Ferienland Schweiz

Der Tourismus boomt weltweit – doch die Schweiz spricht von einem «verlorenen Jahrzehnt»

Ein verlorenes Jahrzehnt liegt hinter der Schweiz. Als traditionsreiche Destination hat sie Mühe mit dem weltweiten Boom mitzuhalten. Im Bild: Aufzug auf die Alp Sellamatt im Toggenburg.

Ein verlorenes Jahrzehnt liegt hinter der Schweiz. Als traditionsreiche Destination hat sie Mühe mit dem weltweiten Boom mitzuhalten. Im Bild: Aufzug auf die Alp Sellamatt im Toggenburg.

Der Tourismus in der Schweiz bekundet Mühe. Dabei boomt er weltweit. Seit der Finanzkrise ist das Wachstum unterdurchschnittlich, doch es gibt Hoffnung.

Die gesamte touristische Schweiz hat ein Jahrzehnt hinter sich, in dem sie nur ein mässiges Wachstum erreichte. Erst im Jahr 2018 wurde der Rekord überboten, den sie 2008 erreicht hatte – bevor Finanzkrise und Frankenstärke die Branche in ein Tief stürzten. Damit hat die Branche nun zehn Jahre mit einem Wachstum von deutlich unter einem Prozent hinter sich. Dabei boomt der Tourismus weltweit, zu den grössten Sorgen zählt der «Overtourism».

In der Schweiz ging es immerhin in den letzten zwei Jahren aufwärts. Die Erleichterung in der Branche ist spürbar.

Zürich nur noch knapp hinter dem Branchenführer

Innerhalb der touristischen Schweiz tun sich Gräben auf. Städtische Regionen boomen regelrecht – also Zürich, Basel, Genf und das Waadtland. Heute haben sie 20 Prozent mehr Logiernächte als vor zehn Jahren. Zürich preist sich heutzutage an als «mit Abstand grösste Tourismusdestination der Schweiz». Selbst im Winter liegt Zürich nur knapp hinter Graubünden, dem einst unangefochtenen Branchenführer.

Auf ein verlorenes Jahrzehnt blickt der Alpenraum zurück. Dazu zählen die Statistiker: Bern, Wallis, Graubünden sowie Luzern und Vierwaldstättersee.

Gesamthaft haben sie heute noch weniger Logiernächte als vor zehn Jahren.

Dennoch gibt die Affiche «verlorenes Jahrzehnt» die Stimmung nicht recht wider. In den letzten beiden Jahren gelang eine kräftige Erholung, im Winter wie im Sommer. Zudem sparte die Hotellerie fleissig und kann diesen Sommer tiefe Preise bieten – so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Schwierige Jahre in der Region Luzern

Im Alpenraum finden sich nochmals grosse Unterschiede. Um Bern und Luzern herum erlebte die Hotellerie einige schwierige Jahre. Doch inzwischen hat sie den einstigen Rekord von 2008 weit übertroffen. Neben den Hotels sind vor allem Bergbahnen erfolgreich. Rigi oder Jungfrau schreiben stets neue Höchstzahlen. Ausländische Ausflugsgäste aus China, Indien oder Südostasien strömen ihnen nur so zu.

Der Erfolg mit ausländischen Ausflugsgästen erklärt auch, warum die schweizerischen Bergbahnen in den letzten zehn Jahren im Sommer weit mehr zulegten als in der Wintersaison (siehe Grafik).

© CH Media

Indische Touristen beispielsweise kommen gerne in den Monaten Mai und Juni, wenn es in der Heimat besonders heiss ist. Der Erfolg in Bern und Luzern erklärt umgekehrt auch, warum es dem Tourismus in Wallis und Graubünden weniger gut geht. Beide Kantone profitieren bislang kaum vom Zustrom chinesischer oder indischer Gäste. Die Bergbahnen sind dort ungleich stärker abhängig vom Wintersport.

Gleiches gilt für die Hotellerie, was Folgen hat. Das Wallis und vor allem Graubünden haben heute weniger Logiernächte als vor zehn Jahren. Destinationen wie Zermatt oder Laax investieren daher in ihre Infrastruktur, um an das boomende Ausflugsgeschäft heranzukommen.

Sommertourismus statt Wintertourismus?

Es ist noch ein weiter Weg, bis der Sommer den Winter ablöst Das boomende Ausflugsgeschäft weckt Hoffnungen im Alpenraum. Gerade da das Wintergeschäft anfällig ist. Die letzten beiden Saisons verliefen zwar besser. Doch es war viel Schneeglück nötig. Selbst damit hat die alpine Hotellerie die Verluste der letzten zehn Jahre nicht aufgeholt.

Anders ist das im Sommer, da hat die Hotellerie heute mehr Logiernächte. Also wird der Sommer gepuscht: Der Vermarkter Schweiz Tourismus hat den Herbst zu einer eigenen Saison ausgerufen, die gesondert beworben wird. Zuvor gab es nur Wintersaison und Sommersaison.

Noch ist die Sommersaison allerdings weit entfernt davon, im Alpenraum wichtiger zu werden als der Winter. In Graubünden zum Beispiel ist in der Hotellerie das Verhältnis von Sommer zu Winter auffällig stabil, ein genereller Trend zum Sommer ist nicht auszumachen. Bei den Bergbahnen hat es zwar eine Verschiebung zum Sommer gegeben. Der Umsatzanteil verdoppelte sich. Aber nach einem Jahrzehnt des raschen Wachstums liegt er noch immer erst bei 28 Prozent.

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