Ständerat
Glättli, Moser oder Sauter? Harter Kampf um den Sitz im Ständerat

Nach acht Jahren verlässt der Freisinnige Ruedi Noser 2023 die kleine Kammer. Nun kommt es zu einem Ringen um den zweiten Zürcher Sitz im Ständerat: Unter den Anwärtern sind Politikerinnen und Politiker, die man im ganzen Land kennt.

Francesco Benini
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Jemand spricht von einem «Kampf der Titanen», der sich im Kanton Zürich abzeichne. Das ist zwar übertrieben – aber die Ausgangslage ist vielversprechend.

Ruedi Noser (FDP) hat am Montag bekanntgegeben, dass er im Oktober 2023 nicht mehr für den Ständerat kandidiere. Der 61-jährige Informatikunternehmer beendet seine politische Laufbahn. Noser war eine prägende Figur des Zürcher Freisinns – wobei er seine Partei zuweilen mit überraschenden Vorschlägen auf Trab hielt. So setzte er sich für die Gletscher-Initiative ein.

Glättli will antreten, obwohl er keine Frau ist

Der Vorstand der Kantonalzürcher FDP hat bereits beschlossen, wen er den Delegierten als Ständeratskandidatin vorschlägt: Es ist Regine Sauter, Nationalrätin seit 2015. Die 56-jährige Staatswissenschafterin ist in der Wirtschaft verankert: Sie ist Direktorin der Zürcher Handelskammer und sitzt in dieser Funktion auch im Geschäftsführerausschuss des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse. Regine Sauter gilt als fleissig und pflichtbewusst; medial tritt sie hingegen eher defensiv auf. Mit Angriffen auf politische Gegner macht sie nicht auf sich aufmerksam.

Regine Sauter

Regine Sauter

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Dass die Zürcher FDP dermassen früh eine Kandidatin für den Ständerat präsentiert, hat einen Grund: Der Kampf um den Sitz wird hart. Andere Parteien wollen prominente Bewerber ins Rennen schicken.

Wie ist die Ausgangslage? Daniel Jositsch tritt für die SP noch einmal an. Der Strafrechtsprofessor erreicht im Kanton Zürich Wahlresultate, wie sie sich ein Autokrat ausdenkt. Es ist davon auszugehen, dass Jositsch 2023 erneut im ersten Wahlgang als Ständerat bestätigt wird.

Bleibt der zweite Zürcher Sitz im Stöckli. Vor drei Jahren schnitt Marionna Schlatter überraschend gut ab. Sie war damals Präsidentin der grünen Zürcher Kantonalpartei, aber noch nicht Nationalrätin. Niemand wäre überrascht, wenn die Grünen noch einmal Schlatter als Kandidatin für den Ständerat nominieren würden.

Einer hat aber etwas dagegen, nämlich der Parteipräsident der Grünen. Balthasar Glättli, Nationalrat seit 2011, hat parteiintern kommuniziert, dass er sich für eine Ständeratskandidatur interessiere. Glättli begründete das unter anderem so: Die Partei müsse alles unternehmen, um ihren Wahlerfolg von 2019 zu wiederholen. Also sollte sie ihre bekanntesten Köpfe ins Rennen schicken.

Balthasar Glättli

Balthasar Glättli

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Glättli hat allerdings ein Problem: Er ist ein Mann. Soll der Kanton Zürich weiterhin mit zwei Männern in der kleinen Kammer vertreten sein? In der grünen Partei halten das viele für keine gute Idee. Das spricht für eine Kandidatur Schlatters. Die Partei muss sich zwischen ihr und Glättli entscheiden. Er wird geltend machen, dass er acht Jahre länger im Nationalrat sitzt als sie.

Bäumle war Mosers Ziehvater

Zu einer Ausmarchung kommt es auch unter den Grünliberalen – und involviert sind zwei ihrer profiliertesten Exponenten: Tiana Angelina Moser, Fraktionschefin der GLP im Bundesparlament, und Nationalrat Martin Bäumle, Mitgründer der Partei. Beide erklären auf Anfrage, dass sie für den Ständerat kandidieren wollen. Bäumle war Mosers politischer Ziehvater; er nahm sie vor Jahren mit zu Hintergrundgesprächen, die er mit Journalisten führte.

Tiana Angelina Moser

Tiana Angelina Moser

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Martin Bäumle sprach dabei viel, Tiana Angelina Moser weniger. Nun hat sie ihren Weg als Politikerin gemacht. Moser kandidierte bereits vor drei Jahren für den Ständerat – und scheiterte recht klar. Sie ist überzeugt, dass die Ausgangslage diesmal anders ist, weil nicht zwei Amtsträger erneut antreten.

Bäumle ist der Vater der Grünliberalen, und er schert hin und wieder aus mit seinen Positionsbezügen. Es kursieren zwei Gründe für die Distanzierung: Die GLP sei politisch ein wenig nach links gerückt. Oder: Bäumle ein wenig nach rechts.

Grösste Partei mit geringen Aussichten auf Erfolg

Und was macht die SVP? Sie ist die grösste Zürcher Partei, vertritt den Kanton seit 2007 aber nicht mehr im Stöckli. Die Kandidaten der SVP holen zu wenig Stimmen unter den Sympathisanten anderer Parteien.

Nun hört man, dass sich Nationalrat Gregor Rutz eine Kandidatur überlege. Und, einmal mehr, Nationalrat Alfred Heer.