Kampfjets

«Ich weiss nicht, woher er das hat»: Nicollier entschuldigt sich bei Ex-Armeechef Blattmann

Claude Nicollier (links) und Ex-Armee-Chef André Blattmann.

Claude Nicollier (links) und Ex-Armee-Chef André Blattmann.

In seinem Bericht erwähnt der Ex-Astronaut Claude Nicollier eine Aussage von Ex-Armeechef André Blattmann, hat ihn aber nie kontaktiert.

Aus kommunikativer Sicht ist Verteidigungsministerin Viola Amherd ein Coup gelungen: Seite an Seite mit dem einzigen Schweizer Astronauten Claude Nicollier hat sie am Donnerstag dessen Zweitmeinung zum Expertenbericht «Luftverteidigung der Zukunft» präsentiert.

Amherd hat Nicollier im Februar um eine unabhängige Einschätzung gebeten, er hat ihr auf 20 Seiten ein Plädoyer für eine gut ausgerüstete Luftwaffe geliefert. Nun hat die CVP-Bundesrätin, was sie braucht, um ihren Bundesratskollegen noch vor der Sommerpause die nächsten Schritte bei der Kampfjetbeschaffung vorzuschlagen.

Die Euphorie wird aber nicht von allen geteilt. Nicollier dürfte die eine oder andere Person verärgert haben. Und das nachhaltig. So lässt er sich in seinem Papier über schlecht informierte Parlamentarier und Militärs aus, die in seinen Augen die Berichte der Armee nicht lesen oder verstehen. Ein Kritikpunkt, der in Bundesbern nicht neu ist, aber selten öffentlich zur Sprache kommt. Mehrmals lässt der Ex- Astronaut durchblicken, dass das Nein des Stimmvolks 2014 zum Gripen auch eine Folge der schlechten Kommunikation gewesen sei.

Blattmann im Visier

Nicht besonders gut weg kommt auch der ehemalige Chef der Armee, André Blattmann, der 2016 zurückgetreten ist und die gescheiterte Beschaffung des Kampfjets Gripen mitverantwortet hat. Blattmann, so schreibt Nicollier, habe es 2014 nach der Abstimmungsniederlage «abgelehnt», den Misserfolg an der Urne zu analysieren und systematisch nachzubesprechen. Der Ex-Armeechef habe diese Entscheidung damit gerechtfertigt, dass man politische Niederlagen auf Stufe Armee nicht nachbespreche.

Dafür, so schreibt Nicollier, habe ein anderer Ex-Chef der Armee, Christophe Keckeis, für das «Revue Militaire Suisse» eine Analyse geschrieben, die seiner eigenen Einschätzung nahekomme.

Doch was sagt André Blattmann zu Nicolliers Feststellung, er habe nach der Abstimmungsniederlage keine Analyse des Geschehenen durchgeführt? Die Redaktion CH Media erreicht ihn am Donnerstagnachmittag telefonisch. «Ich weiss nicht, woher er das hat, oder wie er darauf kommt», sagt der ehemalige Armeechef. «Mit mir hat er nicht gesprochen.» Zu Nicolliers Feststellung, er habe es abgelehnt, das Nein zum Gripen zu analysieren, sagt Blattmann: «Ein Armeechef hat einen Volksentscheid sicher nicht öffentlich zu kommentieren.»

«Ich entschuldige mich»

Es stellt sich die Frage: Welches sind die Quellen von ETH-Professor Nicollier? Auf eine Anfrage meldet sich der Ex-Astronaut am Donnerstagabend per SMS. Ihm ist die Sache offenbar nicht mehr recht. «Es war in keiner Weise meine Absicht, Herrn Blattmann in diesem Punkt zu kritisieren.»

Er schreibt, die Information, wonach Blattmann nach der Abstimmung ein Debriefing «abgelehnt» habe, sei von Ex-Armeechef Keckeis gekommen. Er selber habe mit der Erwähnung Blattmanns in seinem Bericht nur die Motivation von Christophe Keckeis erklären wollen, seine Analyse im «Revue Militaire Suisse» zu schreiben. «Ich entschuldige mich bei Herrn Blattmann, wenn ich nicht klar genug war», sagt Nicollier.

Eine direkte, nicht sonderlich schmeichelhafte Anspielung auf Blattmanns Kommunikationsstil findet sich allerdings auch in Christophe Keckeis’ erwähnter Abstimmungsanalyse im «Revue Militaire Suisse», erschienen im Oktober 2016.

Keckeis schreibt darin, sein Nach-Nach-Folger habe seine Präsenz in der breiten Öffentlichkeit während des Abstimmungskampfes zum Gripen aus «politischer Treue» eingeschränkt. Die Kampagne der Militärs sei zögerlich gewesen, «gelähmt» von den «katastrophalen Anweisungen» aus dem Verteidigungsdepartement, sich nicht in den Abstimmungskampf einzumischen. Die wahren Experten hätten sich nicht äussern dürfen. Auch die Präsenz des Luftwaffenkommandanten in der Öffentlichkeit sei homöopathisch gewesen, ebenfalls aus «politischer Treue».

Trotz Misstönen: Für Verteidigungsministerin Viola Amherd ist der Nicollier-Bericht ein PR-Erfolg. Parlamentarier von der SP bis zur SVP loben sie für das bisherige Handling des Kampfjet-Dossiers. Bald aber muss sie mehrere wichtige Weichen stellen. Die Erwartungen an die Walliser Magistratin sind gross.

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