Coronavirus
Muss bald zahlen, wer sich impfen lässt? FDP-Nationalrätin lanciert Diskussion über Kostenpflicht für Impfungen

Wer sich in der Schweiz impfen lässt, tut dies auf Kosten des Bundes. Zumindest im Moment noch. Geht es nach FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, sollen Impfungen hierzulande bald kostenpflichtig werden.

Chiara Stäheli
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Christa Markwalder lanciert eine neue Debatte im Corona-Diskurs: Soll es bald keine Gratis-Impfungen mehr geben?

CH Media Video Unit

In der SonnTalk-Sendung von Tele Züri brachte FDP-Nationalrätin Christa Markwalder einen neuen Vorschlag auf: «Was wäre, wenn man zum Beispiel sagt, dass die Impfung ab einem bestimmten Stichdatum - beispielsweise 1. Dezember oder Ende Jahr - kostenpflichtig würde und man selber dafür aufkommen müsste?» Man habe bereits gesehen, welchen Effekt es hatte, als man ankündigte, dass es keine Gratis-Tests mehr geben wird. «Da gab es dann plötzlich wieder einen Schub an Impfwilligen», so Markwalder. Man müsse halt auch mit dem «ökonomischen Gewissen» der Leute umgehen und nicht einfach alles auf dem Silbertablett servieren.

Die Berner Nationalrätin stellt in derselben Sendung auch infrage, ob die 100 Millionen Franken, die der Bund für die Impfoffensive ausgeben will, wirklich so gut investiert seien: «Jede Person, die wir jetzt mit dieser Offensive noch überzeugen können, kostet natürlich viel.»

Wie reagieren Gesundheitspolitiker auf den Vorschlag?

Gesundheitspolitikerin und Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel zeigt sich gegenüber Markwalders Vorschlag skeptisch:

«Ich habe das Gefühl, dass diejenigen, die sich bis jetzt noch nicht impfen liessen, erst recht nicht gehen würden, wenn sie die Impfung selbst berappen müssten.»

Mit einer Kostenpflicht für Impfungen entstehe eine weitere Hürde, was grundsätzlich zu vermeiden sei. «Wir haben bereits jetzt mit der Kostenpflicht für Tests einen Anreiz, sich impfen zu lassen, es braucht nicht noch mehr Druck», so Humbel.

Die Mitte-Nationalrätin aus dem Kanton Aargau hat zudem auch Bedenken bezüglich der Wahrung der Glaubwürdigkeit: «Würden die Impfungen irgendwann kostenpflichtig, könnte das so ausgelegt werden, dass die Behörden ihre Strategie schon wieder anpassen.» Diese Auslegung führe dann wohl zu einer geringeren Akzeptanz gegenüber den Corona-Massnahmen im Allgemeinen.

Kritik von links, rechts und aus der eigenen Partei

Ähnlich äussert sich die Berner SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen: «Ich halte momentan nichts von der Einführung einer Kostenpflicht bei Impfungen.» Bereits jetzt habe man mit den kostenpflichtigen Tests und der gleichzeitigen Anwendung des Zertifikats wichtig Anreize für die Impfung, die nach wie vor gratis bleiben soll.

Und auch bei SVP-Nationalrat Albert Rösti stösst der Vorschlag von Markwalder auf wenig Gegenliebe: «Es ist schlicht utopisch zu glauben, dass sich nach einer Ankündigung zur Abschaffung der Gratis-Impfungen plötzlich viele Leute impfen lassen würden.» Im Gegenteil: Langfristig sei ein solches Vorgehen der Sache nicht dienlich.

Selbst parteiintern kommt Kritik auf. Der Vorschlag sei zwar gut gemeint, wirke aber kontraproduktiv, sagt etwa Damian Müller, FDP-Ständerat aus Luzern. «Wir befinden uns in einem Gesundheitsnotstand, aus dem die Impfung einen Ausweg bietet. Das müssen wir betonen, statt die Impfkosten ins Zentrum zu Stellen», so der 36-Jährige. Er setze nach wie vor auf Information und niederschwellige Impf-Angebote. Und fügt an: «Wir müssen der Bevölkerung gleichzeitig aber auch eine Perspektive geben und uns mit der Reduktion der Corona-Massnahmen befassen.»

Den ganzen SonnTalk können Sie hier nachschauen:

Impfoffensive: Mit 100 Millionen Franken aus der Pandemie? — Covid-Gesetz: Schrille Gegner, stille Befürworter? — Sebastian Kurz: Prügelknabe oder Profiteur von Freunderlwirtschaft?

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