Bundesratswahlen

Duo Amherd/Z'graggen: Die CVP macht es mit einer Überraschung richtig spannend

Die Favoritin und die Überraschungs-Kandidatin.

Die Favoritin und die Überraschungs-Kandidatin.

Die CVP-Fraktion nominiert die Walliser Nationalrätin Viola Amherd und die Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen. Die beiden unterscheiden sich vor allem in gesellschaftspolitischen Fragen.

Die Bundeshausparlamentarier der CVP haben entschlossen, zwei Frauen zur Wahl in den Bundesrat vorzuschlagen. Aufs Ticket geschafft haben es die Walliser Nationalrätin Viola Amherd sowie die Urner Regierungsrätin Heidi Zgraggen, aussen vor bleiben der Zuger Regierungsrat Peter Hegglin und die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Mit welchen Resultaten entschieden wurde, wollte die CVP-Fraktion gestern nicht kommunizieren.

Während die 56-jährige Amherd schon länger als Favoritin gehandelt wurde, stellt der Erfolg Z’graggens in der Fraktion eine handfeste Überraschung dar. Der 52-jährigen Urner Justizdirektorin wurde ein mangelndes Netzwerk in Bern nachgesagt, das sie vor allem im Vergleich mit Ständerat Hegglin zur Aussenseiterin machte. Das Resultat der Abstimmung in der CVP-Fraktion lässt an dieser Einschätzung zweifeln – es sei denn, Amherds Unterstützer hätten Z’graggen nur aus reinem Kalkül aufs Ticket verholfen, weil sie die Urnerin als schwächere Gegnerin einschätzen.

Viola Amherd: Zwischen Favoritenrolle und Affären

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Heidi Z'graggen: Vom Bergkanton in den Bundesrat

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Frau, Innerschweizerin und bereit für die Landesregierung: Die 52-jährige Urner CVP-Justizdirektorin Heidi Z'graggen hat zwar keine Erfahrung als Bundesparlamentarierin. Sie blickt aber auf eine lange Politkarriere zurück und hat ein breites Netzwerk.

Z’graggen selbst beurteilte das gestern Abend anders. «Die Urnerinnen und Urner sind Kämpfer, nur schon, weil sie in einer Bergregion leben», sagte die ausgebildete Lehrerin und Politologin nach der CVP-Pressekonferenz. Sie müsse ihr Netzwerk in Bern aktivieren und ausbauen, der Kontakt von Regierungsräten mit Bundesparlamentariern werde aber unterschätzt. Als Politikerin aus einem Durchgangskanton bringe sie Offenheit mit – Uri habe sich stets wieder an Neues anpassen müssen. «Bei der Zentralschweiz sehe ich stark, dass wir die Schweiz im Kleinen sind», sagte Z’graggen – mit Verweis auf die Wohlstandsunterschiede zwischen dem bescheidenen Uri, dem durchschnittlichen Luzern und dem reichen Zug.

Dessen früherer Finanzdirektor Peter Hegglin, der gestern den Kürzern zog, gab sich als fairer Verlierer: «Das ist Demokratie», sagte er. Nun werde er wieder mehr Zeit für seine anderen Ämter haben.

Bundesratskandidat Peter Hegglin: «Eine gewisse Enttäuschung ist da»

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Die CVP wird gefeiert

Gefeiert wird die CVP in den sozialen Medien nun für die Tatsache, dass sie eine reine Frauenauswahl präsentiert. Damit stehen die Chancen gut, dass nach dem 5. Dezember wieder drei Frauen im Bundesrat sitzen, falls bei der FDP Karin Keller-Sutter das Rennen macht.

«Heute Tag der Frauen», bemerkte etwa die grüne Basler Nationalrätin Sibel Arslan. Kandidatin Viola Amherd gab ihrer Freude etwas verklausulierter Ausdruck: «Ich habe im Vorfeld gesagt, es wäre für mich nichts Schlimmes, wenn die CVP mit einem Zweier-Frauen-Ticket kommt.»

Mehr als die Frauenfrage strich Fraktionspräsident Filippo Lombardi indes die politische Breite heraus: «Die CVP deckt mit den beiden Frauen das ganze Spektrum ab – von A bis Z.» Das mag ein minder geglückter Kalauer über Amherd und Z’graggen sein, aber er trifft den nun entscheidenden Punkt.

Das Parlament erhält mit Amherd und Z’graggen die Möglichkeit einer Richtungswahl. Amherd ist vor allem gesellschaftspolitisch linker als viele in der Fraktion. Z’graggen ist in der Sozial- und Migrationspolitik konservativer. Sie gilt auch als wirtschaftsnäher, hat etwa dem Ägypter Samih Sawiris geholfen, sein Resort in Andermatt zu realisieren. Zudem wird Z’graggen SVP-Nähe nachgesagt: Ihr Partner ist der frühere Zürcher SVP-Kantonsparlamentarier Bruno Dobler, bekannt unter anderem als Gründer der Fluggesellschaft Helvetic.

In den sozialen Medien warfen sich SVP-Anhänger gestern sofort für Z’graggen in die Bresche. Eine SP-Politikerin wiederum hat die Urnerin als Präsidentin der Eidgenössischen Heimatschutzkommission erlebt und meinte, die habe durchaus eine linke Ader. «Jetzt wird es unberechenbar», sagt ein CVP-Politiker.

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