Breitling
GLP holt prominenten Wirtschaftsführer an Bord: Uhrenmanager Georges Kern steigt in die Politik ein

Breitling-Boss Georges Kern übernimmt einen Führungsposten bei den Grünliberalen in Zürich. Zuvor rechnet er mit der FDP ab: Bei ihr fühlt er sich an ein Blackberry-Handy erinnert.

Sven Altermatt,
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Blickt auf eine lange Karriere in der Uhrenindustrie zurück: Georges Kern. Nun steigt der Manager in die Politik ein.

Blickt auf eine lange Karriere in der Uhrenindustrie zurück: Georges Kern. Nun steigt der Manager in die Politik ein.

Oliver Menge (Basel, 22. März 2019

Es ist selten geworden, dass sich Wirtschaftsführer in der Politik engagieren. Einen prominenten Neuzugang verzeichnen nun aber die Grünliberalen: Mit Georges Kern hat bei ihnen einer der einflussreichsten Uhrenmanager der Schweiz seine politische Heimat gefunden. Soeben wurde er in die Parteileitung der Zürcher GLP gewählt. Damit übernimmt der gebürtige Deutsche, der am Zürichsee wohnt, gleich einen Führungsposten bei der grössten Kantonalpartei der Grünliberalen.

HSG-Absolvent Kern, 55, hat eine steile Karriere in der Uhrenindustrie hinter sich. 14 Jahre lang war er CEO von IWC, in seiner Ära entwickelten sich die Schaffhauser zu einer globalen Marke. Danach wurde er oberster Uhrenchef von Richemont, dem zweitgrössten Luxuskonzern der Welt. 2018 dann wechselte Kern überraschend zu Breitling. Heute ist er nicht nur CEO, sondern auch Mitbesitzer des Grenchner Traditionsherstellers.

Ist der Manager grün genug?

Georges Kern gelte als «Führungspersönlichkeit, die das Rampenlicht und glamouröse Inszenierungen liebt», schrieb die NZZ einmal. Er verpflichtet gerne Hollywoodstars als Markenbotschafter, jüngst produzierte er einen Spielfilm mit Charlotte Gainsbourg.

Politisch hingegen ist Kern bisher nicht in Erscheinung getreten. An der Zürcher Mitgliederversammlung bekannte er gemäss Videomitschnitt, dass er selbst eigentlich ein typischer FDP-Wähler sei. Heute jedoch vergleicht er die Freisinnigen mit einem Blackberry-Handy: «Veraltet in ihren Strukturen, verkalkt und nicht mehr zeitgemäss.» Er fühle sich der GLP und ihren Ideen näher, betonte Kern. «Sie führt grüne Politik und wirtschaftlichen Erfolg zusammen.»

Unumstritten war Kerns Wahl in die Zürcher Parteileitung nicht. Aus dem Kreis der Mitglieder kamen Bedenken, ob der Manager grün genug sei für die GLP. Andere Votanten erhofften sich derweil mit seiner Wahl eine Stärkung des wirtschaftsliberalen Flügels – darunter Parteigründer Martin Bäumle.

Kern übernimmt das Ressort Ressourcen. In dieser Funktion soll er auch Spenden für die GLP einsammeln. Dafür werde er seine Kontakte nutzen, kündigte er an. Offen bleibt, ob er nach höheren Weihen strebt. Bis er sich zu seinem politischen Engagement äussere, wolle er noch etwas abwarten, liess Kern auf Anfrage ausrichten.