Martin Kall, der CEO von Tamedia, sagte gestern am Swiss Media Forum in Luzern lustvoll: «Wo gibt es eine Branche, die so viel Spannendes erlebt? Das muss man als Vergnügen sehen!» Das sind neue Töne in einer Branche, in der seit Jahren Wehklagen und Jammern über einen existenzbedrohenden Strukturwandel dominieren.

Zwei Tage lang diskutierten die wichtigsten Medienvertreter über Zustand und Zukunft der Medien - und verströmten dabei Optimismus wie seit Jahren nicht mehr. Ein Grund liegt in den positiven Jahresergebnissen 2010. Wichtiger jedoch: Entwicklungen, die ohnehin nicht zu stoppen sind, werden endlich als Chance gesehen statt bloss als Bedrohung.

Facebook und Twitter

Verlagerung zu online: Zeitungen haben erkannt, dass sie auch in elektronischer Form gelesen werden, wenn sie attraktive Angebote lancieren - weil sie glaubwürdig sind. Christoph Bauer, CEO der AZ Medien, sagt zu Recht: «Die Frage ist nicht relevant, ob die Zeitung gedruckt wird.»

Social Media: Zeitungen entdecken die Möglichkeiten, die Facebook, Twitter und Co. auch ihnen bieten. Diese lassen sich nutzen für die Recherche - und dann für die zusätzliche Verbreitung ihrer Texte. Wikileakisierung: Die Welt war noch nie so transparent wie heute. Über Wikileaks, Twitter und andere Plattformen gelangen Ereignisse an die Öffentlichkeit, die die Verantwortlichen unter dem Deckel halten wollen. So richtig Kraft entfalten die Neuigkeiten aber erst, wenn die traditionellen Medien sie aufbereiten, einordnen und verbreiten.

Zahl der Nachrichten wird täglich grösser

Informationsflut: Überall und jederzeit erreicht uns eine wachsende Zahl an Meldungen, Tweeds, Alerts und Breaking News - das braucht mehr denn je Selektion und Einordnung durch vertrauenswürdige Profis. Neue Geräte: Rund eine Million iPhones und 100 000 iPads steigern den Medienkonsum in der Schweiz.

In den USA sind viele Zeitungen eingegangen, in England gehören die meisten Medien dem Murdoch-Konzern, auch in Osteuropa sind die mächtigsten Medien in ausländischer Hand. Schweizer Medienhäuser haben die Krise mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Dass das so ist, ist nicht selbstverständlich - aber im Interesse einer starken Demokratie ganz wichtig. Und dass es so bleibt: Dafür stehen die Zeichen wieder deutlich besser, als es lange Zeit schien.