Energielabel
Energielabel ist SVP zu schleierhaft

Durch den Vergleich des Labels «Energiestadt» mit einem Négligé sorgte Einwohnerrat Franz Frey (SVP) für den grössten Lacher in der Lenzburger Einwohnerratssitzung von Donnerstagabend.

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Aargauer Zeitung

Irena Jurinak

«Es verschleiert den Durchblick und verhüllt das Wesentliche», sagte Frey und entfachte die Diskussion um die Teilnahme von Lenzburg am Label «Energiestadt». In der Einwohnerratssitzung vom Donnerstagabend sprach sich die SVP-Fraktion gegen das Label aus. Statt Geld für einen «teuren Papiertiger» auszugeben, solle die Stadt selber Energiespar-Massnahmen umsetzen.
In der Abstimmung unterlag die SVP schliesslich. Der Einwohnerrat bewilligte mit 23 Ja- zu
10 Nein-Stimmen sowohl externe Kosten über rund 24 000 Franken als auch eine Stellenerhöhung um bis zu 25 Prozent für die Erlangung des Labels «Energiestadt».

Kritik am stadträtlichen Willen
Dass man in Energiefragen umdenken müsse, sei kein Thema, sagte Frey. Er selber fahre seit drei Jahrzehnten Velo und nutze die öffentlichen Verkehrsmittel. Es reue ihn aber, für eine «Plakette» Geld auszugeben. «Der Stadtrat delegiert Aufgaben an die Verwaltung und externe Berater, statt selber Aufträge zu erteilen.» Frey äusserte Zweifel am Willen und der Führungsverantwortung des Stadtrates.

Die SVP-Fraktion schlug vor, den Bericht des Stadtrates in der Vorlage gutzuheissen, aber auf die Erlangung des Energielabels zu verzichten und stattdessen die im Bericht aufgeführten Punkte umzusetzen.

Auf die Kritik von der SVP meldete sich im Laufe der Diskussion auch Stadtammann Hans Huber (FDP) zu Wort und sprach sich für das Energielabel aus. Städte wie Aarau, Baden und Zofingen - ja sogar Seon - hätten das Label bereits und Lenzburg gehöre sicher in die gleiche Liga. Lenzburg erfülle bereits heute einige der Anforderungen des Labels. «Mit oder ohne Label müssen wir etwas tun, bevor Druck von oben kommt.» Eine Verschärfung der Vorschriften durch den Gesetzgeber sei im Gange.

Label ist Kirsche auf dem Coupe
Dass die Plakette «Energistadt» nicht das Ziel der Vorlage sei, sondern die erarbeiteten Massnahmen, betonte Remo Keller (SP). Er bezweifle zudem, dass die Umsetzung von Energiesparmassnahmen ohne Label günstiger würde. «Warum sollen wir also auf die Kirsche auf dem Coupe verzichten?» Die SP-Fraktion stimmte der Vorlage zu.

Sicher ist sicher
Sein Fraktionskollege Michael Madöry wies darauf hin, dass der Einwohnerrat das Energielabel umsetzen könne und trotzdem die Kontrolle behalte. Zudem wisse man noch nicht, was für einen Stadt- und Einwohnerrat man Ende Jahr habe. «Wenn wir das Label haben, haben wir es und müssen es umsetzen.»
Mit einer Zahlenspielerei setzte sich Sabine Sutter (CVP) für das Label ein. Die Lenzburger Postleitzahl 5600 stehe für fünf Ziele in sechs Bereichen und hundertfachen Nutzen - wirtschaftlich, ökologisch und bei der Lebens- und Wohnqualität. Sie verglich das Label mit einem Diplom, das man am Ende einer Berufsausbildung erhalte und pochte auf die Vorbildfunktion einer modernen Gemeinde. «Es ist immer teuer, später einzugreifen, und deshalb besser, in diesen Fragen weitsichtig zu planen.» Die CVP-Fraktion stimmte der Vorlage zu.

Die Fraktionen der EVP und der Grünen sprachen sich ebenfalls für die Annahme aus. Und auch Stefan Zantop (Grüne) empfahl als Sprecher der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission die Vorlage zur Annahme. Das Label sei ein tauglicher Raster und werde die Massnahmen effizient vorantreiben.