Bundesratswahlen

Die Kantone Aargau und Basel-Landschaft werden im Bundesrat diskriminiert – und das ist der Grund

Am Mittwoch wird die neue Landesregierung gewählt. Schon jetzt ist klar: Die Kantone Aargau und Baselland werden keinen Bundesrat stellen. Überhaupt wurden sie in der jüngeren Geschichte der Schweiz oft übergangen.

Die sieben amtierenden Bundesräte werden wohl auch nach dem kommenden Mittwoch in Amt und Würden stehen. Ihre Wiederwahl gilt als sicher, trotz Angriff der Grünen mit Regula Rytz.

Eine Analyse aller 119 Bundesräte seit 1848 zeigt, welche Landesregionen zu den regelmässigen Gewinnern gehören und welche zu den Verlieren. Beim Vergleich der Grossregionen wird deutlich: Bundesräte aus der Nordwestschweiz kamen in der Vergangenheit deutlich weniger zum Zug, als man aufgrund der Bevölkerungsgrösse erwarten könnte.

Die Region hat erst acht Bundesräte gestellt. Sechzehn hätte man erwarten können. Vor allem die Kantone Basel-Landschaft und Aargau werden bei der Bundesratswahl übergangen.

Lukas Golder vom Meinungsforschugs-Institut GFS in Bern sagt in der SonntagsZeitung: «Das Mittelland zwischen Bern und Zürich hat viel zu lange keine eigene Identität und keine politische Strategie entwickelt.»

Der Grund für die Untervertretung

Die Analyse zeigt auch, dass die soziale Mobilität in der Schweizer Politik heute so ausgeprägt ist, wie das seit 1848 nie der Fall gewesen ist. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts war es die Regel, dass die Mehrheit der Bundesräte aus der gesellschaftlichen Elite stammte. Sie kamen entweder aus einflussreichen Akademiker- oder Politiker-Familien und waren vermögend. Nach dem Ende des Krieges waren es im Schnitt nur noch drei oder vier Bundesräte, die familienbedingt mit einem gewissen Vorsprung ihre politische Karriere starteten.

Heute sitzen in Bern nur zwei Bundesräte, die allenfalls familiär-bedingt einen kleinen Vorsprung beim Einstieg in die Politik genossen. Alain Bersets Eltern waren selber einflussreiche Freiburger SP-Politiker. Viola Amherds Eltern führten das grösste Elektrohandelsgeschäft von Brig mit über 100 Angestellten und waren aktive CVP-Mitglieder. Alle anderen haben sich in einem weniger vermögenden Umfeld oder aus politfernen Kreisen hochgearbeitet.

Bundesräte: Aargau, beiden Basel, Solothurn 

Die letzte Aargauer Bundesrätin war Doris Leuthard (CVP, 2006 bis 2018). Davor musste der Aargau jedoch Jahrzehnte warten: Der Aargauer Hans Schaffner (FDP) sass von 1961 bis 1969 in der Landesregierung. Und Friedrich Frey-Herosé (FDP) gehörte dem ersten Bundesratsgremium von 1848 an (bis 1866). Insgesamt fünf Bundesräte stammten aus dem Aargau.

Das Baselbiet hatte bislang nur einen Bundesrat, und zwar Emil Frey (FDP), der von 1890 bis 1897 der Landesregierung angehörte. Basel-Stadt hatte zwei Bundesräte, der letzte war Hans-Peter Tschudi (SP, 1959 bis 1973).

Der Kanton Solothurn stellte sechs Bundesräte, unter ihnen Otto Stich (SP, 1983 bis 1995) und Willi Ritschard (SP, 1973 bis 1983). 

Immerhin: Es gibt auch Kantone, die noch nie einen Bundesrat stellten: Schaffhausen, Uri, Schwyz, Nidwalden und Jura.

Mit Abstand am meisten Bundesräte stellten die Kantone Zürich, Waadt und Bern. (chm/jk)

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