Diplomatie
Russischer Botschafter leistet sich verbale Ausfälle – das lässt ihm Nationalrätin Marianne Binder nicht durchgehen

Sergei Garmonin hält sich mit Kritik an den Schweizer Medien und Medienschaffenden nicht zurück. Ist so viel Undiplomatie zulässig? Das will Mitte-Nationalrätin Marianne Binder-Keller jetzt vom Bundesrat wissen.

Pascal Hollenstein
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Sergei Garmonin, russischer Botschafter in der Schweiz – hier 2018 im Museum Burghalde in Lenzburg – mag es undiplomatisch scharf.

Sergei Garmonin, russischer Botschafter in der Schweiz – hier 2018 im Museum Burghalde in Lenzburg – mag es undiplomatisch scharf.

Alex Spichale

Der Botschafter der Russischen Föderation in Bern, Sergei Garmonin, liest die hiesigen Zeitungen gründlich. Wann immer in deren Spalten Kritik an Russland oder an Präsident Vladimir Putin geäussert wird, dann repliziert Garmonin. Mit langen, scharf abgefassten Texten auf der Webpage der Botschaft und in den sozialen Medien. Tenor: Die hiesigen Medien haben keine Ahnung. Und sie sind Teil der westlichen Propaganda.

Dass ein Botschafter sich inhaltlich derart dezidiert äussert, ist an sich schon ungewöhnlich. Doch Garmonin lässt es dabei nicht bewenden. Er zielt auf die Person, auf Journalistinnen und Journalisten. So bezeichnete er den langjährigen Brüssel-Korrespondenten dieser Zeitung vor Kurzem herablassend als «Autor, der sich für einen Journalisten hält» und äusserte implizit Zweifel an dessen Geistesverfassung, indem er ihm «gute seelische Gesundheit» wünschte.

Der Redaktion des «Tages-Anzeigers» beschied Garmonin unlängst, ihr Wahrnehmungsniveau sei «dem der Pawlowscher (sic!) Hunde ähnlich». Und die NZZ belehrte er nach der Veröffentlichung eines Gastkommentars, die «Publikation solcher verdrehten (sic) Materialien anrüchiger Autoren macht der Zeitung keine Ehre».

«Diplomatische Gepflogenheiten»: Nationalrätin Marianne Binder-Keller (Mitte, AG).

«Diplomatische Gepflogenheiten»: Nationalrätin Marianne Binder-Keller (Mitte, AG).

Fabio Baranzini

Nationalrätin Marianne Binder-Keller (Mitte, AG) gehen die verbalen Angriffe Garmonins zu weit. «Die Wortmeldungen des russischen Botschafters sind inhaltlich wie in ihrer Tonalität absolut bedenklich. Sie erinnern mich an die Propaganda im Kalten Krieg. Die Art der persönlichen Angriffe könnte man meines Erachtens auch als versteckte Einschüchterung verstehen», sagt sie. Sie werde beim Bundesrat nun anfragen, ob er diesen Umgangston «mit den diplomatischen Gepflogenheiten vereinbar» halte, sagt Binder-Keller. «Wenn einzelne Personen in einem demokratischen Staat auf diese Weise attackiert werden, mache ich mir Sorgen.»