Gestern schickte die Vereinigung «Neuer Rütlibund» einen Brief an die Landesregierung. Darin fordert sie, dass der Bundesrat der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) die Verwaltung der Rütliwiese entzieht.

Stein des Anstosses ist eine neue Nationalhymne, die von der SGG lanciert wurde und an der 1.-August-Feier gesungen wird. Die Vereinigung wirft der SGG vor, dass sie die Wiese für eigennützige Propaganda missbraucht.

Dies sieht SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger anders: «Das Rütli darf nicht für kommerzielle Zwecke oder partikuläre politische Anliegen gebraucht werden. Es ist aber legitim, wenn am 1. August der Schweizerspsalm (‹Trittst im Morgenrot daher›) und anschliessend die vorgeschlagene neue Hymnen-Strophe (‹Weisses Kreuz auf rotem Grund›) gesungen wird.»

Der Text basiere auf der Präambel der Bundesverfassung, die die zentralen Schweizer Werte beinhalte, so Niederberger. «Beim vorgeschlagenen neuen Hymnentext geht es nicht um die SGG.» Die Vereinigung «Neuer Rütlibund», die vom Luzerner SVP-Kantonsrat Pirmin Müller präsidiert wird, beanstandet an der neuen Hymne, dass Gott nicht mehr erwähnt wird. Der neue Text passe nicht zur Schweiz und ihren Traditionen

«Jeder soll sich mit einer Hymne identifizieren»

Darauf entgegnet der SGG-Geschäftsleiter: «Gott kommt nicht explizit im neuen Hymnentext vor. Als glaubender Christ finde ich Gott aber in jeder Zeile des Textes. Erstens kommen darin Werte wie Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Offenheit und Solidarität vor, die wesentlich auf christlichem Gedankengut beruhen.»

Zweitens werde zweimal das vom Christentum geprägte Schweizerkreuz besungen. «Als Staatsbürger will ich aber in einer Nationalhymne weder Gott vereinnahmen noch jede vierte Person, die nicht an Gott glaubt, dazu zwingen, ein Gebet zu einem personalen Gott zu singen», führt Niederberger weiter aus. «Mit einer Nationalhymne sollten sich möglichst alle identifizieren können.»

Der SGG-Geschäftsleiter bezweifelt, dass die Forderung der Vereinigung mit rund 1000 Mitgliedern Gehör finden wird. Der Bundesrat habe dies bereits 2014 und 2016 abgelehnt. «Darum ist diese erneute Zwängerei letztlich eine Respektlosigkeit gegenüber dem Bundesrat», hält er fest.

Schenkung der Rütliwiese an SGG-Verwaltung geknüpft

Weiter gilt es, eine Vereinbarung zu berücksichtigen. Denn im Jahr 1859 hatte die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft das Rütli erworben, um einen Hotelbau zu verhindern.

Das Geld dafür stammte aus einer nationalen Sammelaktion eigens für diesen Zweck. Ein Jahr später schenkte die SGG der Schweizerischen Eidgenossenschaft das Rütli. «Im Vertrag von 1860 ist festgehalten, dass die Schenkung der Rütliwiese an den Bund an die Verwaltung durch die SGG geknüpft ist», erklärt Niederberger

Die SGG bringt gemäss eigenen Angaben jährlich rund 150'000 Franken für die Verwaltung des Rütlis auf. Niederberger bleibt dabei: «Wir werden auch dieses Jahr die heutige Nationalhymne singen, und anschliessend wird ein Chor den neuen Text singen.»