Gaddafi
Gaddafi-Geisel Hamdani: «Ich will wieder nach Tripolis»

Die ehemalige Schweizer Gaddafi-Geisel Rahid Hamdani nimmt den Tod von Mohammar Gaddafi mit Befriedigung zur Kenntnis. Zudem erteilt Hamdani allen Verschwörungstheorien eine Absage und spricht über seine Rückkehr nach Tripolis.

Vasilije Mustur
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Hamdani und Göldi

Hamdani und Göldi

Keystone

Der libysche Diktator Mohammar Al Gaddafi ist tot. Diese Botschaft nimmt Rahid Hamdani mit Genugtuung zur Kenntnis. «Sein Tod ist eine Erleichterung.» Der schweizerisch-tunesische Doppelbürger war von Juli 2008 bis Februar 2010 gemeinsam mit seinem ABB-Arbeitskollegen Max Göldi die Geisel des Despoten. Vom Tod Gaddafis hat Hamdani im Ausland erfahren. «Ich war auf Reisen und bin erst seit heute wieder in der Schweiz.»

Hamdani wollte Gaddafi in Den Haag sehen

Derweil spricht die ehemalige Gaddafi-Geisel davon, dass Mohammar Al Gaddafi seinen Tod selbst herausgefordert habe. Schliesslich habe der Diktator seinem Volk viel Leid zugeführt. Dies hätten auch Max Göldi und er am eigenen Leib erfahren. In diesem Zusammenhang lässt Hamdani keinen Zweifel daran, dass auch nach dem Ableben von Gaddafi seine Geiselhaft in Libyen immer noch nicht verarbeitet sei. «Diese wird mich bis an mein Lebensende begleiten.»

Trotz der Zufriedenheit über den Tod von Gaddafi bedauert Hamdani, dass sich der Diktator nicht vor dem Den Haager Kriegsverbrecher-Tribunal verantworten muss. Darüber hinaus erteilt der Schweizer allen Verschwörungstheorien eine Absage. Natürlich wisse er um die Vielzahl der Gaddafi-Doppelgänger in Libyen. Obwohl Hamdani Gaddafi oder Mitglieder seines Clans nie kennengelernt hat, ist sich Hamdani sicher: «Es handelt sich um Gaddafi. Er ist tot.»

Demokratie hat in Lybien eine Chance

Nach dem Tod von Gaddafi äussert sich Hamdani ausserdem zur Arbeit der Schweizer Regierung während des Geiseldramas. «Der Bundesrat hat viel für uns getan. Ich bin stolz, wie die Landesregierung auf die Krise reagiert hat.» Mit diesem Statement stärkt Rahid Hamdani dem Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz und der amtierenden Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey den Rücken.

Support und Mut sendet Hamdani auch in Richtung Lybien. «Ich wünsche dem libyischen Volk viel Glück für die Zukunft.» Wie viele Experten weiss der schweizerisch-tunesische Doppelbürger nicht, ob sich nach der Gaddafi-Herrschaft in Libyen eine Demokratie entwickeln kann. Zur Erinnerung: Mohammar Al Gaddafi unterdrückte 40 Jahre lang sein eigenes Volk und unterminierte Institutionen wie Gerichte oder Parlamente. Diesen düsteren Zukunftsaussichten zum Trotz glaubt Hamdani an eine Aussöhnung im Maghreb-Staat. «Die Demokratie ist das beste politische System auf unserem Planeten. Ich bin Optimist und blicke deshalb positiv in die Zukunft, denn schlimmer als unter Gaddafi kann es für Libyen nicht mehr kommen.»

Freunde in Tripolis gewonnen

Dieser Optimismus fusst indes auf dem Wunsch, eines Tages in die libysche Hauptstadt Tripolis zurückzukehren. «Ich habe sehr viele Freunde dort. Diese Menschen haben mich während meiner Gefangenschaft wie auch nach meiner Rückkehr in die Schweiz stets unterstützt. Daraus haben sich Freundschaften entwickelt.» Diese hätten bis heute Bestand.

Das gilt auch für seinen Leidensgenossen Max Göldi. «Wir sind immer noch im Kontakt. Wir sind Freunde», sagt Hamdani. Durch seine Auslandreise sei er bislang nicht dazu gekommen, mit Göldi über die neusten Entwicklungen in Libyen zu sprechen. Hamdani selbst geht es laut eigenen Aussagen gut. «Ich führe ein normales Leben» - soweit das nach den Erlebnissen in Libyen überhaupt möglich sei.

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