F/A-18-Absturz
«Heute weiss der Pilot eigentlich immer, wo er sich befindet»

Der ehemalige Luftwaffenoffizier Peter Brotschi über Risiken der Militärfliegerei und mögliche Absturzursachen.

Sabine Kuster
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Moderne Instrumente erleichtern die Navigation. Im Bild: Ein Pilot steigt ins Cockpit einer Schweizer F/A-18.

Moderne Instrumente erleichtern die Navigation. Im Bild: Ein Pilot steigt ins Cockpit einer Schweizer F/A-18.

Keystone

Herr Brotschi, nun ist innerhalb von vier Jahren der dritte F/A-18 abgestürzt. Ist der F/A-18 ein unsicheres Flugzeug?

Peter Brotschi: Nein, der F/A-18 ist kein unsicheres Flugzeug. Die Abstürze 1998 und 2013 geschahen aufgrund von Pilotenfehlern, die Untersuchungen zum Absturz von 2015 sind noch nicht abgeschlossen. Es gibt jedenfalls keine Unterschiede bei den Flugzeug-Typen punkto Sicherheit – sie sind alle flugtauglich. Wenn ein Flugzeug nicht flugtauglich ist, erhält es keine Flugbereitschaft. Im Vergleich zu den älteren Kampfflugzeugen wie den Hunter oder Venom sind die modernen Jets eher leichter zu steuern. Die Piloten haben heute Instrumente, von denen man früher nur träumen konnte. Auch die Wettervorhersage ist genauer.

Wie war es früher?

Der Pilot flog mit der Karte auf den Knien, mit Kompass und Uhr. Das war alles. Er musste die Karte ständig mit der Geografie unter ihm vergleichen. Heute weiss der Pilot anhand seiner Navigationsinstrumente eigentlich immer, wo er sich befindet.

Fliegt man dafür risikoreicher?

Auf keinen Fall. Ein Pilot möchte wie alle anderen auch abends gesund nach Hause kommen und letztlich auch gesund pensioniert werden. Zu bedenken ist auch, dass man bis in die 90er-Jahre hinein mit 1000 km/h relativ tief über dem Boden flog. Heute macht die Luftwaffe ja keine Erdkampf-Operationen mehr. Einsätze finden meist in grosser Höhe statt.

undefined Der Autor des Buches «Gebrochene Flügel – alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe» war Offizier der Luftwaffe und fliegt zivil.

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Thomas Ulrich

Wie konnte der F/A-18 dann an 3400 Meter hohen Bergen zerschellen?

Das ist für mich das Rätsel. Das wird man untersuchen.

Obwohl die Schweiz dicht besiedelt ist und es kaum ein Tal ohne Häuser gibt, war der Flieger zuerst einfach verschwunden. Überraschte Sie das?

Nein. 1967 gab es bereits einen Absturz von einem Venom im Sustengebiet. Damals hat man fast drei Wochen lang nach dem Flugzeug gesucht. Das Gebiet ist felsig und wenn das Flugzeug in Einzelteile zerschellt, sind diese von weitem schlecht sichtbar. Die grau-blaue Farbe des F/A-18 verschmilzt mit der Umgebung. Ausserdem herrschte am Montag schlechtes Wetter: Dadurch waren kaum Bergsteiger unterwegs, die etwas vom Aufprall hätten hören können.

Jetzt ist das Unglücks-Flugzeug gefunden.

Ich war zuversichtlich, dass man den F/A-18 Hornet am folgenden Tag findet. Die Suchmittel und Ortungsgeräte sind heute viel besser. Mit einem Infrarotgerät am Helikopter kann man auch kleine Teile sehen, die sich in Sachen Wärmestrahlung von der Umgebung unterscheiden.

Bild von der Absturzstelle: Eine F/A-18 ist am Montag, 28. August, zerschellte im Gebiet des Sustenpasses am Berg.
23 Bilder
Absturz einer F/A-18
Der Berufsmilitärpilot wurde am Mittwochmorgen an der Absturzstelle "zweifelsfrei identifiziert", wie das Verteidigungsdepartement mitteilte.
Die Absturzstelle liegt auf über 3000 Metern über Meer in einem Bergkessel mit Schnee- und Gletscherflächen und steilen Felswänden.
Die Suche nach dem Piloten hatte sich schwierig gesaltet.
Gebirgsspezialisten der Armee sowie mehrere Helikopter der Luftwaffe, der Kantonspolizei Zürich sowie der Rega standen im Einsatz.
Die Bergung des Flugzeugs dürfte mehrere Monate dauern.
Der Absturz ist bereits der vierte schwere Zwischenfall mit einem F/A-18-Kampfjet der Schweizer Armee.
Bergspezialisten bergen den umgekommenen Kampfjet-Piloten am Mittwoch, zwei Tage nach dem Unglück.
Rettungskräfte im Einsatz
Bundesrat und Verteidigungsminister Guy Parmelin äussert sich zum abgestürzten F/A-18 Kampfjet im Sustengebiet: "Ich bin sehr traurig."
Am Dienstag wird noch fieberhaft nach dem Piloten gesucht.
Ein Abzeichen der Staffel 18 am Arm von Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, fotografiert an der Medienkonferenz zum abgestürzten Armee Flugzeug
Der Absturz ereignete sich in der Region Susten.
Die F/A-18 verschwand am Montagnachmittag kurz nach dem Start vom Radar. Später wurde bekannt: Sie verunglückte vier Minuten nach dem Start.
F/A-18 Pilot Pierre de Goumoëns, Kommunikationschef Jürrg Nussbaum und Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, informieren am Unglückstag über die aktuelle Lage.
Felix Stoffel, Chef des Berufsfliegerkorps.
Armeesprecher Daniel Reist gibt den Medien Auskunft.
Armee-Helikopter suchen am Dienstag nach der Absturzstelle.

Bild von der Absturzstelle: Eine F/A-18 ist am Montag, 28. August, zerschellte im Gebiet des Sustenpasses am Berg.

Keystone