Die russischen Behörden sollen dem ehemaligen Angestellten der Bundeskriminalpolizei, der eng mit der Bundesanwaltschaft (BA) zusammenarbeitete, Hotelkosten und eine einwöchige Bärenjagd auf Kamtschatka bezahlt haben. So lautet der Vorwurf der Bundesanwaltschaft an ihren ehemaligen Arbeitskollegen.

Ursprünglich waren dem 59-jährigen Angeklagten weitere Delikte vorgeworfen worden. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hatte im Februar 2017 auch Strafanzeige wegen Amtsanmassung, Amtsmissbrauchs und Bestechung eingereicht. Diesbezüglich wurde die Strafuntersuchung jedoch eingestellt.

Weil der Russland-Kenner den Strafbefehl anfocht, muss sich das Bundesstrafgericht in Bellinzona mit dem Fall befassen. Ursprünglich war der Prozess auf den 4. Juni angesetzt. Wie am Mittwoch vom Bundesstrafgericht bekannt gegeben wurde, finden heute Freitag die Zeugenbefragungen statt.

Nähe zur Bundesanwaltschaft

Dominic Nellen, der Verteidiger des Angeklagten, hatte die Befragung von Lauber und Lamon während der Strafuntersuchung mehrmals beantragt, wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Die Anträge seien jeweils abgelehnt worden. Auch der Befragung weiterer Personen wurde nicht zugestimmt.

Der Angeklagte begleitete Lauber und Lamon auf mehreren Russlandreisen. Die Jagdwochenenden sollen gemäss Nellen im Wissen und auf Anordnung der BA stattgefunden haben.

Obwohl der Angeklagte als Berater und Spezialist für die BA arbeitete und somit viele Kontakte zu dieser hatte, wurde die Strafuntersuchung von der BA durchgeführt. Nellen hatte mehrmals die Einsetzung eines ausserordentlichen Staatsanwalts beantragt, allerdings ohne Erfolg.

Die BA verurteilte den Ermittler in ihrem Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu 190 Franken und einer Busse von 2500 Franken. Weil der überwiegende Teil des Strafverfahrens eingestellt wurde, auferlegte die BA dem Russland-Spezialisten lediglich 1100 Franken der Verfahrenskosten von total 5500 Franken. (Fall SK.2019.25)