Partei-Hochburgen

Glarus Nord: Wo die BDP ganz oben thront

Luftaufnahme der Dörfer Niederurnen und Mollis mitten in der Gemeinde Glarus Nord, das Kerngebiet der BDP. Keystone

Luftaufnahme der Dörfer Niederurnen und Mollis mitten in der Gemeinde Glarus Nord, das Kerngebiet der BDP. Keystone

Obwohl die SVP im Kanton Glarus im Aufwind ist: Hier führt nichts an der BDP und Martin Landolt vorbei.

Wer vormittags in Ziegelbrücke aus dem Zug steigt, ist erst über die unglaubliche Stille in und um den Bahnhof erstaunt. Vor weniger als einer Stunde war man noch im lauten Zürich umgestiegen. Im «Verwaltungszentrum» der Gemeinde Glarus Nord in Niederurnen – drei Busminuten entfernt – wird einem dann doch bewusst, dass die intakte Bergwelt ganz nah ist. Hirzli, Fridlispitz, Gugger heissen die nächsten Gipfel auf der einen, Nüencham, Schijenstock und Fronalpstock auf der anderen Seite.

Geteiltes Schrebergartenwesen

Im beschaulichen Dorf mit seinen kleinen Quartierstrassen – allesamt 30er-Zone, wohl, weil sie ungewöhnlich schmal sind – befinden sich nicht unweit des Zentrums mit einer katholischen und einer reformierten Kirche, zwei Schrebergartensiedlungen. Die eine ist fein säuberlich hergerichtet mit schönen Häuschen und peinlich genau sortiertem Gemüse, die andere – durch eine Strasse von der ersten getrennt – wirkt wilder, naturbelassener und die Häuschen wurden mit viel Improvisationstalent gebaut. Vom Schrebergartenbesitzer, der gerade noch sein Gemüse zurechtzupft, ein waschechter Glarner, ehemaliger Büezer, wie er sagt, erfährt man, dass es sich um einen Schweizer- und einen Ausländerteil handelt. Im Gespräch wird schnell klar, dass «das mit den Ausländern» auch «immer problematischer» werde. Man müsse sich nicht fragen, wieso die SVP stärker werde, sagt er, der noch vor Jahren SP wählte, jetzt aber zur «Gegenseite» gewechselt hat. Auch im letzten Jahr hat die SVP wieder zugelegt. Ihren Sitz im Regierungsrat hatte sie mit der Abspaltung der BDP im Jahr 2008 und dem wechselnden Regierungsrat Röbi Marti verloren. Sechs Jahre später konnte sich die SVP den Sitz zurückholen.

Auf nationaler Ebene sticht aber eben immer noch die BDP heraus. Gerade in der Gemeinde Glarus Nord, die seit der Fusion 2011 neben Niederurnen noch vier weitere Tal- (Bilten, Oberurnen, Näfels und Mollis) und drei Bergdörfer (Filzbach, Mühlehorn und Obstalden) umfasst, hat die BDP bei den Nationalratswahlen 2011 fast 67 Prozent der Stimmen erhalten. Klar ist dies in erster Linie damit erklärbar, dass der Kanton Glarus nur einen Nationalratssitz zu vergeben hat und damals Landratspräsident Martin Landolt gegen seinen Herausforderer, den Glarner Juso-Präsidenten Yannick Schiess, klar im Vorteil war. Auch der SVP-Schrebergartenbesitzer sagt es: «Mit Landolt haben wir den Richtigen gewählt. Er macht es gut in Bern und hinterlässt einen souveränen Eindruck. Ist doch egal, welcher Partei jemand angehört, solange die Arbeit gut ist.» Mit dieser «Personenwahl» konnte sich die BDP im Kanton gut halten und zeigt gerade in Glarus Nord ihren Durchsetzungswillen.

Die drei «Pfeiler» der BDP

Laut Gemeindepräsident Martin Laupper, selbst FDP-Vertreter, beruht die BDP-Macht in Glarus Nord auf drei «Pfeilern»:

Pfeiler 1: «Glarus Nord ist ganz klar bürgerlich», sagt Laupper. Das passe gut zur BDP. Die Partei sei liberal, gewerbefreundlich, offen und dynamisch. «Man merkt, dass es eine neue Partei ist. Aber es ist eine Partei, die das Gros der Bevölkerung durchaus ansprechen kann», so Laupper.

Pfeiler 2: Martin Landolt. Der ehemalige Landratspräsident, heutiger Nationalrat und Parteipräsident der BDP, wohnt in Glarus Nord, genauer in Näfels. Einerseits sei Landolt wegen seines Engagements als Präsident des Volleyballklubs Näfels bekannt. Andererseits sei er auch sehr traditionell als Jäger. «Das bringt ihm und seiner Partei in allen politischen Lagern Stimmen», sagt Laupper. Dass die BDP mit Landolt so erfolgreich gewesen sei, habe auch damit zu tun, dass wichtige und angesehene Personen der SVP den Rücken gekehrt und zur BDP gewechselt hätten. «Die Abspaltung von der SVP und der Mut, einen neuen Weg zu gehen, haben offensichtlich viele Wähler motiviert.»

Pfeiler 3: Kürzlich wurde in Glarus Nord das Gemeindeparlament abgeschafft. Die BDP hat sich von Beginn weg dafür eingesetzt – als einzige Partei. Sie verwies darauf, dass in einer direkten Demokratie, in einem Landsgemeindekanton, die Gemeindeversammlung keine weiteren Rechte abgeben soll.

Authentizität als Erfolgsrezept?

Die auf dem Wanderweg zum Hirzli und im gleichnamigen Restaurant getroffenen Menschen schätzen Martin Landolt. Er selbst sagt: «Ich bin, wie ich bin. Ich versuche, keine Rollen zu spielen; ich sage, was ich denke; ich mache, was ich sage.» Er glaube, dass ihm diese Authentizität bei Freund und Feind ein hohes Mass an Respekt und Glaubwürdigkeit bringe. Auf die Frage, wieso denn seine BDP in Glarus Nord gut ankomme, sagt Landolt, dass es die gute Mischung von Berglermentalität und Urbanität ausmache. Viele in der Gemeinde gingen nach Zürich arbeiten, die Jungen in den Ausgang. «Aber wir kommen alle wieder gerne nach Hause, weil wir stark mit unseren Wurzeln verbunden sind», so Landolt. Die BDP sei liberal, progressiv und mutig, ohne dabei ihre konservativen Wurzeln über Bord zu werfen. «Das passt sehr gut zum Glarnerland», sagt Landolt. Und die BDP wird in Glarus Nord auch nach dem Wahlen im Herbst weiter auf dem Thron sitzen. Landolt tritt wieder an – bislang ohne Gegenkandidaten.

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