Vor 25 Jahren

«Kein Fixer weit und breit»: Warum sich die Journalisten bei der Letten-Räumung gegenseitig interviewten

«Kein Fixer weit und breit»: Warum sich die Journalisten bei der Letten-Räumung gegenseitig interviewten

«Und dann passiert nichts»: «Schweiz aktuell» widmete dem Medienrummel am Letten in der Sendung vom 14. Februar 1995 einen ganzen Beitrag.

Am 14. Februar 1995 reisten zahlreiche Journalistinnen und Journalisten aus ganz Europa nach Zürich, um über die Räumung der offenen Drogenszene am stillgelegten Bahnhof Letten zu berichten. Erwartet haben sie vermutlich ein Spektakel. Doch passiert ist nichts.

Der Fernseh-Beitrag der SRF-Sendung «Schweiz aktuell» vom 14. Februar 1995 beginnt mit den Worten: «Stelled Si sich vor, de Bahnhof Lette wird gruumt und kein Fixer wiit und breit.» Die einzigen Protagonisten des Beitrags: Zahlreiche Medienleute aus ganz Europa und rund 300 Polizisten, die in Zürich eine Neubildung der offenen Drogenszene verhindern sollten.

Von den Drogensüchtigen am Letten fehlte an diesem Tag jede Spur – der Letten war geräumt, bevor die die Tore verriegelt wurden und die Putzmaschinen auffuhren. Zu sehen, filmen oder fotografieren gab es nichts mehr für die Journalisten und so begannen sie schliesslich, sich gegenseitig zu interviewen. «Schweiz aktuell» widmete diesen Szenen einen ganzen Beitrag.

Kein Zufall

Dass die Lettenschliessung unspektakulär ablief, ist kein Zufall. Es zeigt, dass die Stadt Zürich aus der Vergangenheit gelernt hat. Als 1992 die offene Szene auf dem Platzspitz neben dem Zürcher Hauptbahnhof geräumt wurde, verlagerte sich die Szene an den Letten. Das Elend wiederholte sich. «Zum Zeitpunkt der Platzspitzräumung war noch keine gassennahe Infrastruktur vorhanden, die in der Lage gewesen wäre, die grosse Anzahl Heroin Konsumierender aufzufangen», heisst es im Bericht «Drogenpolitik der Stadt Zürich».

Zwischen 1992 und 1995 reisten weiterhin jeden Tag über tausend Personen nach Zürich, um sich mit Drogen einzudecken. Mehrere hundert Süchtige lebten rund um die Uhr am Letten. Sie übernachteten auf dem Boden oder in selbstgebastelten Zelten. Die Verelendung war gross. Im Sommer 1994 kam es auch zu einer massiven Zunahme der Gewalt. Innert weniger Tage ereigneten sich vier Tötungsdelikte.

Im Herbst 1994 beschloss die Zürcher Stadtregierung, den Letten Anfang 1995 räumen zu lassen. Die Projektorganisation offene Drogenszene Zürich habe die Auflösung sowie eine «ganze Palette unterschiedlicher flankierender Massnahmen» bis ins Detail vorbereitet, heisst es im Bericht. Dazu gehören beispielsweise Kontakt- und Anlaufstellen mit Gassenzimmer. (nla/smo)

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