Harmos
Kindergarten: bald obligatorisch?

Gehts nach dem Willen der Regierung gilt in Solothurn ab August 2012 das zweijährige Kindergarten-Obligatorium. Dieses ist ein Muss für den Beitritt zum interkantonalen Harmos-Konkordat. Das letzte Wort hat das Volk.

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Kindergarten

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Elisabeth Seifert

Die kantonale Bildungsverwaltung hält ihr Versprechen: Auf Ende Jahr hatte sie den Gesetzesentwurf zum «Beitritt des Kantons Solothurn zur Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule» angekündigt. Gestern ist von der Solothurner Regierung Botschaft und Entwurf zuhanden des Kantonsrats verabschiedet worden.

Laut Andreas Walter, Chef im Amt für Volksschule und Kindergarten (AVK), wird das Kantonsparlament die Vorlage im ersten Quartal 2010 beraten. Entscheidend für den Beitritt des Kantons zum Harmos-Konkordat ist dann aber das Verdikt der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger - frühestens im Juni, wahrscheinlicher ist aber der Abstimmungstermin im September 2010.

Stichtag um drei Monate verschoben

Wie bereits in anderen Kantonen wird auch in Solothurn im Vorfeld der Volksabstimmung über den Harmos-Beitritt vor allem die Einführung des Kindergarten-Obligatoriums zu reden geben. Neu wird der zweijährige Kindergarten nämlich nicht mehr durch eine separate Gesetzgebung geregelt, sondern soll zu einem Teil der Volksschule und damit obligatorisch erklärt werden. Kinder werden künftig also nicht beim Eintritt in die erste Primarschulklasse offiziell eingeschult, sondern bereits dann, wenn sie in das erste Jahr des zweijährigen Kindergartens eintreten. Die «Einschulung» erfolgt damit künftig nicht ab dem vollendeten sechsten, sondern mit dem vollendeten vierten Altersjahr.

Hinzu kommt, dass der Stichtag für die «Einschulung» schweizweit vereinheitlicht und auf den 31. Juli festgelegt wird. Bislang galt im Kanton Solothurn der 30. April als Stichtag. Heute machen sich Kinder im August erstmals dann auf den Weg in den Kindergarten, wenn sie spätestens am 30. April des gleichen Jahres vier Jahre alt geworden sind. Künftig ist das bereits dann der Fall, wenn der 4. Geburtstag auf den 31. Juli fällt.

Der Entscheid liegt bei den Eltern

Allerdings nur, wenn die Eltern ihren Segen dazu geben. Andreas Walter: «Die Eltern können selber darüber entscheiden, ob sie ihr Kind ein Jahr später in den zweijährigen Kindergarten schicken wollen.» Befürwortet die Solothurner Stimmbevölkerung den Beitritt zum Harmos-Konkordat und heisst damit das Kindergartenobligatorium gut, wird dieses laut Amtschef Andreas Walter im August 2012 umgesetzt.

Das Harmos-Konkordat

Die «Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule» harmonisiert national die Dauer der Schulstufen - sechs Jahre Primarschule, drei auf der Oberstufe. Der zweijährige Kindergarten soll obligatorisch erklärt werden. Der Stichtag für die «Einschulung wird schweizweit vereinheitlicht und auf den 31. Juli festgelegt. Einheitliche, sprachregionalen Lehrpläne werden erarbeitet. Hinzu kommt die gemeinsame Entwicklung und Anwendung von Bildungsstandards. Weiter sieht das Konkordat auch die Einführung von Betreuungsangeboten ausserhalb des Schulunterrichts vor, bleibt bei der Ausgestaltung aber vage. Das Konkordat ist sei dem 1. August 2009 in Kraft, nachdem 11 Kantone beigetreten sind. Neu beitretende Kantone haben bis zum Beginn des Schuljahres 2015/2016 Zeit, ihr Schulwesen den Harmos-Eckwerten anzupassen. (esf)

«Der zweijährige obligatorische Kindergarten bleibt auch in Zukunft kindergartenorientiert», betonte Walter gestern auf Anfrage. Und: «Der Kindergarten wird nicht verschult.» Er wehrt sich damit gegen Vorwürfe - namentlich von Seiten der SVP und der EVP. Der zweijährige Kindergarten, der im Kanton Solothurn mittlerweile von 90 bis 95 Prozent aller Kinder besucht wird, sei ein Erfolgsmodell, unterstrich der Amtschef. «Ein Obligatorium will den Kindergarten inhaltlich und rechtlich stärken und allen Kindern zugänglich machen.»

Auch künftig werde den Kindern, so Walter, im Kindergarten nicht lesen, schreiben und rechnen beigebracht. «Wir wollen aber das Potenzial der Kinder noch besser fördern.» Die Integrations des Kindergartens in die Volksschule werde vor allem Konsequenzen für die Gestaltung der ersten beiden Primarschulklassen haben. Walter: «Wir stellen fest, dass etwa zwei Drittel der Kinder beim Schuleintritt bereits gewisse Kenntnisse in den Kulturtechniken besitzen. Das müssen wir besser berücksichtigen.»

Die übrigen Harmos-Eckwerte dürften von der Stimmbevölkerung im Kanton Solothurn weitgehend diskussionslos angenommen werden. Das vor allem deshalb, weil die vom Volk gutgeheissene Reform der Sekundarstufe I die strukturellen Vorgaben bereits erfüllt. Auch im Bereich von Betreuungsangeboten ausserhalb des Schulunterrichts ist Solothurn bereits Harmos-kompatibel: Zum einen mit der bereits realisierten Einführung der Blockzeiten. Und zum anderen mit der im Sozialgesetz verankerten Förderung familienergänzender Tagesstrukturen.