Auf einem Waffenplatz vor den Toren Berns absolvieren Hunde eine der anspruchsvollsten Ausbildungen, die Hunde in der Schweiz durchlaufen können: Sie erschnüffeln vermisste Personen in Trümmern, stellen den Feind oder lassen sich mit ihrem Herrchen abseilen. Im Kompetenzzentrum «Veterinärdienst und Armeetiere» auf dem Waffenplatz Sand-Schönbühl werden die Hundeführer-Formationen der Schweizer Armee ausgebildet. Das Militär nutzt seit jeher Hunde. Und gerade in der Nacht sind die Vierbeiner selbst modernster Technik noch immer überlegen: Sie können gleichzeitig im Dunkeln den Weg weisen, Personen sichern und Laut geben.

Zwei Rekrutenschulen für Milizhundeführer führt das Kompetenzzentrum jährlich durch. Die Rekruten können die Ausbildung mit einem eigenen Hund absolvieren. Die meisten jedoch übernehmen einen Diensthund der Armee, den sie zum Vorzugspreis von 2000 Franken erwerben können. Der Einkaufspreis der Vierbeiner liegt um ein Vielfaches höher.

Die Hunde werden von Züchtern gezielt auf die Armee vorbereitet und treten nach 18 Monaten ihren Dienst an, so dass sie später etwa Einsätze auf Militärflugplätzen, in der Katastrophenhilfe oder für die Militärpolizei leisten können. Jährlich kauft die Armee um die 50 neue Tiere, mehrere hundert Hunde sind dienstpflichtig. Seit fünf Jahren gilt die Order, dass alle Diensthunde aus Schweizer Zucht stammen sollten. Die Diensthunde leben nach der Rekrutenschule bei ihren Herrchen oder Frauchen und absolvieren mit diesen regelmässig Wiederholungskurse.

Eine Errungenschaft des militärischen Hundewesens wurde bislang kaum beachtet: Die Armee ist der wohl grösste Abnehmer von Hundefutter in der Schweiz. Niemand kauft hierzulande mehr Leckerli. Rund 28 Tonnen Hundefutter beschafft die Armee jährlich. Die entsprechende «Jahreszielmenge» nennt die zuständige Rüstungsbeschafferin Armasuisse auf Anfrage. Nach einer öffentlichen Ausschreibung hat die Behörde soeben die drei künftigen Lieferanten für das Futter bestimmt. Zum Handkuss kommen der zum Mars-Konzern gehörende Tiernahrungsproduzent Royal Canin sowie die beiden Schweizer Hersteller PetZeba und Luginbühl, wie aus dem Zuschlagsentscheid hervorgeht. Die Firmen bekommen einen Vertrag für zwei Jahre und eine Option für zweimal zwei weitere Jahre.

Preise sind Geschäftsgeheimnis

Der Bund muss sich bei Vergaben nach den Spielregeln der Welthandelsorganisation richten, da werden auch für Hundefutter keine Ausnahmen gemacht. Ab gewissen Schwellenwerten müssen Aufträge international ausgeschrieben werden. Doch: Wie viel Steuergelder die Armee für das Futter ausgibt, darf die Öffentlichkeit nicht erfahren. Grundsätzlich müssen die Preise von Bundesaufträgen öffentlich publiziert werden, so verlangen es die gesetzlichen Transparenzvorschriften. Beim Hundefutter stützt sich die Armasuisse jedoch auf eine Ausnahmeklausel. Preise würden nicht bekannt gegeben – mit Rücksicht auf «berechtigte wirtschaftliche Interessen der Anbieter».

Um welche Interessen handelt es sich da? Um diese Frage zu beantworten, muss man tief in die Regelwerke des Beschaffungswesens eintauchen. Die Armasuisse verweist auf das spezielle Beschaffungsverfahren, das Rückschlüsse auf die Preiskalkulation der einzelnen Lieferanten und somit auf deren Geschäftsgeheimnisse zulasse. Es würden keine festen Mengen an Hundefutter ausgeschrieben. Vielmehr habe man die Lieferanten aufgrund eines Referenzwarenkorbes mit den grössten Mengen und den wichtigsten Futterarten bewertet, sagt ein Armasuisse-Sprecher. «Durch die Angabe eines Preises für die im Referenzwarenkorb angegeben Mengen wären Rückschlüsse zu Einzelpreisen möglich gewesen.»

Den Lieferanten hat die Armasuisse jeweils ein sogenanntes Kostendach zugeschlagen. Das heisst mit anderen Worten: Ihnen wurde ein Betrag zugesprochen, in dessen Umfang die Armee den Bedarf an Hundefutter in den nächsten Jahren decken will. Doch die Höhe der Kostendächer hält Armasuisse naturgemäss ebenfalls unter Verschluss. Immerhin versichert die Behörde noch: Bei gleichwertiger Qualität werde man das billigere Hundefutter bestellen.