Forscher fürchten um EU-Kooperation

Falls das Rahmenabkommen nicht zustande kommt, steht die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU auf der Kippe. Es geht auch um viel Geld.

Remo Hess, Brüssel
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Kein Zugang mehr zu EU-Fördernetzwerken? Studierende an der Universität Fribourg. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

Kein Zugang mehr zu EU-Fördernetzwerken? Studierende an der Universität Fribourg. (Bild: Martin Rütschi/Keystone)

Die Schweizer Spitzenforscher sind besorgt: Falls das Rahmenabkommen bachab geht, droht das vorläufige Aus der Forschungszusammenarbeit mit der EU. ETH-Zürich-Präsident Joël Mesot traf zusammen mit Martin Vetterli, Präsident der ETH Lausanne, und Gian-Luca Bona, Direktor der Empa-Forschungsanstalt, in Brüssel am Rande einer Fachkonferenz eine EU-Delegation aus dem Bereich Forschung und Innovation. Dabei habe man sich der exzellenten Forschungskooperation zwischen der Schweiz und der EU versichert.

Unklar blieb jedoch, wie es bei einem Nein zum institutionellen Rahmenvertrag weitergehen würde. Denkbar ist, dass die Europäische Union dann die Assoziierungsverhandlungen zum Forschungsprogramm «Horizon-Europe» zurückhalten würde und Schweiz ab 2021 vom Zugang zu den EU-Fördernetzwerken abgeschnitten wäre.

233 Millionen flossen in die Schweiz

Dabei geht es um viel Geld: Die EU will den Etat für das neue «Horizon-Europe»-Forschungsprogramm auf 100 Milliarden Euro aufstocken. Es ist das grösste Förderprogramm für Wissenschafter und Wissenschafterinnen weltweit.

Von den EU-Milliarden hat die Schweiz denn auch gut profitiert. In den Jahren 2007 bis 2014 flossen 233 Millionen Franken mehr ins Land, als nach Brüssel überwiesen wurde. In der bis 2020 laufenden Periode besteht zwar noch ein Ungleichgewicht zu Ungunsten der Schweiz. Dies aber nur, weil die EU im Jahr 2014 als Reaktion auf die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative die Schweiz schon mal vorübergehend ausgesperrt hatte und in dieser Zeit Projekte gar nicht oder nur eingeschränkt gefördert wurden. Aber selbst wenn die Vollassoziierung wieder klappen sollte, muss sich die Schweizer Forschung auf einen schlechteren Zugang einstellen. Schuld ist der Brexit: Die EU regelt im Hinblick auf den Austritt des Vereinigten Königreichs ihre Zugangsmodalitäten für Drittländer neu. Die Schweiz dürfte sich dann nicht mehr in der Kategorie der EWR-Länder Norwegen, Liechtenstein und Island wiederfinden, sondern im selben Topf wie Grossbritannien. Die Folge könnte sein, dass die Schweiz nicht mehr vollumfänglich um die sogenannten «ERC-Grants», der eigentlichen Königsdisziplin in der Wissenschaftsförderung, konkurrieren könnte.

Mit der neuen Rahmenrichtlinie zu «Horizon-Europe» will die EU ausserdem die Vergabepraxis ändern. Bislang wurden die Fördergelder jeweils an die besten Projekte und Forschenden vergeben. Die Schweiz räumte da mit ihren guten Unis regelmässig ab. Auch Grossbritannien gehört mit seinen Top-Hochschulen nach Deutschland zu den grössten Empfängern von ECR-Grants. Ein Änderungsvorschlag des EU-Parlaments sieht nun vor, dass alle zwei Jahre eine Korrektur stattfindet, um mögliche Ungleichgewichte zwischen den eingezahlten Beiträgen und den zugesprochenen Förderungen auszugleichen.