Haushaltsbudgeterhebung

Das wissen die Statistiker über Sie

Ueli Oetliker ist Statistiker beim BFS und zuständig für die Haushaltsbudgeterhebung.

Ueli Oetliker ist Statistiker beim BFS und zuständig für die Haushaltsbudgeterhebung.

Um arbeiten zu können, sind Statistiker auf eines angewiesen: Menschen, die sie in ihr Leben blicken lassen.

Wer hat lieber Hart- als Weichkäse, wer lädt seine Kollegen häufig in die Kantine zum Essen ein und wer hat letzten Monat einen Ferrari gekauft? Niemand könnte diese Fragen so gut beantworten wie Ueli Oetliker. Könnte, denn er würde es uns nie verraten. «Das Wichtigste bei unserer Arbeit: Wir müssen vertraulich mit den Daten umgehen, die man uns anvertraut.» Oetliker ist Statistiker und beim Bundesamt für Statistik (BFS) gemeinsam mit seinem Team zuständig für die Haushaltsbudgeterhebung. Bei dieser geben Herr und Frau Schweizer an, wie viel sie monatlich verdienen und vor allem: Für was sie ihr Geld ausgeben. Sprich: Sie gewähren den Statistikern einen grossen Einblick in ihr Privatleben.

Ihre Offenheit ermöglicht dem BFS, Rückschlüsse zu ziehen. Was hat sich über die Zeit verteuert, was wurde preiswerter. Beispiel: 1912 gab ein Haushalt in der Schweiz durchschnittlich über vierzig Prozent seines Einkommens für Lebensmittel aus. Heutzutage sind es noch rund sieben Prozent.

Penibel Buch führen

Egal ob Januar, April oder November. Für jeden Monat des Jahres führt das BFS eine Haushaltsbudgeterhebung durch. Dazu braucht es jeweils mehrere hundert Haushalte, die über einen Monat hinweg penibel Buch über ihre Ein- und Ausgaben führen, nebst den getätigten Einkäufen auch aufschreiben, wie viele Eier das eigene Huhn im Garten gelegt hat. Ein grosser Aufwand, wie Oetliker aus eigener Erfahrung weiss. «Ich habe auch schon ein paar Mal einen Monat lang Buch geführt.»

Denn: Er könne von den Leuten nicht etwas verlangen, was er selber nie getan habe. Rund 800 Haushalte werden monatlich nach einer bestimmten Methodik zufällig ausgewählt und angeschrieben. Letztlich beteiligen sich jeweils rund 250 an der Erhebung. Oetliker: «Es ist niemand verpflichtet, mitzumachen. Man muss sich für seinen Entscheid nicht rechtfertigen. Wir legen aber Wert darauf, dass jeder teilnehmende Haushalt die Datenqualität erhöht.»

Beschützt und geschreddert

Die Erhebung wird extern durch die Firma Demoscope durchgeführt. Diese liefert die Daten in elektronischer Form an das Team von Oetliker. Doch auch die von den Probanden ausgefüllten Protokollhefter kommen zum BFS. Deren Transport von Adligenswil nach Neuenburg steht unter Auflagen. So muss immer eine zweite Person mit dem Lieferwagen voller Protokolle mitfahren, um den Datenschutz jederzeit zu gewährleisten und dem Verlust von Daten vorzubeugen.

Angekommen in Neuenburg geht der sorgfältige Umgang mit den Datenblättern weiter. Sie werden in einem verschlossenen Kellerverlies gelagert und, sobald sie nicht mehr zur Überprüfung der Fehlerquote benötigt werden, vernichtet. Dazu wird eine Spezialfirma aufgeboten, welche mehrere Stunden braucht, um diese Mengen an Papier zu schreddern. Auch hier: unter Aufsicht. Bis zur Vernichtung gelten die Unterlagen als vertraulich.

Die Resultate der Haushaltsbudgeterhebung, die letztlich veröffentlich werden, lassen keine individuellen Rückschlüsse mehr zu. Wir erfahren nicht, wie viel die Meiers für ihren neuen Toaster gezahlt haben und wie viele Eier das Huhn der Familie Müller legt. Wir erfahren nur, wie der Durchschnittsmensch in der Schweiz sein Geld einsetzt. So wissen wir, dank Oetliker und seinem Team, zwischen 2012 und 2014 gaben die Schweizer Haushalte durchschnittlich mehr Geld für Hart- und Halbhartkäse als Weichkäse aus. Und zwar 0,281 Prozent ihres Einkommens.

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