Coronafälle an Schulen
Gymnasien und Berufsschulen bereiten sich auf Fernunterricht vor – Primarschulen sollen vorerst geöffnet bleiben

Schon bald könnte der Bundesrat neue Massnahmen im Bildungsbereich erlassen. In den Oberstufenklassen droht Fernunterricht – bei Primarschulen ist das Thema vorerst vom Tisch.

Christoph Bernet
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Gymnasiastinnen im Kanton Bern mit Schutzmasken (August 2020).

Gymnasiastinnen im Kanton Bern mit Schutzmasken (August 2020).

Anthony Anex / KEYSTONE

Alle 500 Schüler und 70 Lehrkräfte an der Mittelschule in Morbio Inferiore (TI) sind derzeit in Quarantäne. An der Schule sind 13 positive Fälle von Covid-19 festgestellt worden. Bei mindestens zwei besteht der Verdacht auf die als B.1.1.7 bekannte Virusmutation, die sich schneller verbreitet. Und an der Sekundarschule Reutenen in Frauenfeld mussten sich wegen einer am Freitag positiv auf die neue Mutation getesteten Schülerin sämtliche Angehörige der dritten Sekundarschulklassen in Quarantäne begeben.

Die beiden Fälle rücken erneut die Frage ins Zentrum, welche Rolle im Infektionsgeschehen die Schulen spielen. Während der Bundesrat die Restaurants bereits im Dezember und die meisten Einkaufsläden ab Montag geschlossen hat, bleiben die Schulen weiterhin geöffnet.

Allerdings hat von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) einen Bericht zum Thema angefordert. Die Kantone sollen aufzeigen, welche Massnahmen in obligatorischen Schulen getroffen werden könnten, falls dies unumgänglich wird. Den EDK-Bericht erhält der Bundesrat heute, am Mittwoch könnte er bereits neue Regeln erlassen.

Auch «Hardlinerin» Amherd will Primarschulen offen lassen

Gemäss der «SonntagsZeitung» will die EDK für die Oberstufe eine landesweit einheitliche Regelung. Oberstufenschüler reisen mit dem ÖV und verpflegen sich über Mittag in Läden und Take-aways. Sie sorgen stärker als Primarschüler für zusätzliche Mobilität.

Bundesrätin Viola Amherd beim Zoom-Interview mit CH Media

Bundesrätin Viola Amherd beim Zoom-Interview mit CH Media

Ch Media / Aargauer Zeitung

Die Forderung nach einer Schliessung der Primarschulen findet in der Politik derzeit wenig Unterstützung. Selbst die innerhalb des Bundesrats als Coronahardlinerin geltende Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) stellte in der «Schweiz am Wochenende» klar, dass sie keinen entsprechenden Antrag gestellt habe: «Ich weiss, dass Schulschliessungen die Ultima Ratio sind.» Der Bundesrat habe die Kantone lediglich per Prüfauftrag aufgefordert, sich auf eine allfällige Schliessung ab Stufe Sekundarstufe vorzubereiten.

Demgegenüber wird die Forderung nach einer Schliessung der Gymnasien und Berufsschulen immer lauter. In der «SonntagsZeitung» forderte Epidemiologe Marcel Tanner, Gymnasiasten und Berufsschüler «angesichts der neuen Lage möglichst schnell wieder in den Fernunterricht» zu schicken. Auch für Lehrerverbandspräsidentin Dagmar Rösler braucht es wegen der sich zuspitzenden Lage «ganz sicher weitere Massnahmen an den Schulen», bis hin zu begrenztem Fernunterricht.

Gymnasial- und Berufslehrer sind bereit – fordern aber Vorlaufzeit

Beim Verband der Gymnasiallehrer rechnet man damit, schon bald ganz oder teilweise auf Fernunterricht umstellen zu müssen, wie Präsident Lucius Hartmann gegenüber CH Media erklärt. Man sei «selbstverständlich» auf die Umstellung vorbereitet. Fernunterricht sei allerdings mit einer Abnahme der Chancengerechtigkeit verbunden. Im Gegensatz zum Frühjahr sollen Möglichkeiten für Prüfungen, Musik- oder Laborunterricht vor Ort bestehen bleiben – unter strengen Auflagen.

Auch bei den Berufsschullehrern stellt man sich auf Fernunterricht ein: «Es gibt für uns Lehrpersonen wieder einiges an Mehrarbeit, aber wir sind vorbereitet», sagt Andreja Torriani, Zentralvorstandsmitglied von Berufsbildung Schweiz. Er wünscht sich eine Vorlaufzeit von mindestens einer Woche. Und die Option, lernschwächere Schüler in Kleingruppen vor Ort unterrichten zu können.