SVP
«Fall Pferd» soll entsorgt werden

SP, FdP und CVP haben es beinahe aufgegeben, an der Festung SVP zu rütteln. Nun bringt ausgerechnet eine SVP-Kandidatin die SVP-Herren ins Schwitzen. Parteiintern wird das besondere Vorkommnis «Fall Pferd» genannt, geworden ist daraus eine Posse.

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Ursula Schöni zu Pferd

Ursula Schöni zu Pferd

Solothurner Zeitung

Urs Byland

Ursula Schöni hat sich auf der Gemeinderatsliste der Partei einen Platz ergattert. Nicht zur Freude der strammen Parteigänger. Mit forschem Auftreten setzte sie sich an der Nominationsversammlung durch. Vorangegangen war ein parteiinterner Mailverkehr mit dem Resultat, dass Ursula Schöni anfangs von den Parteioberen als Kandidatin unerwünscht war. Wie gesagt, Ursula Schöni drehte die Sache, verlangte eine Abstimmung und gewann - den 15. Listenplatz. Die 14 vorderen Listenplätze haben bereits die sieben vom Vorstand portierten Nominierten besetzt, jede und jeder kumuliert.

Ursula Schöni ist kein Politkücken. Erste politische Erfahrungen durfte sie in der Bezirksschulkommission oder in der kantonalen Resonanzgruppe Sek-1-Reform sammeln. «Das hat mir gepasst.» Die SVP sei nun mal ihre Partei, erklärt sie. Deren Meinung sei die ihre. «Aber ich möchte über die politischen Ideen der Partei diskutieren können und einen frischen Wind hineintragen.»

Auftrag zu Herzen genommen

Sie erhoffte sich im Wahlkampf etwas Unterstützung von der Partei. «Nichts geschah.» Man solle für sich und die Partei werben, mit den Menschen reden, eins zu eins, hiess es noch an der Nominationsversammlung. Das wars dann an Hilfe von der Partei, laut Ursula Schöni. «Also habe ich mir das zu Herzen genommen.»

Für die SVP-Werbeaktion an der Mittelländer Ausstellung fragte sie den Parteipräsidenten Marcel Boder, ob sie ihren Hund mitnehmen dürfe. «Ich wusste, der Hund kommt bei den Leuten an.» «Ja, mach das. Freue mich auf den Hund! Natürlich auch auf Dich!» kam postwendend die Antwort des Parteipräsidenten.

Am Stand selber wurde sie aber eher kühl empfangen. «Ich fühlte mich richtig unwohl.» Wie ein späterer Mailverkehr zeigen sollte, zu Recht. Da wettert Kandidat Richard Aschberger über den Auftritt von Ursula Schöni «mit dem Hund, einer Schüssel Sugus, Kinderunterhaltungszeugs und persönlichen Flyern». Offenbar entsprach der individuelle Wahlkampf von Schöni nicht den Vorstellungen einiger anderen Kandidaten.

Gefordert wird ihr Rauswurf

Auch eine Inserateaktion der Kandidatin im «Stadtanzeiger» fand in der Partei wenig Gegenliebe. Ihre Empfehlung, einen Listenplatz zu ihren Gunsten zu streichen, wurde nicht goutiert. Kandidat Richard Aschberger bezeichnet die Aktion als «Sauerei». «Persönlich würde ich diese Frau am 18. 5. aus der Partei ausschliessen/rauswerfen/ entsorgen», schreibt er Marcel Boder. Ein Schlag unter die Gürtellinie, wie Schöni findet. Sie müsse doch etwas unternehmen, weil sie nur einmal auf der Liste erscheint, begründet sie ihre Inserateaktion.

Eine Partei sieht rot

Vollends in den roten Bereich versetzt wurde die Partei von Ursula Schönis Auftritt mit dem Pferd. Marcel Boder beantwortete ihre Anfrage - sie wollte zur Wahlkampfveranstaltung der Partei auf dem Marktplatz mit dem Pferd erscheinen - zustimmend: «Natürlich kannst Du das Pferd mitbringen. Vorausgesetzt, es ist mit SVP angeschrieben. (Ha).»

Im Vorfeld des Anlasses wurde aber an einer Versammlung, die Schöni nicht besuchen konnte, von den übrigen Kandidaten entschieden, auf das Pferd zu verzichten. «Man stimmte ab, ob das Pferd kommen darf oder nicht, obwohl es keine Gründe gab, dies zu bekämpfen, und es wohl fehl am Platz war, dies mit allen zu besprechen, ohne mich zu kontaktieren», ärgert sich Schöni.

Am nächsten Tag weibelt Kandidat Ivo von Büren dennoch für eine Teilnahme des Pferdes. «Für mich ist das Führungsschwäche des Vorstandes und Inkonsequenz in Reinkultur», äusserte sich Kandidat Martin Ochsner in einem Mail an die Vorstandskollegen. Weiter schreibt der Politneuling: «Offenbar ist das Politik, da muss ich aber noch viel lernen.» Aschberger pflichtet ihm in einem Mail bei.

Parteipräsident Marcel Boder reagiert mit Verzögerung, dafür umso heftiger. Am 11. Mai schreibt er: «Ab sofort trete ich als Parteipräsident zurück!!!» Offenbar haben die Angriffe auf die Vorstandsführung sein Nervenkostüm getroffen. Frustriert schreibt er: «Sollen doch die unerfahrenen Politiker das Zepter in die Hand nehmen.» Auf Nachfrage beruhigt aber Boder: «Das war eine Kurzschlussreaktion. Wir haben die Sache bereinigt. Nun ist alles wieder gut.»

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