Schweiz

Der adlige Karrierediplomat kommt nach Bern

Österreichs Aussenminister Alexander Schallenberg.

Österreichs Aussenminister Alexander Schallenberg.

Österreichs Aussenminister Alexander Schallenberg kommt nach Bern – in seine Geburtsstadt. Er hat einen speziellen Werdegang.

Sie sind Amtskollegen, doch ihr Hintergrund könnte unterschiedlicher kaum sein: Österreichs Aussenminister Alexander Schallenberg ist Spross einer Diplomatenfamilie mit adeligem Hintergrund und Karrierediplomat. Ignazio Cassis hingegen kam erst als Aussenminister mit der Welt der Diplomatie in Berührung – und fremdelt zuweilen offen damit. Von der «Bilanz» wurde er deswegen schon als «Undiplomat» betitelt. Heute treffen sich die beiden in Bern: Cassis empfängt Schallenberg zu einem Arbeitsbesuch.

Für den 50-jährigen Österreicher ist es ein Besuch in seiner Geburtsstadt – der Diplomatensohn ist in Bern geboren. Aufgewachsen ist er in Indien, Spanien und Paris. Das habe ihn geprägt, erzählte er kürzlich im Interview mit der «Kronen Zeitung». Es seien «besondere Herausforderungen, wenn ein Kind regelmässig Land, Schule und Freunde wechseln muss». Bei ihm habe es vor allem Neugierde ausgelöst «für das Internationale, für das Andere, das Fremde». Die Aussenpolitik habe ihn schon immer fasziniert. Auch privat beschäftige er sich gerne mit Politik und Geschichte.

Schallenberg hat Rechtswissenschaften studiert. Ab 1997 war er im diplomatischen Dienst tätig; später arbeitete er unter anderem als Pressesprecher von Aussenministerin Ursula Plassnik. Vergangenen Sommer folgte der vorerst letzte Karrieresprung: Der parteilose Schallenberg wurde Minister in der Beamtenregierung von Brigitte Bierlein, die nach der Ibiza-­Affäre um FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache das Ruder übernahm. Schallenberg ist der einzige Minister aus diesem Übergangskabinett, der seinen Posten unter der neuen Regierung von Sebastian Kurz behalten konnte. Er gilt als enger Vertrauter von Kurz. Mitglied der ÖVP ist Schallenberg nicht, er steht ihr aber nahe. «Ich habe mein ganzes Leben die Volkspartei gewählt und sehe mich als Teil der Bewegung von Sebastian Kurz», sagte er kürzlich.

Als Aussenminister fällt ihm nun unter anderem die Aufgabe zu, die neue türkis-grüne Regierung – die Koalition zwischen ÖVP und Grünen – zu erklären. Die meisten europäischen Staaten würden deswegen «einen ­erhöhten Wunsch nach Kontakten, nach Gesprächen, nach ­eingehenden Informationen haben», schätzt er.

Autor

Maja Briner

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