Coronavirus

Chef der Task Force fürchtet: «Die Massnahmen reichen nicht aus»

Die Schweiz muss ihre Reproduktionszahl wieder längerfristig und deutlich unter 1 bringen, so Martin Ackermann, Leiter der wissenschaftlichen Task Force.

Die Schweiz muss ihre Reproduktionszahl wieder längerfristig und deutlich unter 1 bringen, so Martin Ackermann, Leiter der wissenschaftlichen Task Force.

Die Coronazahlen stabilisieren sich zwar leicht. Doch eine Trendwende ist noch nicht in Sicht. Die aktuellen Massnahmen reichen gemäss dem Chef der wissenschaftlichen Task Force jedenfalls nicht aus, um den Anstieg zu bremsen.

(dpo) Martin Ackermann sieht erste Anzeichen dafür, dass die Bevölkerung die jüngsten Schutzmassnahmen des Bundesrates gegen das Coronavirus umsetzt. Allerdings ist aus wissenschaftlicher Sicht die Reproduktionszahl entscheidend, wie der Leiter der wissenschaftlichen Task Force des Bundes am Freitag vor den Medien sagte. Und diese sei in der Schweiz mit 1,1 immer noch höher als in ihren Nachbarländern. «Die Massnahmen reichen nicht aus, um das Wachstum zu stoppen», konstatierte Ackermann.

Momentan habe die wissenschaftliche Task Force keine Hinweise für eine Trendwende. Deshalb forderte Ackermann: «Wir müssen alle unsere Anstrengungen erhöhen.» Dabei gelte es auch die bisherigen Massnahmen konsequent umzusetzen. Soll heissen: Kontakte vermeiden, wenn möglich im Homeoffice arbeiten, Schutzmaske tragen, Hygieneregeln befolgen und die SwissCovid App installieren.

Reserve an Intensivplätzen ist geschrumpft

Stefan Kuster, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), gab ebenfalls keine Entwarnung: «Wir müssen weiter damit rechnen, dass die Gesundheitsversorgung unter Druck bleiben wird.»

Demnach befinden sich zurzeit rund 440 Covid-Patienten schweizweit auf der Intensivstation. Die Reserve für die Intensivplätze ist gemäss BAG-Direktorin Anne Lévy in den letzten fünf Tagen von 36 auf 25 Prozent geschmolzen. «Wir sind ziemlich voll.»

Aktuell rechnet die Task Force mit einer Verdopplungszeit von acht Tagen. Das hätte zur Folge, dass die Kapazitätsgrenzen der Intensivbetten nächsten Dienstag erreicht wären.

Marsch durch den Dschungel

Der Kantonsarzt von Basel-Stadt, Thomas Steffen, fand eine sinnbildliche Beschreibung für die erste Welle im Frühling und die aktuell zweite Welle: Während erstere einer Bergwanderung geglichen habe, sei die jetzige Situation wie ein Marsch durch den Dschungel und viel unübersichtlicher. «Durch diesen Dschungel müssen wir gemeinsam durch», sagte Steffen, der auch Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärzte ist.

Laut dem Basler Mediziner haben die Schnelltests ein «ganz grosses Potenzial». Diese könnten etwa asymptomatische Coronafälle ausfindig machen, die sonst durch die Maschen fallen würden.

Dass die Ärztevereinigung FMH seinen Mitgliedern vorerst nicht empfohlen hat die Schnelltests zu benutzen, habe bei den Kantonsärzten «keine Begeisterung» ausgelöst, so Steffen weiter. Allerdings zeigte er Verständnis für die Zurückhaltung der FMH. Der herkömmliche PCR-Test sei natürlich der «Goldstandard», dennoch können die Schnelltests laut Steffen helfen, zusätzliche Infektionen herauszufischen.

Armee hilft Spitälern im Kanton Genf

Angesichts der steigenden Fallzahlen und der knapp werdenden Spitalbetten haben einige Kantone den Bund bereits um Unterstützung durch Armeeangehörige angefragt. Nun ist klar: die ersten Soldatinnen und Soldaten werden ab Montag in Genf im Einsatz stehen. Divisionär Yvon Langel, Kommandant der Territorialdivision 1, bestätigte vor den Medien, dass der Chef der Armee für den Einsatz grünes Licht gegeben habe.

Nebst den gesundheitlichen Aspekten gaben die Vertreter des Bundes auch Auskunft über die wirtschaftliche Situation, konkret in Bezug auf die Kurzarbeitsentschädigung. Bis jetzt seien über 8,3 Milliarden Franken in die Kurzarbeit geflossen, sagte Oliver Schärli vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

Anders als im Frühjahr stelle das Seco eine tiefere Benutzung der Entschädigungen fest. Momentan werde pro Tag rund 20 Millionen Franken ausgegeben, während es zum Höhepunkt der ersten Welle täglich 100 Millionen gewesen seien. Doch das Staatssekretariat beobachte bereits wieder eine «leichte Zunahme» der Entschädigungen, so Schärli.

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