Anwaltsaufsicht

Ein Duo bremst alle aus – vorderhand kein Verfahren gegen Laubers Anwalt Lorenz Erni

Michael Lauber.

Michael Lauber.

Der Aufsichtskommission über Zürcher Rechtsanwälte fehlen die nötigen Informationen, um ein Verfahren wegen Interessenkollision zu eröffnen. Diese Informationen sollten von der Bundesaufsicht über Lauber kommen - doch die sitzt selbst auf dem Trockenen.

Hat der Zürcher Strafverteidiger Lorenz Erni gegen Berufs- und Standesregeln verstossen, weil er nicht nur den Bundesanwalt Michael Lauber vertritt, sondern auch ex-Fifa-Chef Sepp Blatter, gegen den Lauber ermittelt? Diese pikante Doppelrolle könnte einen Interessenkonflikt des Anwalts begründen, was heissen würde, dass Erni beide Mandate abgeben muss.

Für diese Frage interessiert sich auch die Aufsichtskommission über Rechtsanwälte im Kanton Zürich. Aber Oberrichter Beat Gut, Präsident der Aufsichtskommission, sagt: «Die Aufsichtskommission hat an ihrer Sitzung vom 5. September entschieden, vorderhand kein Verfahren im Fall Lorenz Erni einzuleiten.»

Grund: Die Anwaltsaufsicht verfüge derzeit schlicht nicht über die nötigen Informationen zum Sachverhalt. «Ohne konkrete Hinweise der Verfahrensleitung können wir nicht aktiv werden», sagt Gut.

Lorenz Erni

Lorenz Erni

Mit Verfahrensleitung sind die Vertreter der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) gemeint, die ein Disziplinarverfahren gegen den Bundesanwalt führen. Unter anderem wegen dessen mysteriösen und nicht protokollierten Geheimtreffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino. Die AB-BA müsste den Zürchern Informationen liefern, die einen möglichen Interessenkonflikt von Erni illustrieren.

Aber Bern sitzt selbst auch auf dem Trockenen

Aber die Disziplinaruntersuchung gegen den Bundesanwalt erlitt eine Verzögerung: Die Aufseher in Bern sitzen selbst auf dem Trockenen.

Denn mit Hilfe von ... Anwalt Lorenz Erni und dessen Kanzleipartnerin Francesca Caputo wehrte sich Lauber im Juli vor Bundesverwaltungsgericht mit Erfolg dagegen, dass die AB-BA mit dem ehemaligen Professor Peter Hänni einen externen Experten als Leiter der Untersuchung einsetzte. Diese Arbeit müsse die AB-BA selber machen, so das Gericht.

Pikant: Der von der AB-BA eingesetzte und vom Bundesverwaltungsgericht gleich wieder abgesetzte externe Experte Hänni hatte bereits Anfang Juli verfügt, dass Erni den Bundesanwalt im Disziplinarverfahren nicht vertreten dürfe. Er machte einen «konkreten Interessenkonflikt» bei Erni geltend, da dieser Blatter und Lauber vertrete. Lauber verstosse zudem gegen den Verhaltenskodex der Bundesanwaltschaft, weil er ein Verhalten an den Tag lege, das Interessenkonflikte begründen könne. Lauber beziehungsweise Erni stritten vor Bundesverwaltungsgericht das Vorhandensein solcher Interessenkonflikte ab.

Das letzte Wort wird jetzt das Bundesgericht haben. Denn die AB-BA reichte Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts ein.

Maulkörbe für Lauber-Mitarbeiter

Lauber bremst aber offenbar auch seine Aufsichtsbehörde AB-BA erfolgreich aus: Er gab ihr keinen Zugang zu Unterlagen im Fifa-Strafverfahren und hielt Mitarbeiter davon ab, gegenüber der Aufsicht AB-BA über die Fifa-Verfahren auszusagen. Das teilte die AB-BA letzte Woche mit. «Bis heute wurden der AB-BA keine der angeforderten Dokumente geliefert. Ohne die Zustellung der Dokumente und Einsichtnahme in laufende Strafverfahren des FIFA-Verfahrenskomplexes kann die AB-BA die Disziplinaruntersuchung nicht durchführen», so die Behörde.

Nur: Wenn die AB-BA selbst keine Informationen erhält, kann sie auch keine Informationen an die Anwaltsaufsicht in Zürich liefern. Das Duo Lauber/Erni, so sieht es aus, bremst alle aus.

Erni äussert sich grundsätzlich nicht auf Medienanfragen. Die Bundesanwaltschaft äusserte sich bis Redaktionsschluss dieses Artikels nicht zur Frage, ob respektive wann die Behörde ihrer Aufsicht die geforderten Unterlagen doch noch zustelle.

Verfahren gegen Erni kann noch folgen

Laut Oberrichter Gut kann sich die Zürcher Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte jedenfalls vorderhand nur auf Vermutungen stützen, sie wisse nicht, ob die beiden Verfahren gegen Lauber und gegen Blatter, an denen Erni als Anwalt beteiligt sei, einen Zusammenhang hätten. Gut rechnet damit, dass diese Informationen mit Verzögerung noch geliefert werden könnten. Dann würde die Zürcher Anwaltsaufsicht entscheiden, ob sie ein Verfahren einleitet.

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