Urs Moser

Die Sache sollte offenbar über die Bühne gehen, ohne dass die Öffentlichkeit gross davon Notiz nimmt, der Abbauentscheid war bisher keine Meldung wert.

Auf Anfrage bestätigt Angelo De Moliner, Rektor der Kantonalen Schule für Berufsbildung, aber ohne Umschweife: 20 von rund 150 Lehrkräften der Schule wurde auf Ende Schuljahr gekündigt, 20 weiteren für das kommende Schuljahr das Pensum gekürzt. Und während jeder andere Schulleiter, der Klassen schliessen muss, wohl aufschreien würde, meint er sogar: «Eigentlich muss man von einer positiven Entwicklung sprechen.»

Mehr Lehrstellen

Die Kantonale Schule für Berufsbildung mit den vier Standorten Aarau, Baden, Rheinfelden und Wohlen ist ein Überbrückungsangebot für Schulabgänger, die keine Lehrstelle gefunden haben oder sich über ihre Berufspläne noch nicht im Klaren sind.

Dass 20 Lehrkräfte den blauen Brief bekommen haben, wird damit begründet, dass es für das nächste Schuljahr 200 Anmeldungen weniger gibt als noch vor zwei Jahren, 100 weniger als letztes Jahr. Oder anderes gesagt: Es finden mehr Jugendliche die gewünschte Lehrstelle, deshalb «eigentlich eine positive Entwicklung».

Abbau sorgt für Unmut

Die positive Entwicklung hat zur Konsequenz, dass die Schule für Berufsbildung je vier Klassen in Aarau und Baden auflöst, die Standorte Rheinfelden und Wohlen sind eher marginal durch die Reduktion einzelner Lehrerpensen betroffen. Die Lehrkräfte, die den blauen Brief bekommen haben, hätten praktisch alle bereits eine neue Stelle, so Rektor De Moliner. Beim akuten Lehrermangel auf der Sekundarstufe brauchten sie sich da tatsächlich kaum Sorgen zu machen.

Dennoch sorgte der Abbau an «ihrer» Schule bei einigen betroffenen Lehrkräften für Unmut und natürlich Enttäuschung darüber, dass sie aufgeben müssen, wofür sie viel Herzblut gegeben haben. Gegenüber dieser Zeitung wurden Zweifel angebracht, ob die Situation auf dem Lehrstellenmarkt wirklich der einzige Grund für die Klassenschliessungen ist. Öffentlich äussern will man sich zum angeblich schlechten Image der Schule für Berufsbildung bei der Volksschule und mit Kritik an der Schulleitung allerdings nicht.

Weiterer Abbau denkbar

Rektor Angelo De Moliner weist darauf hin, dass man von der Entwicklung keineswegs aus heiterem Himmel getroffen worden sei. Bereits vor Jahren habe man mit den Personalverbänden die Diskussion im Zusammenhang mit den Bedarfsprognosen aufgenommen. Die Schülerzahl könne nun einmal nicht aktiv gesteuert werden. So habe man bei Anstellungen von Lehrkräften auch bewusst ein Schwergewicht auf Ältere gelegt, um mit in absehbarer Zeit bevorstehenden Pensionierungen die natürliche Fluktuation hoch zu halten.

Während Skeptiker mutmassen, der Rückgang der Schülerzahlen an der Schule für Berufsbildung (KSB) habe auch mit den Bemühungen zur Steigerung der Maturitätsquote zu tun und gescheiterte Neu-Gymnasiasten würden dann wieder bei der KSB landen, bezeichnet Angelo De Moliner diesen Effekt als höchstens marginal – wenn überhaupt. Er rechnet damit, dass die Quote der Schulabgänger, die auf ein Brückenangebot angewiesen sind, im Aargau bei 12 bis 14 Prozent bleiben wird. Das könnte zu einer weiteren Klassenreduktion bei der KSB führen, denn die Zahl der Schulabgänger ist im Sinken begriffen. Auch das ist mit ein Grund, weshalb die Lehrstellensituation trotz allgemein schwieriger Wirtschaftslage gut ist.