Die Verwaltungskosten, sagt Konrad, seien nicht verantwortlich für die seit Jahren sinkenden Renten der Arbeitnehmer, die in Pension gehen. «Selbst wenn sie sich auf null reduzieren liessen, käme man nicht um Reformen herum.» Für die sinkenden Umwandlungssätze seien die Tiefstzinsen und die steigende Lebenserwartung verantwortlich.

Auch Medici vom Gewerkschaftsbund anerkennt die «grossen Herausforderungen», vor denen die Vorsorgeeinrichtungen wegen der Negativzinsen stehen. Trotzdem sagt sie: «Die Verwaltungskosten sind zu hoch. Die Senkung dieser Kosten könnte den Druck auf die Renten dämpfen.»

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