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Coole Songs statt sture Polit-Kakofonie

Gemeinsam: Die «Fraktionszwang»-Bandmitglieder Patrizia Mordini (SP) und Jimy Hofer (parteilos) beim Proben. zvg

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Gemeinsam: Die «Fraktionszwang»-Bandmitglieder Patrizia Mordini (SP) und Jimy Hofer (parteilos) beim Proben. zvg

Auch das gibts: Zehn Berner Stadträtinnen und -räte jedwelcher politischer Couleur machen Musik – gemeinsam. Am 23. Juli tritt die Band erstmals auf: «Fraktionszwang» eröffnet auf der Grossen Schanze «Orange Cinema».

Bruno Utz

Die grimschen Bremer Stadtmusikanten mit Hahn, Katze, Hund und Esel sind out. In sind hingegen die Berner Stadtmusikanten: Das sind mittlerweile zehn Stadträtinnen und -räte, die seit März gemeinsam für ihre ersten Auftritte proben (vergleiche Kasten). «Fraktionszwang» nennt sich die vom neugewählten Stadtrat Martin Schneider lancierte Politiker-Band.

Die Idee dazu sei ihm im Anschluss an eine Ratssitzung gekommen, sagt Schneider. «Ich fragte Jimy Hofer, ob er mitmachen würde. «Mou, klar», habe dieser spontan geantwortet. Rasch sei ein Grüppchen von fünf, sechs Stadträten beisammen gewesen. «Und jetzt sind wir bereits zehn.»

Heilpädagoge mit Klassen-Band

Die Musik liege ihm halt im Blut, sagt Schneider, der 15 Jahre lang als Konzert-Veranstalter tätig gewesen war und einen eigenen Klub führte. Jetzt arbeite er seit zehn Jahren als Heilpädagoge. «Und auch dort ist meine Klasse eine Band.»

Parallelen zwischen Sonderschule und Stadtrat seien durchaus vorhanden. «Was in der Sonderschule funktioniert, klappt auch bei der Politikerband. Wer gemeinsam musiziert, der muss auf die anderen hören», erklärt der Band-Gründer. Dass sich Politikerinnen und Politiker aus den unterschiedlichsten Polit-Ecken an diesen Grundsatz halten, sei für ihn «sehr erstaunlich». Das heisse jedoch nicht, dass die Bandmitglieder bei politischen Diskussionen einhellig einer Meinung sind. «Aber der Ton, wie wir miteinander reden, ist anders», so Schneider.

Das bestätigt der wie Schneider seit Januar 2009 neu dem Stadtrat angehörende Jimy Hofer gerne: «Es ist doch schön und einmalig, dass wir uns via Musik über alle ideologischen Differenzen hinweg tipptopp verstehen.» An den Proben fielen zwar regelmässig Sprüche, stets sei es aber lustig. Es sei sein Wunsch, dass die Band zu mehr Harmonie im Stadtrat führe.

So schön zweideutig

An einem «Biernachmittag» habe man sich überlegt, wie die Band denn heissen könnte. «Es gab verschiedene Vorschläge, ‹Fraktionszwang› passt aber klar am besten. Der Name ist so schön zweideutig», sagt Schneider und lacht. Dass noch viele weitere Stadträte «Fraktionszwang» beitreten könnten, sei kaum möglich. «Das würde schwierig. Aber aus dem gesamten 80-köpfigen Stadtrat einen Chor zu bilden, das wäre noch eine Herausforderung», schlägt er als Variante vor.

So unterschiedlich wie die politische Herkunft, so unterschiedlich sind die musikalischen Präferenzen der Bandmitglieder. Statt Eigenkompositionen stehen Coverversionen auf dem Programm. Mit Songs wie «Ring of Fire» (Johny Cash) «Country Roads» (John Denver), «Me and Bobby McGee» (Kris Kristofferson/Janis Joplin) oder «Rote Wy» (Polo Hofer) wollen die Politiker mit «Franktionszwang» ihr Publikum begeistern. Premiere haben sie am 23. Juli an der Eröffnung von «Orange Cinema» auf der Grossen Schanze (ab 19.30 Uhr). Und am Samstagnachmittag, 5. September, spielen sie auf der «Mattefest»-Bühne auf.

Nause: «Ich kann nichts»

Diese beiden Engagements hat Schneider organisiert. Was jetzt kommt, ist Sache des Band-Managers, Gemeinderat Reto Nause: «Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage nach diesen beiden Auftritten sprunghaft ansteigen wird.» Seinerzeit für ein musikalisches Mitmachen angesprochen, habe er geantwortet: «Ich kann nichts. Ich war einmal Sänger einer Punkrock-Band, bin jedoch nicht über den Übungsraum hinaus gekommen.» So sei er eben Band-Manager geworden, sagt Nause. Dass dieser Nebenjob bald schon mehr Arbeit geben könnte als die städtische Sicherheitsdirektion, fürchtet er nicht: «Momentan jedenfalls. Aber wer weiss, auch die Beatles begannen einmal klein.»

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