Wetterumschwung
Glatte Strassen: Autofahren mit Sommerpneus ist gefährlich – und kann teuer werden

Die Kälte hat die Schweiz auch die folgenden Tage fest im Griff. Zusätzliche Schneeschauer können zu glatten Strassen führen. Wer bereits Sommerpneus montiert hat, sollte vorsichtig fahren – bei Unfällen mit falschen Reifen drohen Bussen oder sistierte Versicherungsleistungen.

Sandra Meier
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Bei Schnee und Strassenglätte ist Vorsicht geboten.

Bei Schnee und Strassenglätte ist Vorsicht geboten.

Keystone/AP

Das Wetter spielt zurzeit verrückt: Warme Sonnenstrahlen können in sekundenschnelle Regen- oder Schneeschauern weichen. Und statt fast sommerlichen Temperaturen, wie sie vor einer Woche herrschten, frieren wir um die Nullgradgrenze.

Typisches Aprilwetter? Ja, bestätigt Daniel Murer, Meteorologe von Meteoschweiz. Der Grund für den Wetterumschwung sei polare Kaltluft, die von der nördlichen Polgegend zu uns geströmt ist. «Da sie instabil geschichtet ist, kommt es immer wieder zu Schneeschauern», so Murer.

Ab Donnerstag soll das Wetter stabiler werden: Die Kaltluft zieht Richtung Rumänien weiter. Der Frost bleibt jedoch – und es wird noch kälter: Weil in der kommenden Nacht die Bise in den tiefsten Lagen teils ganz nachlässt, sinken die Temperaturen dank klarer Nacht deutlich und verbreitet unter Null Grad.

Risiko mit Sommerpneus

Sind mit dem Wetterumschwung Risiken für Autofahrer verbunden? «Nicht allzu grosse», meint Murer. «Strassenglätte ist im Flachland kaum mehr ein Thema – dafür sind die Schneeschauer zu kurzzeitig.» Zwar könne es vorübergehend glatt werden, dies dauere aber nur 15 bis 30 Minuten. «Sobald die Sonne durchkommt, wird der Boden erwärmt und der Schnee schmilzt rasch wieder.»

Anders sieht dies Daniel Graf, Mediensprecher von TCS Schweiz: «Bei diesen Temperaturen und Witterungsverhältnissen ist das Fahren allgemein risikoreicher, mit Sommerpneus sogar gefährlich.» Als Faustregel empfiehlt der TCS Schweiz die O-bis-O-Regel: Von Oktober bis Ostern mit Winterreifen fahren, danach wieder die Sommerpneus montieren. Wetterumschwünge, wie sie jetzt herrschen, sind in dieser Regel jedoch nicht berücksichtigt. «Es ist lediglich eine Faustregel», erklärt Graf. Wer bereits Sommerpneus montiert habe, solle nun jedoch nicht noch einmal wechseln, sondern im Zweifelsfall das Auto stehen lassen und auf die öV umsteigen.

 Jolanda Ernst / via Facebook
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Das Kurhaus Weissenstein (SO) im winterlichen Kleid, 1284 Meter über dem Meer.
Ein Hauch von Winter in Oberdorf (SO).
Schneeschauer in Oberkulm AG. Dorothea Hunziker / via Facebook
Da braut sich was zusammen am Himmel von Seon AG. Therese Sommerhalder / via Facebook
Schnee auf Rhabarber. Anita Höll / via Facebook
Schnee auf Weiss – fällt kaum auf! Gunnar Loewe / via Facebook
In Sachsen AG ist es bereits weiss. Silvia Bodendieck / via Facebook
 Petra Bourquin / via Facebook
Schauer in Otelfingen ZH. Lukas Rey / via Facebook
Hund unter Schneeflöckli. Claudia Condorelli / via Facebook

Jolanda Ernst / via Facebook

Zur Verfügung gestellt

Versicherung kann Leistungen streichen

«Bei den zur Zeit herrschenden Strassenverhältnissen gilt es allgemein, das Tempo zu drosseln und grössere Abstände einzuhalten», so Graf. Das schliesse Fahrzeuge mit Winter- insbesondere aber auch Fahrzeuge mit Sommerreifen mit ein, denn: Mit diesen ist der Bremsweg – im Vergleich zu Winterpneus – gleich doppelt so lang.

