Coronaregeln
«Gschämig, unethisch!»: Köppel attackiert Engelberger wegen Familienessen im Restaurant – so war es wirklich

In seiner morgendlichen Video-Sendung greift heute «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel den obersten kantonalen Gesundheitsdirektor frontal an: Lukas Engelberger (CVP) schliesse in Basel-Stadt die Restaurants, finde selber aber immer einen Ausweg. Falschbehauptungen einer SVP-nahen Zeitung? Die Sache ist komplizierter.

Patrik Müller
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Roger Köppel (links) und Lukas Engelberger.

Roger Köppel (links) und Lukas Engelberger.

Keystone/Montage_CH Media

Letzte Woche landete «Weltwoche»-Journalist Christoph Mörgeli einen vermeintlichen Coup, der aber schnell in sich zusammenbrach. Der Basler Gesundheitsdirektor und «Beizen-Schliesser» Lukas Engelberger habe im Oberbaselbiet, wo die Restaurants weiterhin geöffnet haben dürfen, ein Cordon bleu genossen. Mörgelis Verdikt: Wasser predigen und Wein trinken!

Der Angeschossene reagierte umgehend per Gegendarstellung: «Regierungsrat Lukas Engelberger dementiert die Behauptung der ‹Weltwoche›, wonach er in Nachbarkantonen Restaurants besucht haben soll», heisst es auf der Online-Ausgabe der «Weltwoche» unter dem Artikel von Christoph Mörgeli. Die Sache schien erledigt.

Roger Köppel in seiner Sendung am Mittwochvormittag.

Roger Köppel in seiner Sendung am Mittwochvormittag.

Screenshot Weltwoche

Heute Morgen aber legt «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel nach. In seiner täglichen Videobotschaft spricht er nicht von einem Beizen-Besuch im Oberbaselbiet, sondern von einem Mittagessen in Dornach (Kanton Solothurn).

Köppel sagt, Engelberger habe höchst selbst dort gegessen. Und zwar drei Tage, nachdem er in einer Rede die Schliessung von Restaurants in Aussicht gestellt und in dramatischen Worten vor den Risiken gewarnt habe. Köppel sagt weiter, wenn man Engelberger frage, ob er den Besuch bestätigen könne, lenke er nur ab. Köppel wettert:

Das ist unehrlich und unethisch. Und es zeigt die mangelnde Ernsthaftigkeit dieser Corona-Einpeitscher. Sie selber finden immer wieder einen Ausweg. Das ist gschämig!

Gegenüber CH Media gibt Engelberger nun Auskunft. Er bestätigt, dass er «am Sonntag, 15. November, mit Frau, Kindern und seinen Eltern in einem Restaurant in Dornach mittaggegessen» habe. Er sagt: «Das war aber noch vor den Restaurantschliessungen in Basel, darum halte ich das für unproblematisch.»

Es war am 20. November, als Engelberger die Restaurant-Schliessungen in Basel ab dem 23. November bekanntgab. Engelberger: «Seit diesem Entscheid war ich in keinem Restaurant mehr essen – weder im Kanton Basel-Stadt, noch in einem anderen Kanton, noch im Ausland.»

Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), diesen Montag bei einem Auftritt in Bern.

Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), diesen Montag bei einem Auftritt in Bern.

Anthony Anex / KEYSTONE

Engelbergers Tochter betreibt Eiskunstlauf ausserhalb des Kantonsgebiets

Köppel greift Engelberger auch wegen eines zweiten privaten Vorkommnisses an. Nachdem der Kanton Basel-Stadt die Sportanlagen geschlossen habe, sei seine 12-jährige Tochter nach Sissach (Baselland) ausgewichen. Köppel sagt in seiner Videosendung, er habe Verständnis für die Tochter, aber Engelberger selbst könne sich nicht hinstellen und sagen, es sei moralisch nicht zu verantworten, diesen Beschränkungen einzelner Kantone auszuweichen.

Bereits Christoph Mörgeli hatte diesen Vorwurf in seinem Artikel erhoben, aber bei Engelberger nicht nachgefragt. Dieser erklärt dazu: «Meine Tochter hat seit längerem, auch schon vor der Schliessung der Anlagen in Basel-Stadt, Eislauftrainings ausserhalb des Kantonsgebiets absolviert. »