Rauchverbot

In der «Waage» in Aarau qualmen die Gäste auch nach Mitternacht

Gäste in der «Waage» nach 24 Uhr – Die Sommerzeit beginne ja auch nicht Schlag Mitternacht, fand der Wirt.

Restaurant Waage Aarau

Gäste in der «Waage» nach 24 Uhr – Die Sommerzeit beginne ja auch nicht Schlag Mitternacht, fand der Wirt.

Aarau, Baden und Sarmenstorf – in den meisten Beizen nahm man die Stunde null des Rauchverbots gelassen...

Aargauer rauchten nach Mitternacht munter weiter

Der 42-jährige Claudio ist Stammgast in der «Waage» an der Metzgergasse. Kurz vor Mitternacht verkündet er: «So, das ist meine letzte Zigarette!» Claudio will nicht etwa Nichtrauer werden, sondern er geht gleich heim.

Mit ‹letzter Zigarette› meint er die letzte, die er in der «Waage» raucht. Wenn Claudio das nächste Mal hier einkehrt, ist die «Waage» eine Nichtraucherbeiz. Sehr zum Bedauern des Wirtes Erich Frensdorff, der davon spricht, dass ihm das nationale Rauchverbot «das Genick brechen wird». Viele Gäste kämen nicht mehr, wenn sie nicht mehr rauchen dürften. Und: «Ich fange hier Menschen auf, die niemand mehr will - viele ältere Herren sitzen tags durch bei mir in der Beiz und rauchen ihre Stumpen. Was sollen die denn jetzt tun?» Zwar ist die «Waage» kleiner als 80 Quadratmeter - doch weil es nicht möglich ist, eine Lüftung einzubauen, gilt seit gestern Rauchverbot.

Kurz nach Mitternacht allerdings, als der 1. Mai bereits eine Viertelstunde alt ist, wird hier gequalmt, als gäbe es kein morgen: Die Luft ist rauchgeschwängert, die Aschenbecher quillen über. «Scheisse und nid guet» sei dieses neue Gesetz, sagen zwei Frauen. Denn: «Zum Bier rauche ich einfach gerne eine Zigarette.» Dann werde sie halt in Zukunft zu Hause rauchen. Der Wirt tue ihr Leid, weil er jetzt sicher eine grosse Einbusse haben werde, sagt eine der beiden. Und er, der Wirt Erich, erklärt, wieso er die Aschenbecher erst am Morgen wegräumen wird: «Die Sommerzeit stellt man auch nicht um Mitternacht um.»

Junge Männer sitzen beim Bier, auch sie rauchen. Einer meint: «Gezwungenermassen werden wir in Zukunft draussen paffen.» - Das sei jetzt halt wieder ein Gesetz, das einen einschränke. Sofort wird das Rauchverbot hier noch nicht umgesetzt: Bis zum Beizenschluss lassen sich noch einige Zigaretten rauchen. Jetzt hat sich Erich für die Zeit danach halt was anderes einfallen lassen: «Ab Mitte Mai serviere ich in der ‹Waage› Menüs.» Deborah Balmer

In Baden rauchte man munter weiter

Um Mitternacht finden sich keine rauchenden Menschentrauben vor den Beizen in Baden. Es scheint ein normaler Abend zu sein, es wird munter geraucht wie an jedem anderen Wochenende. Nur die Gespräche in den Beizen über das künftig geltende Rauchverbot erinnern an das vor einigen Minuten in Kraft getretene Gesetz. Doch die Gäste sind fröhlich, von einer wehmütigen Stimmung kann nicht die Rede sein.

Extra mit Stumpen und Zigarren sind ein paar Leute erschienen, um dem Rauchgenuss in ihrem Lokal noch ein letztes Mal richtig zu frönen. Der Wirt will seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen - er weiss, dass eigentlich ab zwölf Uhr ein Rauchverbot gilt, aber er findet, dass es keinen Sinn mache die Gäste um Mitternacht nach draussen zu schicken. «Das würde Aggressionen geben und das wollen wir nicht», sagt er und versichert gleich: «Ab Morgen setzen wir das Verbot konsequent um!»

Ein angetrunkener Gast mit einer Zigarette im Mund definiert den letzten Rauch-Tag auf seine Art und erklärt: «Der Tag hört erst auf, wenn man schlafen geht!», und fügt betrübt an: «Morgen wird wahrscheinlich alles anders.» Lukas Bertschi

Sarmenstorf: «Ich geh jetzt heim, dort bestimme ich»

Das Restaurant Kreuz in Sarmenstorf ist eine kleine, gemütliche Dorfbeiz. Von den Gästen, die man hier regelmässig antrifft, raucht der überwiegende Teil. Seit gestern ist es in der Gaststube damit vorbei. Qualmen darf man nur noch im kleinen Fumoir im Obergeschoss oder auf der Gartenterrasse. Kurz vor dem amtlich verordneten Rauchstopp am Freitag um Mitternacht waren in der Gaststube ein Dutzend Gäste anzutreffen. 90 Prozent davon Raucherinnen und Raucher.

«Eine SChande», sagte eine von ihnen, «der Staat schreibt uns immer mehr vor, wie wir zu leben haben.» Mitternacht wartete sie nicht ab: «Ich geh jetzt heim. Dort bestimme ich und rauche, so viel ich will.» «In den nächsten Monaten sitzen wir eh draussen», sagte ein anderer Stammgast. Wenn es wieder kälter werde, finde er schon eine Beiz, in der er rauchen dürfe. Die Aschenbecher wurden im «Kreuz» um Mitternacht nicht abgeräumt. «Damit warte ich bis Morgen», erklärte die (rauchende) Serviceangestellte. Dem (nichtrauchenden) Gemeinderat, der ein paar Minuten nach 24 Uhr die rauchgefüllte Gaststube betrat, war es egal. Und dem ihn begleitenden Bezirksgerichtspräsidenten auch. Toni Widmer

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