Dass das Fahren mit Sommerpneus unter ungünstigen Witterungsbedingungen gefährlich sein kann, zeigt der Unfall von Dienstagmorgen: Auf der rutschigen Fahrbahn in Mörschwil (SG) kam es zu mehreren Kollisionen zwischen zehn Fahrzeugen.

Noch ist nicht klar, wie hoch der Sachschaden ist – oder wer diesen bezahlen muss: Bei Unfällen, die durch falsche Pneus verursacht wurden, können Versicherungen laut Graf die Leistungen kürzen oder sogar ganz sistieren. «Es gibt in der Schweiz zwar kein Winterreifenobligatorium, trotzdem müssen sich die Autofahrer der Gefahren bewusst sein, welche die falsche Reifenwahl mit sich bringt.»

Unfälle in der Schweiz auf schneebedeckter Fahrbahn:

Mühlrüti SG am Mittwoch, 19. April Um 11.15 Uhr kommt ein Sattelmotorfahrzeug in einer Kurve von der schneebedeckten Murgstrasse ab und landet in einem Bachtobel. Der 61-jährige Chauffeur verletzte sich dabei schwer. Das Sattelmotorfahrzeug war mit Aushubmaterial beladen.
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Mühlrüti SG am Mittwoch, 19. April Der Lastwagen prallte erst gegen die Leitplanke, fuhr das steil abfallende Bord hinunter, überschlug sich und prallte dann gegen Bäume.
Sattel SZ am Mittwoch, 19. April Am Mittwochmorgen kam in Sattel SZ ein Sattelschlepper von der Ägeristrasse ab, fuhr in ein Bachbett und blieb dort stecken. Der 36-jährige Chauffeur konnte das Fahrzeug selbst verlassen und blieb unverletzt. Für die Bergung des Lastwagens wurden mehrere Pneukräne eingesetzt.
Niederurnen GL am Mittwoch, 19. April Selbstunfall um 8.15 Uhr auf der Autobahn A3 (Richtung Zürich): Ein 36-jähriger Lenker, auf der A3 in Richtung Zürich unterwegs, verliert ebenfalls die Kontrolle über sein Auto. Dieses gerät ins Schleudern und kollidiert mit der rechten Leitplanke. Es dreht sich um die eigene Achse und kommt auf dem Pannenstreifen zum Stillstand. Verletzt wird niemand.
Niederurnen GL am Mittwoch, 19. April Selbstunfall um 8.05 Uhr auf der Autobahn A3 (Richtung Chur): Ein 56-jähriger Autolenker verliert auf der A3, Richtung Chur, die Kontrolle über sein Fahrzeug. Es schleudert auf der mit Schneematsch bedeckten Fahrbahn über eine Böschung und kollidiert mit einem Wildzaun. Verletzt wird niemand.
Herisau (AR) am Mittwoch, 18. April Ein 49-Jähriger Automobilist verunfallt um 6.15 Uhr auf schneebeckter Strasse bei Herisau, indem er in einer Rechtskurve ins Schleudern gerät und in einen Zaun prallt.
Waldstatt (AR) am Mittwoch, 18. April Gleich vier Fahrzeuge waren in Waldstatt in einen Verkehrsunfall verwickelt: Um 6.30 Uhr gerät ein Personenwagen in der einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn und kollidiert mit einem entgegenkommenden Lieferwagen. Wenig später kommt es hier zu einem Folgeunfall: Ein Autolenker weicht den Unfallautos aus, ein entgegenkommender Autolenker bremst und rutscht über die Sicherheitslinie. Es kommt zur Kollision. Alle vier Fahrzeuge erleiden einen Totalschaden.

Mühlrüti SG am Mittwoch, 19. April Um 11.15 Uhr kommt ein Sattelmotorfahrzeug in einer Kurve von der schneebedeckten Murgstrasse ab und landet in einem Bachtobel. Der 61-jährige Chauffeur verletzte sich dabei schwer. Das Sattelmotorfahrzeug war mit Aushubmaterial beladen.

Kapo SG

Auch zu Bussen kann es bei Unfällen mit falschen Reifen kommen – «wegen Fahrlässigkeit oder Führen eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs».

Zum Glück währt das Risiko glatter Fahrbahnen nicht ewig: Nach der kältesten Nacht, die von Donnerstag auf Freitag erwartet wird, steigen auch die Temperaturen am Freitag auf über zehn Grad an.

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