Wägital

«Ein neuer Onkel Dolf»: Schwyzer SVP-Mitglied verlässt nach Hitler-Kommentar die Partei

Der Vizepräsident der SVP Wägital, Manuel Züger, ist aus der Partei ausgetreten. Dies teilte die Ortspartei in einer Medienmitteilung mit, in der sie gleichzeitig die kantonale Parteileitung scharf angreift.

Anfang Dezember kommentierte Züger auf Facebook einen Artikel der «Berliner Morgenpost». Darin wurde die Frage diskutiert, ob der Islam zu Deutschland gehöre. Zügers Kommentar: «Das Einzige, was wieder nach Deutschland gehörte, ist ein neuer Onkel Dolf» – eine in rechtsextremen Kreisen beliebte Verniedlichung des Namens von Adolf Hitler.

Die Ortspartei Wägital sah jedoch keinen Anlass, sich von ihrem Mitglied zu distanzieren. Sie sprach von medialer Hetze und liess in einer Medienmitteilung vom 10. Dezember Zweifel aufkommen, wen Züger mit den Worten «Onkel Dolf» gemeint haben könnte: «So gebe es u.a. auch einen gewissen Dolf Sternberger, welcher als anerkannter deutscher Schriftsteller und Politologie sich sehr intensiv und sachlich korrekt mit der deutschen Zeitgeschichte auseinandergesetzt habe», hiess es dort.

Die Leitung der SVP des Kantons Schwyz jedoch forderte eine klare Distanzierung vom Nazi-Gedankentum. Kantonalparteipräsident Roland Lutz setzte der Ortspartei Wägital ein Ultimatum, ihren Vizepräsidenten Manuel Züger bis am Montag 23. Dezember auszuschliessen, wie der «SonntagsBlick» berichtet hatte. Tue sie das nicht, werde die Parteileitung die gesamte Ortspartei ausschliesssen.

Mit dem freiwilligen Parteiaustritt Zügers scheinen die Wägitaler diesem Schritt zuvorgekommen zu sein. Allerdings schiesst die Ortspartei in der Medienmitteilung scharf gegen Kantonalparteipräsident Lutz.

Man sei weiterhin der festen Überzeugung, dass sich der aus der Partei ausgetretene Manuel Züger mit Bezug auf seinen Facebook-Post nichts habe zu Schulden kommen lassen. Die darauffolgende «Medienhetze »sei vom Kantonalparteipräsidenten Roland Lutz «begleitet und vorangetrieben» worden.

Gepfeffertes Communiqué

Lutz scheinen «die mediale Selbstinszenierung und seine damit einhergehende Selbstprofilierung» wichtiger zu sein als parteiinterne Abmachungen, «welche auf persönlicher Ebene im gegenseitigen Einvernehmen und Vertrauen getroffen wurden», schreibt die SVP Wägital in einem gepfefferten Communiquè.

Die in der Medienmitteilung der Ortssektion Wägital geäusserte, heftige Kritik an ihm lasse ihn kalt, sagt Kantonalparteipräsident Roland Lutz gegenüber watson: «Das prallt an mir ab.» Mit dem Parteiaustritt Zügers sei ein möglicher Ausschluss der Sektion vom Tisch. Von Seiten der kantonalen Parteileitung stehe einer Normalisierung des Verhältnisses mit der SVP Wägital nichts im Wege.

Lutz ist überzeugt, dass die Androhung eines Parteiausschlusses der Wägitaler Sektion im Falle eines Verbleibs von Manuel Züger richtig gewesen ist: «Wir mussten eine rote Linie ziehen und ein klares Signal aussenden, dass rechtsextremes Gedankengut in der SVP Schwyz keinen Platz hat», so Lutz.

Mit dieser Ansicht fühle es sich von der Basis getragen: «Schliesslich wollen 99,9 Prozent unserer Mitglieder nichts mit der braunen Sauce zu tun haben». Es gilt aber laut Lutz nach wie vor die Unschuldsvermutung für den Betroffenen.

Mitglieder des Ku-Klux-Klan bei einer Zeremonie (Symbolbild)

Mitglieder des Ku-Klux-Klan bei einer Zeremonie (Symbolbild)

Mitglieder der SVP Schwyz hatten im ablaufenden Jahr mehr als einmal für Negativschlagzeilen gesorgt. Im November trat der Vizepräsident einer anderen Ortssektion aus der Partei aus. Er hatte am Rande einer Kundgebung gegen Rassismus des «Bündnis Buntes Schwyz» im April einem linken Demonstranten aus nächster Nähe mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht.

Die Demonstration wollte ein Zeichen setzen, nachdem Neonazis aus der Region an der Fasnacht in Roben des Ku-Klux-Klan gekleidet mit Fackeln durch die Strassen von Schwyz marschiert waren.

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