WEF in Davos

Greta Thunberg kritisiert untätige Manager: «Das Haus brennt immer noch»

Während Thunberg die WEF-Teilnehmer zum Handeln auffordert, wollen Demonstranten diese entmachten.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg begann ihren Input für eine Diskussionsrunde zum Thema Klima-Apokalypse mit einem schnippischen Kommentar. Zuerst erinnerte sie an ihre Worte vom letzten Jahr. «Unser Haus brennt», habe sie gesagte 2019. Und: «Ich möchte, dass ihr in Panik ausbrecht.»

Damals habe man ihr gesagt, es sei gefährlich, von Menschen zu fordern, sie sollten in Panik ausbrechen. Dann fügte sie schnippisch an: «Machen Sie sich deswegen keine Sorgen. Ich habe das schon früher gemacht. Und sie können mir glauben: Es führt zu nichts.»

Ganz kurz kam in diesem Moment so etwas wie eine Schmunzeln auf im gut gefüllten, aber relativ kleinen Saal, in dem sich Wissenschaftler, Journalisten, aber auch Vertreter von Firmen eingefunden haben. Dann setzte Thunberg zu ihrer Kernbotschaft an.

Sie tat dies vor einem symbolischen Hintergrund. Hinter dem Rednerpult wurden nämlich Bilder der Wald- und Buschbrände in Australien projiziert, was dem Ganzen eine zusätzliche Dringlichkeit gab. Auf einem anderen Bild war ein Kind zu sehen, das über einen völlig ausgetrockneten Boden geht.

Moralpredigt drinnen - Protest gegen die Macht draussen

Thunberg kritisierte die Anwesenden direkt und mahnte sie, dass «in Panik ausbrechen» nicht etwa heisse, weiterzumachen wie vorher. Schliesslich hätten sie die Pariser Klimaziele zum Teil selber unterschrieben. Sie denunzierte zudem Versuche, Emissionen mit mathematischen Tricks kleinzurechnen oder über Kompensationen an einem anderen Ort einzusparen.

Bäume zu pflanzen sei zwar gut, aber komme nicht einmal in der Nähe von dem, was nötig sei, um die Klimaerwärmung zu verlangsamen. Es könne, so die siebzehnjährige Aktivistin aus Schweden weiter, auch nicht darum gehen, den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren. Gerade in den reichen Ländern müsse er sofort komplett abgestellt werden.

Thunberg sagte weiter, es gehe ihr nicht um Parteipolitik. Aus einer Perspektive der Nachhaltigkeit hätte die Rechte, die Linke, genauso wie die politische Mitte versagt. Keine politische Struktur oder Ideologie sei es bisher gelungen die drohende Klimakatastrophe anzugehen und eine «zusammenhaltende und nachhaltige» Welt zu schaffen. Damit spielte Thunberg auf das Motto des diesjährigen Weltwirtschaftstreffens an («Stakeholders for a Cohesive and Sustainable World»).

Schliesslich wurde Thunberg konkret. Nach Rücksprache mit Klimaaktivisten fordere sie die WEF-Teilnehmer auf, alle Investitionen in fossile Energien oder deren Förderung sofort zu stoppen.

Während Thunberg im gut geheizten Kongresszentrum sprach, befand sich die Winterwanderung gegen das WEF auf dem Weg von Klosters nach Davos. Die Aktivisten von «Strike WEF» hatten lange noch darauf gehofft, dass sich Greta Thunberg ihnen anschliesst. Doch sie sagte ab.

Eingeschränkte Demonstrationsfreiheit in Davos

Der letzte Teil der dreitägigen Demonstration war von den Behörden nicht genehmigt worden. Einige Aktivisten blockierten während ihres Marsches für kurze Zeit die Strasse nach Davos, worauf die Polizei anrückte.

Die Anti-WEF-Wanderer waren noch nicht in Davos eingetroffen, da sprach Juso-Präsidentin Ronja Jansen auf dem Postplatz. Statt wie zuvor Greta Thunberg an die Vertreter aus der Privatwirtschaft zu appellieren, kritisierte Jansen die Macht der Konzerne als undemokratisch. Solange man zwar über jeden Fussgängerstreifen, nicht aber über die Wirtschaft abstimmen könne, handle es sich nur um eine «halbe Demokratie».

Die Demonstrationsfreiheit ist während des Weltwirtschaftsforum in Davos jeweils stark eingeschränkt. Dieses Jahr durften lediglich 300 Personen gleichzeitig protestieren und nur auf dem verkehrsfreien Postplatz.

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