Philippe Klein

Im August 2014 könnte die Stadt Zürich nach der Fussball-Euro 2008 und der Eishockey-WM in diesem Jahr bereits wieder zum Sport-Mekka werden. Swiss Athletics will dann die Leichtathletik-Europameisterschaft nach Zürich holen. Der Anlass kostet fast 40 Millionen Franken, budgetiert ist ein Defizit von 10 Millionen. Ende des Jahres will der Europäische Leichtathletikverband über die Vergabe entscheiden.

Ginge es nach dem Zürcher Kantonsrat, könnten die Spiele heute schon beginnen. In der gestrigen Sitzung sprach das Parlament trotz dunklen Wolken am Wirtschaftshimmel und einem schwarzen Loch in der Staatskasse mit 134 zu 6 Stimmen eine Defizitgarantie und ein zinsloses Darlehen für den Anlass. Die Defizitgarantie beträgt maximal 5 Millionen Franken, das Darlehen von 3,3 Millionen muss nach vier Jahren zurückbezahlt werden. Ausbezahlt werden die Gelder erst, wenn auch die Stadt Zürich sich in selber Höhe am Anlass beteiligt. Auch der Bund soll seinen Teil dazu beitragen.

Links und rechts war man sich gestern einig, dass das gut investiertes Geld sei. Bernhard Egg (SP, Elgg) sagte etwa: «Wir stimmen begeistert Ja. Zürich hat ein wunderbares Stadion und grossartige Fans, das hat die Fussball-Europameisterschaft gezeigt.» Brigitta Leiser (CVP, Regensdorf) gab zu bedenken, dass es beim derzeitigen Projektstand noch zahlreiche offene Fragen gebe, «das ist aber normal. Schliesslich ist noch nicht einmal klar, ob Zürich überhaupt den Zuschlag erhält.»

Hans Läubli (Grüne, Affoltern a. A.) machte bekannt, dass seine Fraktion geteilter Meinung sei. Zwar habe die Durchführung der Leichtathletik-EM womöglich eine positive Wirkung auf die Jugend und den Breitensport. Was sie dem Standort Zürich aber wirklich bringe, sei unklar. Der Leichtathletik-Verband sei seiner Fraktion im Übrigen einiges sympathischer als dessen Pendant im Fussball: «Immerhin gibt es da nicht einen derart aufgeblasenen Funktionärsapparat.» Er wundere sich aber schon darüber, so Läubli abschliessend, dass den Bürgerlichen, die sonst immer vom Sparen reden, gerade heute der Geldbeutel so locker sitze.

Rolf Walther (FDP, Zürich) entgegnete, dass das gesprochene Geld als Investition in den Wirtschaftsstandort zu verstehen sei. Walther: «Wir dürfen trotz Wirtschaftskrise nun keineswegs den Kopf in den Sand stecken. Und diese Vorlage gefällt uns.» Und Theo Toggweiler (SVP, Zürich) ergänzte: «Für Zürich ist das grossartigste Werbung.»